Der Anstieg des gesetzlichen Mindestlohns auf 13,90 Euro pro Stunde sorgt auf den Feldern in Baden-Württemberg für eine Zäsur. Laut dem Landesbauernverband führt die Lohnsteigerung dazu, dass regionales Gemüse und Salate gegenüber ausländischer Ware kaum noch konkurrenzfähig sind.
Getreide statt Gemüse
Landwirt Daniel Jung aus Jagsthausen (Kreis Heilbronn) zieht bereits Konsequenzen: Er hat seine Anbaufläche für Gemüse um zehn Prozent reduziert. Statt arbeitsintensiver Kulturen setzt er verstärkt auf Getreide, das effizient mit Maschinen geerntet werden kann. So spare er teures Personal, für das die Refinanzierung über den Verkaufspreis immer schwieriger wird, wie er betont.
Stefan Kerner aus Erlenbach (Kreis Heilbronn) ist Vorstandsmitglied im Landesbauernverband Baden-Württemberg. Ein Teil der Ernte werde dieses Jahr wohl auf den Feldern stehen bleiben, sagt er vorher. Der Grund: Bauern könnten oder wollten sich nicht so viele Saisonarbeitskräfte leisten und könnten den Arbeitsaufwand so nicht bewältigen.
Preisdruck durch Importe aus Osteuropa
Die Regale in den Supermärkten bleiben gefüllt, heißt es beim Bauernverband. Die Herkunft der Ware verschiebe sich aber. Die Lücke, die deutsche Erzeuger hinterlassen, werde durch Importe ersetzt. Denn die seien günstiger. In Ländern wie Polen liegt der Mindestlohn aktuell bei 7,30 Euro bis 7,40 Euro, statt 13,90 Euro wie in Deutschland.
Streit um "Mindestlohn zweiter Klasse“
Um den Selbstversorgungsgrad in Deutschland zu sichern, fordert der Deutsche Bauernverband einen Lohnabschlag von 20 Prozent für ausländische Saisonkräfte. Das Argument: Die Helfer geben ihren Lohn in der Heimat aus, wo die Lebenshaltungskosten deutlich niedriger sind.
Auf strikte Ablehnung stößt dieser Vorschlag beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB). Vorstandsmitglied Stefan Körzell betont, dass die Lohnuntergrenze für alle Beschäftigten gleichermaßen gelten müsse. Auch das Bundesagrarministerium sieht derzeit rechtlich keinen Spielraum für solche Ausnahmen.
Ausblick: 2027 folgt die nächste Erhöhung
Die Landwirte Stefan Kerner und Daniel Jung hoffen jetzt auf eine Lösung bis zum kommenden Jahr. Gibt es bis dahin keine Ausnahme, werden Erntehelfer noch teurer. Denn dann soll der Mindestlohn in der Landwirtschaft weiter steigen, von 13,90 Euro auf 14,60 Euro.