Die Stadt Karlsruhe muss sparen. Im Haushalt fehlen Millionen, eine Entspannung ist nicht in Sicht. Von der Finanzkrise bleibt auch der Nahverkehr nicht verschont. Ab Donnerstag fahren im Stadtgebiet weniger Busse und Straßenbahnen. Der Fahrplan wird vor allem in den Randzeiten ausgedünnt. Der Gemeinderat hatte die Entscheidung im Januar getroffen.
ÖPNV: Längere Takte, einzelne Linien fallen weg
Vor allem am frühen Morgen und in den Abendstunden gibt es dann nach Angaben der Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK) sogenannte Taktanpassungen. Das bedeutet, dass zum Beispiel die Tramlinien 1 bis 5 sowie die S-Bahn-Linie S2 morgens erst eine halbe Stunde später im 10-Minuten-Takt fahren. Bis dahin gilt der 20-Minuten-Takt aus der Nacht. Auch an Wochenenden fahren Bahnen seltener.
Ähnliche Taktverlängerungen gibt es in den Randzeiten bei mehreren städtischen Buslinien. Einzelne Linien fallen weg. Sie werden durch Ruftaxis des Karlsruher Verkehrsverbunds (KVV) ersetzt.
Karlsruher Nahverkehr: Riesiges Minus bleibt
Die Einsparungen sind für Bürgerinnen und Bürger spürbar. Sie sind aber viel geringer als ursprünglich geplant. Der Widerstand im Gemeinderat gegen die Streichungen im Nahverkehr war zu groß. Die Stadträte konnten sich nach monatelanger Diskussion nur auf einen Bruchteil der geplanten Kürzungen einigen. Auch die Gewerkschaft ver.di und der Betriebsrat stemmten sich gegen die Sparpläne.
Vor zwei Jahren waren die Einsparungen erstmals Thema in den Gremien der Verkehrsbetriebe. Der Grund: Das Defizit der VBK von deutlich über 100 Millionen Euro pro Jahr belastet den Haushalt der Stadt Karlsruhe massiv. Zunächst wurde das Ziel von 20 Millionen Euro Einsparungen jährlich ausgeben, sogar massive Stellenstreichungen schienen möglich. Am Ende liegt die jährliche Einsparsumme bei 3,6 Millionen Euro jährlich - angesichts des weiterhin enormen Defizits der städtischen Tochtergesellschaft VBK eine verschwindend geringe Summe.
VBK-Geschäftsführer: Streichungen sind "überschaubar"
Der Geschäftsführer der Verkehrsbetriebe Karlsruhe, Alexander Pischon, nennt die Auswirkungen der Sparmaßnahmen im Gespräch mit dem SWR "überschaubar". Auch wenn die Folgen für betroffene Fahrgäste natürlich spürbar seien. Aber Betroffene können und sollen das Ruftaxi nutzen, so Pischon.
Wir sind durch gute Argumentation [...] mit einem blauen Auge davongekommen.
Größere Einsparungen wären nur durch massive Streichungen im Fahrplan möglich gewesen, betont der VBK-Chef. Für 15 Millionen Euro Einsparungen pro Jahr etwa hätte das Unternehmen ein Drittel des Angebots im Karlsruher Nahverkehr streichen müssen. Im Aufsichtsrat der Verkehrsbetriebe und im Gemeinderat habe das zu großen Diskussionen geführt, betont der Geschäftsführer. Das Ergebnis dieser Diskussionen sei der jetzt umgesetzte Kompromiss.
Finanzierung des Nahverkehrs weiter angespannt
Weitere Sparmaßnahmen im Karlsruher Nahverkehr will Pischon nicht ausschließen. Entscheidend sei die Entwicklung der Finanzlage der Stadt. Jetzt schon müssten städtische Gesellschaften eigene Rücklagen angreifen, um Löcher zu stopfen. Das könne noch zwei oder drei Jahre gut gehen, so der VBK-Geschäftsführer.
Wir werden alles dran setzen, weitere Kürzungen irgendwie zu vermeiden.
Sollten sich in den kommenden Jahren die Gewerbesteuereinnahmen und die Finanzierung des ÖPNV insgesamt nicht verbessern, so Pischon, dann könnte auch eine neue Sparrunde im Karlsruher Nahverkehr ein Thema werden.