Der erste Testflug im Mai war direkt erfolgreich, mittlerweile ist die Rakete mit der Bezeichnung SR75 zurück in Neuenstadt am Kocher (Kreis Heilbronn) und wird dort ausgiebig untersucht. Besonders im Fokus ist dabei der Antrieb, denn der ist eine Eigenentwicklung des Start-ups HyImpulse: Die Hybridrakete verwendet neben flüssigem Sauerstoff festes Paraffin - auch einfach als Kerzenwachs bekannt. Seit 2006 forscht das Unternehmen an der Antriebsmethode. Und es hat noch viel vor: Ging der erste Testflug "nur" in eine Höhe von 60 Kilometern, soll es ab 2027 in die Erdumlaufbahn gehen.
Sicherer und billiger ins All - dank Kerzenwachs
Natürlich besteht der Antrieb nicht einfach nur aus Kerzenwachs, betont Mitgründer und Geschäftsführer Christian Schmierer. Damit das Paraffin gleichmäßig und auch schnell genug abbrennt, sind einige Zusatzstoffe enthalten. Welche genau, das ist das Betriebsgeheimnis von HyImpulse.
Der Vorteil des Antriebs: Er ist sicherer und billiger, so das Start-up. Sicherer, da sich das Kerzenwachs nicht selbstständig entzünden oder explodieren kann. So kann die Rakete problemlos mitsamt des Treibstoffs verschifft werden. Billiger, da man bis zu 50 Prozent an Bauteilen spare gegenüber einer Rakete, bei der zwei flüssige Treibstoffe kombiniert werden.
Der Markt ist groß - der Preis für die Rakete sollte es nicht sein
Und dieses Preisschild kann entscheidend sein. HyImpulse ist nicht das einzige Unternehmen, weder in Deutschland noch europaweit, das sich darauf spezialisieren will, Kleinsatelliten ins All zu schießen. Gerade in der Größenordnung einer Nutzlast von 600 bis 1.000 Kilogramm könnte eine billigere Rakete den Ausschlag geben, ist Schmierer überzeugt. Diesen Gewichtsbereich peilt das Unternehmen mit seiner Rakete SL1 an. Die ist deutlich größer als die getestete SR75 und könnte 2027 das erste Mal starten.
Mit rund 50 Kundinnen und Kunden hat man regelmäßigen Kontakt, sagt Schmierer. Das sind zum Beispiel Satellitenbetreiber, die einen Raketenstart buchen würden. Rechnet man alle dabei möglichen Starts zusammen, ergibt sich ein Volumen von 400 bis 500 Millionen Euro. Der Markt für solche Satelliten ist also da - liegt aber vor allem in der Hand der USA.
Geschäftsführer und Mitgründer Christian Schmierer im SWR-Interview:
Interview mit Unternehmen HyImpulse Raketenbauer aus Baden-Württemberg will in den Weltraum
Kerzenwachs als Raketentreibstoff: Deutsche Ingenieure suchen nach Europas unabhängigen Weg in den Weltraum. Nach erfolgreichen Tests steht nun der nächste große Sprung bevor.
Ohne staatliche Förderung hat es ein Raketenbauer schwer
Aber auch wenn das vielversprechend klingt: Die Entwicklung bis dahin ist teuer. Zwar war HyImpulse bisher ausgesprochen günstig unterwegs - für die Entwicklung der ersten Rakete gingen rund 20 Millionen Euro drauf - aber ohne staatliche Förderung ist es schwer. Da seien andere Nationen deutlich weiter und würden ihre Raketenbauerinnen und Raketenbauer sowohl in der Entwicklung stärker fördern als auch mit bezahlten Aufträgen hinterher, beklagt Schmierer. Denn der Staat ist nach wie vor der wichtigste Kunde für die Eroberung des Weltalls. Auch das sehr erfolgreiche SpaceX kam nur durch staatliche Nachhilfe dorthin, wo es heute steht.
Zukunft für HyImpulse in Deutschland ist ungewiss
Ob die Zukunft für HyImpulse in Deutschland liegt, ist noch ungewiss. Für die Montage der größeren Rakete SL1 braucht es so oder so eine neue Halle, die bisherige in Neuenstadt am Kocher ist einfach zu klein. Glasgow könnte als Produktionsstandort in Frage kommen, sagt Schmierer. Die Unterstützung durch Großbritannien sei sehr gut. Eine Niederlassung in Schottland hat HyImpulse bereits.