In den letzten Wochen häufen sich Meldungen über Menschen, die von Einsatzkräften aus dem Neckar oder anderen Gewässern in Baden-Württemberg gerettet werden mussten. Teilweise in letzter Sekunde, wie bei einem Mann in Heilbronn Mitte Juli, oder auch erst ein paar Tage zuvor, als Passanten Hilferufe am Neckar hörten.
Nicht immer ist Hilfe rechtzeitig vor Ort. Erst am Wochenende konnte die Feuerwehr einen Mann nur noch tot aus dem Neckar bergen. Zuweilen liegen nur wenige Tage zwischen den Fällen. Häufen sich solche Einsätze?
Feuerwehr: Kurze Abstände der Einsätze ungewöhnlich
Zumindest sei es ungewöhnlich, dass die Abstände so kurz sind, berichtet Jürgen Vogt von der Heilbronner Feuerwehr. Betrachte man die Gesamtzahl der Einsätze in diesem Jahr, gebe es aber bisher keine ungewöhnliche Häufung. Mit Betonung auf bisher - denn sollten die Einsatzkräfte weiterhin in so kurzen Abständen ausrücken müssen, dann könnte sich die Statistik noch ändern.
Eine einzelne Ursache lasse sich aber nicht festmachen. So sind manche Leute einfach nur betrunken zu nahe ans Ufer gekommen, andere wollten baden und haben ihre Kräfte überschätzt. Auch gebe es keinen bestimmten Ort, an dem Leute besonders häufig verunglückten, so Vogt.
Badesachen am Neckar oder an Seen - aber niemand ist zu sehen
Viele Menschen seien mittlerweile auch sensibilisiert, im Fall der Fälle die Feuerwehr zu alarmieren, mutmaßt Vogt. Beispielsweise wenn sie Schuhe und ein Badetuch am Ufer finden, aber niemand im Wasser zu sehen ist. Die Einsatzkräfte müssen dann abwägen, wie schlüssig es ist, dass sich jemand im Wasser befindet. Ein einzelnes Paar alter Schuhe ist eher unverdächtig. Klassisch sei dagegen eine Kombination aus Fahrrad, Badetuch und Schuhen am Ufer.
Fall Dörzbach brachte die Einsatzkräfte an ihre Grenzen Feuerwehr Heilbronn unter Wasser: Jede Einsatzkraft ist auch ein Tauchprofi
Die Heilbronner Berufsfeuerwehr unterscheidet sich von anderen Einsatztruppen im Land. Sie alle müssen auch unter Wasser Leben retten können.
Wenn dann die Feuerwehr ausrückt, schlüpft einer der Kameraden direkt während der Fahrt in einen Überlebensanzug und springt vor Ort sofort bei der Ankunft ins Wasser - in der Hoffnung, den Gesuchten noch an der Oberfläche zu finden. Das bringt die besten Überlebenschancen. Währenddessen machen sich bereits die Taucher fertig, falls die Person schon untergegangen sein sollte.
Einsätze beweisen: Tauchausbildung der Feuerwehr notwendig
Manchmal handelt es sich dabei auch nur um einen kuriosen Fehlalarm. So geschehen in einem Fall an der Ehmetsklinge in Zaberfeld (Kreis Heilbronn), berichtet Vogt: Hier wurde die Feuerwehr alarmiert, weil Passanten Badesachen fanden. Die Einsatzkräfte hatten Glück, in einer Tasche befand sich auch ein Ausweis. Schnell stellte sich heraus: Der gesuchte Besitzer war schon längst daheim. Offenbar war er leicht verwirrt in Badesachen nach Hause gelaufen.
Zumindest einen Vorteil hat die Häufung aber in Vogts Augen: Zur Zeit läuft die Tauchausbildung bei der Heilbronner Feuerwehr. Dass die auch nötig ist, stelle bei der Zahl der Einsätze niemand in Frage.