Die Schülerproteste in Frankreich gehen weiter. Schülervertretungen hatten am Dienstag zu Kundgebungen und Protesten im ganzen Land aufgerufen. Auch im Elsass blockierten Schülerinnen und Schüler, über eine Woche nach Protestbeginn, wieder zahlreiche Gymnasien. Zum Beispiel in Straßburg.
Schülerprotest: Rund 10.000 Demonstrierende in Straßburg
Laut der französischen Gewerkschaft CGT zogen am Dienstag rund 10.000 Menschen durch die Straßburger Innenstadt, um gemeinsam für eine bessere Ausstattung der Schulen und bessere Lernbedingungen zu protestieren. Unter den Demonstrierenden waren zahlreiche Schülerinnen und Schüler - außerdem an ihrer Seite: Studierende, Lehrkräfte und Eltern.
Unterstützung kommt auch von mehreren großen Bildungsgewerkschaften, die zur Beteiligung an den Aktionen und teils auch zum Streik aufgerufen hatten. Ordnungsdienste dieser Organisationen sollten dafür sorgen, dass die Proteste friedlich bleiben. Die Polizei hatte ein Großaufgebot mobilisiert.
Zusammenstöße zwischen Demonstranten und Polizei in Straßburg
Am Vormittag blieb es im Elsass weitestgehend ruhig. Laut französischen Medienberichten blieben 24 Gymnasien im Elsass am Dienstag geschlossen. In Straßburg kam es am Nachmittag zu Konfrontationen mit der Polizei. Laut Berichten der französischen Regionalzeitung "Dernières Nouvelles d'Alsace" warfen Demonstranten mit Steinen und Glasflaschen. Die Polizei setzte Tränengas ein.
Gewaltsame Schülerproteste und hohe Schäden
In den vergangenen Tagen kam es immer wieder zu schwerer Gewalt bei den Protesten: Lehrkräfte wurden angegriffen, Polizisten verletzt, Mülltonnen und Fahrzeuge in Brand gesetzt. Seit Beginn der Proteste in Frankreich sind nach Regierungsangaben landesweit über 200 Schüler verletzt worden, aber auch über 700 Polizisten und 85 Angehörige des Lehrpersonals.
Nach Angaben des Justizministeriums wurden seit Beginn der Proteste in ganz Frankreich 5.060 Menschen festgenommen, 87 Prozent davon Minderjährige. Gegen 1.802 Betroffene seien Ermittlungen eingeleitet worden.
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Kritik an Polizeigewalt gegen Minderjährige
Gleichzeitig gibt es Vorwürfe unangemessener Polizeigewalt. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International sprach von einem unverhältnismäßigen Einsatz der Polizei gegenüber den Schülern. Es handele sich um Kinder, die geschützt und nicht von den Ordnungshütern angegriffen werden müssten. Eine Deeskalation sei nötig.
Polizeigranate reißt 15-Jährigem die Hand ab
Für Erschütterung sorgte der Fall eines 15-jährigen Gymnasiasten, dem im nordfranzösischen Lens durch eine von der Polizei abgefeuerte Granate eine Hand abgerissen wurde. Beamte hatten das Geschoss in eine Gruppe demonstrierender Schüler abgefeuert. Die Generalinspektion der Polizei ermittelt gegen die eingesetzte Bereitschaftspolizei.
Innenminister Laurent Nuñez rechtfertigte in einem Interview mit dem Sender "France Inter" den Einsatz von Tränengas-Granaten zur Auflösung von Menschenansammlungen sowie Gummigeschossen bei den Demonstrationen. Wenn es zu Ausschreitungen komme, sei der Einsatz dieser Waffen "verhältnismäßig". "Man kann hier nicht von polizeilicher Repression sprechen.", so Laurent Nuñez von Emmanuel Macrons Partei "Renaissance".