Gleich neben dem Damianstor in Bruchsal im Landkreis Karlsruhe steht der historische "Gasthof zum Bären". Bereits seit rund vier Jahren steht er nun schon leer. Das geschichtsträchtige Lokal, in dem 1848 schon die badischen Revolutionäre tagten, soll nun wiedereröffnet werden. Das Problem: Die Sanierung würde Millionen kosten, aber sowohl die Stadt als auch das Land als Besitzerin haben aktuell kein Geld dafür.
Bürgerinitiative "Bruchsal Bärenstark" will Bären retten
Der Bären könnte das älteste überhaupt noch existierende Gasthaus in Bruchsal sein. Derzeit fehlt aber ein Investor oder Betreiber, der bereit ist, diese Aufgabe zu übernehmen. Deshalb hat es sich die Bürgerinitiative "Bruchsal Bärenstark" zur Aufgabe gemacht, das Gasthaus in seinem alten Glanz wieder erstrahlen zu lassen. Mit einer Petition an die Landesregierung wollte sie zunächst verhindern, dass aus dem Bären ein Bürogebäude gemacht wird.
Wir stellen uns vor, dass wir den Bären natürlich modernisieren und ertüchtigen müssen. Damit man dort drin auch wieder Gastronomie betreiben kann.
Früher Zentrum des städtischen Lebens in Bruchsal
Der Bär in Bruchsal ist bekannt wie ein bunter Hund. Jeder in Bruchsal kennt ihn, alle Abiturienten, die jemals ihre Reifeprüfung in der ehemaligen Residenz der Fürstbischöfe ablegten, haben laut Ulrich Klump im Bärenkeller gefeiert. Familienfeste, Firmenfeiern, der Bär war dafür jahrzehntelang die erste Adresse in der Stadt.
Was aber noch bedeutsamer sei: Hier tagten in den Revolutionsjahren 1848 und '49 schon die badischen Revolutionäre. Mitverantwortlich dafür war der Wirt des Bären, der Bierbrauer Heinrich Hetterich. In seinen Tagen hieß der Bär auch noch nicht Bär, sondern war allgemein bekannt als das "Hetterich'sche Bierhaus" gleich neben dem Zuchthaus (Gefängnis).
Gasthof überlebte Luftangriff auf Bruchsal
Bierbrauer Heinrich Hetterich war aber nicht nur der Wirt, er war auch Rädelsführer und Anstifter der demokratischen Revolutionäre. Deshalb musste Hetterich nach Niederschlagung der Revolution auch unfreiwillig umziehen, erzählt Ulrich Klump. Nur ein paar Meter weiter saß der Wirt der badischen Revolution im "Café Achteck" ein, wie man das Gefängnis in Bruchsal aufgrund seiner Form nennt. Sozusagen mit Blick auf seinen eigenen Gasthof verbüßte er einen Teil seine Strafe im Bruchsaler Zuchthaus und wurde später begnadigt.
Das Gasthaus überlebte beide Weltkriege. Selbst die Zerstörung Bruchsals 1945 überstand das zweistöckige Gebäude gleich neben dem Schloss. In den Jahren 1976 bis 1981 wurde es vom Staatlichen Hochbauamt in Karlsruhe saniert. Seine Geschichte endete vorerst im Jahr 2022, als der letzte Pächter das Lokal aus persönlichen Gründen aufgeben musste.
Kann der Bär gerettet werden?
Bruchsals Oberbürgermeister Sven Weigt (CDU) hatte den Bären schon in seinem Wahlkampf zur Chefsache gemacht. Seit Monaten ist er mit dem Land Baden-Württemberg, dem der Gasthof gehört, im Gespräch.
Ein Kauf, eine Sanierung, ein Betrieb muss so sein, dass sowohl der Kauf als auch der Betrieb wirtschaftlich sich trägt. Dass er Gewinne erwirtschaftet und dann funktioniert. Und das ist das Ziel.
Finanzstaatssekretärin Gisela Splett (Grüne) aus Karlsruhe hat selbst schon im Bären gesessen und gegessen. Auch sie wünscht sich, dass in das alte Lokal zwischen Schloss und Justizvollzugsanstalt neues Leben einkehrt.
Wir beim Land sind der Ansicht, dass dieses Gebäude in öffentlicher Hand bleiben sollte - also entweder Land oder Stadt. Wir haben schon vor längerem angeboten, dass die Stadt das Gebäude kaufen kann.
Wie das Geld aufgebracht werden soll, ist noch nicht geklärt. Eine Option zur Finanzierung könnte laut Bürgerinitiative auch eine Bürgerstiftung sein, um das nötige Kapital etwa durch Sponsoren aufzubringen. In Bruchsal wird nun gerechnet. Bis zum Sommer erwartet das Finanzministerium ein Konzept für den Bären. Dann soll eine Entscheidung fallen.