Für manche Menschen sind die Salat-Bowls in den Kühltheken der Supermärkte und Discounter fester Bestandteil der Mittagspause. Sie kommen häufig, wie auch die geschnittenen und gewaschenen Salate in der Tüte, aus Jagsthausen (Kreis Heilbronn). Hier hat die Firma Gartenfrisch Jung ihren Sitz. Was klingt wie ein kleiner Bauernhof mit Lattenzaun ist in Wirklichkeit eine Fabrik mit mehreren Hallen. Rund tausend Mitarbeitende sorgen in Landwirtschaft, Produktion und Logistik dafür, dass täglich 300.000 Einheiten für den Handel produziert werden.
Was mit einem kleinen Acker 1795 begann, entwickelte sich unter Hermann Jung in den 1960er Jahren zu einem Pionier. Denn der baute als einer der ersten in Deutschland Zucchini an. In den 1980er Jahren begann die Familie dann in einem gefliesten Schuppen, ihre angebauten Salate küchenfertig zu produzieren. Damit wurde ein Nerv getroffen. Heute ist das Unternehmen Marktführer, der Jahresumsatz lag zuletzt bei etwa 110 Millionen Euro. "Wir haben eine stabile wirtschaftliche Situation und gehen davon aus, dass wir das gleiche Ergebnis der Vorjahre oder besser erzielen", sagt Clemens Morath. Er ist verantwortlich für die Qualität der Produkte.
Bei Hitze steigt der Absatz schnell um 20 Prozent
Wenn es richtig warm wird, essen die Leute mehr Salat. Das sorgt schnell mal für 20 Prozent mehr Absatz, doch auch die Ware wird knapper und der Einkaufspreis steigt. Jung kann solche Spitzen abfedern, indem einige der eigenen Felder etwas früher abgeerntet werden. Der Betrieb besitzt rund um Jagsthausen 600 Hektar Anbaufläche, in Portugal weitere 200. Der Rest wird, wie viele andere Zutaten, zugekauft - möglichst aus der Umgebung, betont Morath. Neben Menschen aus dem Umkreis setzt Jung auch auf Saisonkräfte.
Whirlpool für den Salat und spezielle Züchtungen
Im ersten Produktionsschritt wird der Salat von Hand vorgeschnitten. Strunk und nicht brauchbare Anteile wandern in die Biogas-Anlage, Salatblätter in die Waschbecken. Hier sorgt vier bis fünf Grad kaltes Wasser dafür, dass die Ware frisch bleibt. In die Becken wird Luft geblasen, sodass eine Art Whirlpool-Effekt hilft, den Schmutz zu entfernen. Um Wasser zu sparen, setzt Jung auf Salatzüchtungen, deren äußere Blätter auf dem Feld möglichst wenig Bodenkontakt haben. So werden sie erst gar nicht groß schmutzig.
Danach wird der Salat maschinell geschnitten. Ein großer Teil wird in die kleinen Tüten verpackt, wie man sie aus dem Kühlregal im Supermarkt kennt. Der Rest kommt in die Produktion für die Bowls und Salatschalen.
Bowls und Kreationen werden selbst entwickelt
"Als ich vor zwölf Jahren hier angefangen habe, gab es den Klassiker mit Käse und Schinkenwürfeln", erinnert sich Clemens Mortah. Der macht immer noch einiges am Volumen aus, doch der Bowl-Trend hat für eine breite Vielfalt mit immer neuen Kreationen gesorgt. Die werden im Haus selbst entwickelt. Sie müssen vom Geschmack, der Optik, der Haltbarkeit und dem Preis passen, erklärt Morath.
Er zeigt in der Produktion eine Variante mit Reis, Lachs und Erdnusskernen. Letztere werden in kleinen Beuteln fertig verpackt angeliefert, damit keine allergenen Stoffe in die Produktion gelangen können.
Am Ende packen Roboter alles in Kartons und auf Paletten. Danach geht es zum Versand ins Logistikzentrum nach Möckmühl (Kreis Heilbronn) und vor dort aus zu den Handelsketten.