Die badische Weinbranche befindet sich in herausfordernden Zeiten: Der Konsum sinkt. Denn die Deutschen trinken insgesamt weniger Wein und greifen dafür häufiger zu ausländischen Produkten. Der Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) will mit gezielten Fördermaßnahmen den Weinbau in Baden-Württemberg unterstützen und dadurch zukunftssicher machen.
Baden-Württemberg soll auch in Zukunft Weinland bleiben.
Wein sei ein Kulturgut und gehöre fest zum Bundesland. "Wir haben herausragende Weine und Top-Qualitäten, alles spricht dafür, dass der Weinbau eine Zukunft hat", so Hauk am Rande der Fachmesse Eurovino in Karlsruhe. Doch wie gelingt es, den heimischen Absatz anzukurbeln und Menschen wieder mehr für Weine aus ihrer Region zu begeistern?
Mit Tourismus und Werbung für badischen Wein begeistern
Für den Minister kommt hier dem Weintourismus eine wichtige Schlüsselrolle zu. Die Politik könne nur Rahmenbedingungen schaffen, beim Tourismus seien vor allem die Weinbaubetriebe und Winzergenossenschaften gefordert, so Hauk.
Durch Veranstaltungen wie After Work Events, Weinwanderungen oder kulinarische Weinproben könne man neue und jüngere Zielgruppen an das Thema Wein heranführen. Auch die Pfalz sei auf diesem Feld der Vermarktung schon lange sehr engagiert und besser aufgestellt, viele Betriebe hierzulande könnten sich da noch einiges abschauen, so Hauk.
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Neues Konzept gegen verwilderte Weinberge
Um gegen die zunehmende Verwilderung in den Weinbergen anzugehen und diese wieder attraktiver für Touristen zu gestalten, will das Landwirtschaftsministerium neue Förderprogramme auflegen: Ab 2027 soll laut Minister Hauk eine sogenannte "Rotationsbrache" eingeführt werden. Mit dieser Förderprämie erhalten Winzer über einen Zeitraum von zwei Jahren 2.500 Euro pro Hektar, wenn sie ihre Rebflächen zeitweise stilllegen, damit sich der Boden regenerieren kann.
Die neue Förderprämie soll auch den Rückbau von Rebanlagen finanziell schmackhafter machen. Wenn Grundstückseigentümer ihre Weinberge stilllegen, sind sie verpflichtet, die Rebanlagen abzubauen und die Fläche zu pflegen. Das kostet Mühe und oft viele Tausend Euro und wird deshalb oft vernachlässigt.
Holger Klein vom Badischen Weinbauverband begrüßt die neue Rotationsbrache. "Die Winzer gewinnen damit Zeit." Angesichts immer größerer Brachflächen in den Reben gehe es jetzt darum, Flickenteppiche zu vermeiden und Gebiete zu schaffen, wo Weinbau in Zukunft noch möglich ist. Hier setze man auch auf aktuell laufende Pilotprojekte in Mittelbaden, am Kaiserstuhl und im Remstal, die wichtige Vorreiter für ganz Baden-Württemberg seien.
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Badische Winzer hoffen auf junge Zielgruppen
Unabhängig von den landesweiten Fördermaßnahmen haben viele Winzer ihre eigenen Vermarktungsideen, um die Kunden zu erreichen. Deswegen ist bei einer Umfrage unter badischen Winzern auf der Messe Eurovino trotz vieler Sorgen auch Zuversicht spürbar.
Das Bioweingut Klumpp aus dem Kraichgau zum Beispiel vermarktet nach eigenen Angaben seine Erzeugnisse seit vielen Jahren erfolgreich über die Gastronomie - und setzt auf Direktvermarktung. "Wir merken, dass sich etwas zum Positiven ändert. Gerade junge Konsumenten interessieren sich wieder mehr für regionale und nachhaltig produzierte Weine und sind auch bereit, ein paar Euro mehr für gute Qualität auszugeben", so Andreas Klumpp.
Das kleine Weingut Dütsch im Baden-Badener Stadtteil Neuweier möchte seine Kunden durch gute Qualität überzeugen. "Für uns geht es beim Wein um ein hochwertiges Naturprodukt, das wir mit liebevoller Handarbeit erzeugen. Die Kunden kaufen aber heute weniger Wein als noch vor zehn, fünfzehn Jahren. Und sie sind anspruchsvoll. Wir haben das Ziel, unsere Stammkundschaft mit immer neuen, guten Weinen zu überzeugen und auf Dauer zu halten."