Das Rheinstrandbad in Karlsruhe-Rappenwört wird in diesem Sommer doch öffnen - zumindest in Teilen. Der Gemeinderat stimmt den kürzlich von der Stadt vorgestellten Plänen einstimmig zu. Badegäste müssen allerdings Einschränkungen in Kauf nehmen.
Freibad öffnet im Sommer 2026 nur teilweise
Der Plan der Stadt sieht verschiedene Maßnahmen vor, mit denen beim Betrieb des Rheinstrandbads Geld gespart werden soll. So soll unter anderem das Bad nur von Pfingsten bis August und auch nur von Donnerstag bis Sonntag zwischen 10 und 20 Uhr geöffnet werden. Voraussichtlich geschlossen bleiben müssten aber das Mehrzweckbecken sowie das Kinderplanschbecken, wie die zuständige Bürgermeisterin Yvette Melchien (SPD) vergangenen Donnerstag bei der Konzeptvorstellung mitteilte.
Uns allen ist dieses Bad lieb und teuer. Deshalb bin ich sehr froh und dankbar, dass wir einen Vorschlag (zum Betrieb des Rheinstrandbads) machen dürfen.
Teil des Plans ist auch der Förderverein, der sich erst vergangenes Jahr mit der Motivation gegründet hatte, das Bad vor der Schließung zu bewahren. Der Verein will nach Möglichkeit bei der Badeaufsicht unterstützen. Zudem wollen die Mitglieder Events veranstalten, durch die ebenfalls Einnahmen generiert werden sollen.
Gemeinderat Karlsruhe: "Betrieb steht auf wackeligen Füßen"
Die Fraktionen des Gemeinderats stimmten am Dienstag mit großer Mehrheit den Plänen für die Saison 2026 zu. Dennoch wurden auch Zweifel laut, ob der Betrieb des Freibads Rappenwört über dieses Jahr hinaus möglich sein wird, wenn kein langfristig finanziell tragbares Konzept gefunden wird. Das mit Abstand teuerste Bad mit sinkenden Besucherzahlen in den vergangenen Jahren verursacht immense Kosten, so Grünen-Stadträtin Verena Anlauf. Lassen sich die 750.000 Euro für dieses Jahr rechtfertigen? CDU-Fraktionsvorsitzende Detlef Hofmann betonte, dass ehrenamtliches Engagement unterstützt werden muss. Trotzdem müsse der kritische Blick Richtung Zukunft gehen.
Wichtig ist, dass wir frühzeitig Signale setzen, wenn sich die finanziellen Zeiten nicht verändern, dass wir uns dann von dem ein oder anderem Bad verabschieden müssen.
Die Saison 2026 werde nun der Probelauf und müsse zeigen, ob auch im kommenden Jahr eine Öffnung in der finanziell stark angeschlagenen Stadt möglich ist, so weitere Stimmen aus dem Gemeinderat. Oberbürgermeister Frank Mentrup (SPD) betont, dass es im Herbst darum gehen müsse das Bäderkonzept langfristig anzupassen.
Wir müssen uns mit der größten Freibaddichte Deutschlandlands auseinandersetzen und schauen, ob wir die aufrechterhalten können.
Sparmaßnahmen reichen trotzdem nicht
Insgesamt will die Stadt dem Plan zufolge rund 149.000 Euro einsparen. Das Problem: Die Stadt verfehlt ihr Einsparziel damit trotzdem um fast 253.000 Euro. Zumindest in diesem Jahr soll der Fehlbetrag über das Budget der Karlsruher Bäderbetriebe beispielsweise durch das Fächer- und Europabad ausgeglichen werden. Für die Zukunft des Rheinstrandbads müssten langfristig aber andere Lösungen her.
Der Ball liegt jetzt beim Karlsruher Gemeinderat, um zu sagen, ob es auch 250.000 Euro mehr sein dürfen, um Rappenwört größtmöglich zu öffnen.
Sparen ohne Abstriche nicht möglich
Eigentlich sollte das Rheinstrandbad Rappenwört die nächsten zwei Jahre geschlossen bleiben. Rund 900.000 Euro hätte man durch die zeitweise Schließung gespart. Mit dem Geld sollten die technischen Anlagen im Bad gepflegt werden, damit man in Zukunft wieder öffnen könne.
Um Rappenwört ganz zu öffnen, hätten zwei andere Bäder in Karlsruhe geschlossen bleiben müssen. Wenn man sparen muss, tut es immer weh.
Dass das Bad aller Voraussicht nach auch dieses Jahr zumindest teilweise öffnen werde, sei bereits ein Erfolg, so Bürgermeisterin Yvette Melchien. Natürlich sei es schade, wenn das Mehrzweckbecken und das Kinderplanschbecken geschlossen bleiben müssten. Die finanzielle Lage der Stadt lasse aber kaum andere Möglichkeiten zu, erklärte Melchien.
Förderverein will Rheinstrandbad Rappenwört "retten"
Um die zeitweise Schließung zu vermeiden, hatte sich im letzten Jahr ein Förderverein gegründet, der der Stadt beim Betrieb des Rheinstrandbads helfen möchte. Für die Vorsitzende Daniela Christ ist das Rheinstrandbad ein ganz besonderer Ort. Ein Tag dort fühle sich für sie oft an wie mehrere Tage Urlaub.
Wir möchten einen finanziellen Beitrag leisten und über Veranstaltungen Spenden sammeln.
Um das Rheinstrandbad nicht nur zu erhalten, sondern auch attraktiver zu machen, will der Förderverein zum Beispiel den Strandgut-Kiosk wieder öffnen. Dort sollen sich Besucher Material für Spiele wie Tischtennis und andere Freizeitbeschäftigungen ausleihen können.
Als noch junger Förderverein möchten wir uns so gut engagieren, wie wir können. Damit das Rheinstrandbad auch 2027 eine Zukunft hat.