Der Autodidakt aus Stutensee im Landkreis Karlsruhe ist das, was man einen "Hidden Champion" nennt. Einer, der eine Marktnische besetzt und dessen spezialisiertes Wissen und seine Fähigkeiten weltweit gefragt sind.
Manne Gelmar schafft es, Holzoberflächen oder unterschiedlichste Steinoptiken so nachzuempfinden, so das sie vom Originalmaterial nicht zu unterscheiden sind. Mit feinen Pinselstrichen, mit Farbe, die in Schwammtechnik aufgetragen wird und mit der Airbrushpistole. Das macht er schon seit 30 Jahren.
Ich bin ein moderner Kirchenmaler. Das alte Kunsthandwerk bezieht sich ja auch auf Holzimitationen, Steinimitationen, das man Marmorsäulen nachempfindet.
Künstler verschönert Flugzeuge mit unechtem Marmor und Holz
Der Meister der Täuschung gestaltet Teile der Kabinen im Inneren von Flugzeugen. Darunter sind zum Beispiel eine Boeing 747 oder der Airbus A320. Seine Oberflächen sehen aus wie Stein oder Holz, sind aber "nur gemalt". Das was er macht, "für die Luftfahrt", wie Manne Gelmar sich ausdrückt, könne man auch als Imitations-oder Illussionsmalerei bezeichnen.
"Ich bin Künstler, mit Leib und Seele", sagt der gelernte Dachdecker. Seine Auftragsarbeit beginnt er, indem er eingehend die Materialien studiert. Er versucht den Stein oder das Holz zu "verstehen", sagt er. Dabei gelingt es ihm immer wieder, sich ganz zu vertiefen und Leidenschaft zu entwickeln.
Ich verliebe mich immer wieder in meine Arbeiten, so das dann immer auch mein Spirit drin steckt.
Der "Kunde ist König" ist wörtlich zu verstehen
Die Flugzeuge, deren Innenausstattung in Stutensee veredelt wird, gehören oft Superreichen. Darunter sind Scheichs oder auch Präsidenten und Könige. Sogenannte VIP oder VVIP Flugzeuge. So werden sie bezeichnet, berichtet der Fachmann in Sachen Oberflächenimitationen.
Da wird zum Beispiel im Badezimmer im Privatjet neben dem echten Marmorboden die Duschkabine in exakt dem gleichen Marmordesign von Manne Gelmar gestaltet. Das ist eine aufwändige Arbeit. Erst wird die Oberfläche abgeschliffen, dann mit Farbe gestaltet.
Zuvor hat es mehrere Vorschläge für den Kunden gegeben, wie es aussehen könnte. Dann wird wieder geschliffen und lackiert, um die Optik zu erreichen, die verlangt wird. Oft ein langer Prozess, der sich auch mal bis zu einem Jahr oder länger hinziehen kann, bis die Teile dann eingebaut werden.
Diskretion gehört für den Künstler aus Stutensee dazu
Auch Vögel auf Magnolienzweigen sind schon als schmückende Wanddekoration bestellt worden. Oder ein blau-weißer Himmel mit Wolken über einem Kingsize Bett. Besonders aufwändig war ein Auftrag zu einem riesiges Deckengemälde, metallisch glänzend, mit stilisierten Blättern, das aussieht als ob man in eine Baumkrone schaut.
Die Auftraggeber aus dem Orient oder von sonstwo auf der Welt, bekommt Manne Gelmar nicht zu sehen. Er hat mit ihnen keinen Kontakt. Verschwiegenheit gehört sowieso dazu, bei Arbeiten für diese Kreise. Die Ausstattung der fliegenden Luxusappartements läuft über Firmen in der Luftfahrtindustrie. Innenarchitekten kontaktieren dann den Experten aus Stutensee.
Daumen hoch für die tolle Arbeit, die er von mir erhalten hat., Das hat mir mal der Sultan von Brunei ausrichten lassen.
Von Motorradtanks zu Privatjets
So eine exklusiv gestaltete Duschkabine im Steinimitat kostet dann gerne mal einen höheren fünfstelligen Betrag, erzählt Manne Gelmar. Oft ist er unterwegs, um auch vor Ort aufgrund seiner außergewöhnlichen Fähigkeiten Aufträge zu erledigen. Dafür arbeitet der Künstler selten unter zehn Stunden am Tag. Wenn die Zeit drängt, auch mal mehrere Wochen lang durch.
Angefangen hat die künstlerische Arbeit mit den Flugzeugen 1996. Sein erster Auftrag war Holzimitat gestalten, an der Tür zur Präsidentenmaschine von Boris Jelzin. Da war Manne schon ein europaweit bekannter Airbrushkünstler, der Motorradtanks gestaltete. Dann kam die Anfrage, ob er auch Holz imitieren könne, für Verkleidungen in Flugzeugen.
Ohne das Team geht es in der Firma in Stutensee nicht
Bis zu 15 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben im Lackiercenter Gelmar in Stutensee gearbeitet. Ohne sein Team hätte er die vielen Arbeiten für die Luftfahrtindustrie nicht hinbekommen, sagt Manne Gelmar. Er hängt nicht gern den Chef raus. Das aufwändige Vorbereiten der Teile aus den Flugzeugkabinen, das Schleifen der Oberflächen und das Finish übernehmen die Mitarbeiter.
Auch Claudia Gelmar, die Ehefrau arbeitet im Betrieb, "oben im Büro", wo sie die Büroleitung hat. Sie und andere Mitarbeiterinnen kümmern sich unter anderem darum, dass all die Flugzeugteile nach Stutensee kommen und dann auch wieder zu den Auftraggebern gesendet werden. Mittlerweile wundert sich der Zoll in Karlsruhe nicht mehr über all die ungewöhnlichen Teile, die die Firma bekommt. Außerdem werden im Betrieb ja auch noch Autos lackiert und Teile aus der Industrie.
Es kommen auch Freunde und Bekannte vorbei und trinken mal einen Kaffee. Es ist keine so strikte Trennung, wie wenn ich nur zur Arbeit gehe.
Der "Hidden Champion" will es bald ein bisschen ruhiger angehen
Noch ein Jahr, bis Frühjahr 2027, wird es das Lackiercenter Gelmar in Stutensee geben. Dort wo Manne Gelmar in seinem Atelier mit verschiedensten Farben, Fantasie und viel Feingefühl die noch anstehenden Aufträge abarbeiten wird. Wobei er nicht von "arbeiten" spricht, sondern "ich habe zu tun". Schließlich ist es Leidenschaft, die den Künstler antreibt.
Auch wenn er ab kommendem Jahr weniger tun möchte, ist er schon angefragt von mehreren Luftfahrtunternehmen, um seine Fähigkeiten an Jüngere weiterzugeben. Und aushelfen werde er auch gerne, wenn es mal wieder keiner so hinbekommt, wie er, Manne Gelmar aus Stutensee.