Erneut sind an diesem Freitag hunderte Menschen auf die Straße gegangen, um gegen Aufrüstung und eine mögliche Wehrpflicht zu demonstrieren. Laut dem Bündnis "Schulstreik gegen Wehrpflicht" waren bundesweit in mehr als 100 Städten Kundgebungen und Demonstrationen geplant.
Rund 250 Menschen gehen in Freiburg auf die Straße
In Freiburg zogen rund 250 Menschen vom Platz der Alten Synagoge durch die Innenstadt. Vor allem junge Männer und Frauen taten ihren Unmut über die Wehrdienstreform der Bundesregierung kund, indem sie etwa "Nie wieder Wehrpflicht!" skandierten. Aber auch ältere Menschen zeigten sich solidarisch und nahmen an dem Protest teil.
"Ich bin heute hier, weil vor ein paar Tagen beschlossen wurde, dass die Musterungen jetzt schon anfangen sollen statt wie zuerst gesagt im Sommer 2027. Das ist eine Frechheit, eine Unverschämtheit", sagte ein Demo-Teilnehmer.
Eine junge Frau äußerte sich im SWR-Interview ähnlich emotional: "Ich bin mittlerweile richtig sauer, weil jeder dritte Euro des Bundeshaushalts ins Militär und die Aufrüstung fließen soll. Gleichzeitig wird der Sozialstaat kaputt gekürzt, und unsere Zukunftsaussichten sind so schlecht wie noch nie."
Schulstreik in Stuttgart: "Die Jugend hat im Kriegsfall alles zu verlieren"
Auch in der Landeshauptstadt gab es am Vormittag eine Demonstration. Die Polizei sprach von rund 200 Teilnehmern. Neben der "Deutschen Friedensgesellschaft - Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen" waren unter anderem die IG Metall, die Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend und der "Arbeitskreis Frieden Verdi Stuttgart" dabei.
"Wir wollen allen jungen Menschen, die keine Lust auf die Wehrpflicht haben, zeigen: Sie können sich wehren, sie können Widerstand leisten, sie müssen da nicht hin", sagte ein Mitglied des Schulstreik-Kommitees in Stuttgart.
Die Jugend hat im Kriegsfall nichts zu gewinnen und alles zu verlieren. Während die Großkonzerne sich mit dem Krieg die Taschen voll machen, zahlen wir den Preis: Wir sitzen im Schützengraben, wir müssen auf andere Menschen schießen, wir sterben im Zweifelsfall.
Auch in Heidelberg protestieren die Menschen gegen Aufrüstung
An der "Schulstreik-gegen-Wehrpflicht"-Demo in Heidelberg nahmen etwa 150 Personen teil. Man habe zurzeit eine "sehr gefährliche Situation", von der "unsere Jugend direkt betroffen" sei, sagte Sabine Hebbelmann vom Friedensbündnis Heidelberg im Gespräch mit dem SWR. Die Pläne der Bundesregierung zur militärischen Aufrüstung halte sie für falsch.
Wir müssen international zusammenarbeiten und solidarisch sein. Dieser Weg ist eine Sackgasse und führt ins Verderben.
Tübingen: Neben Anti-Bundeswehr-Parolen auch "Free Palestine"-Sprechchöre präsent
In Tübingen kamen am Vormittag rund 120 Menschen zusammen, um gegen die geplante Aufrüstung zu demonstrieren. Auffällig war dort, dass einige Teilnehmende Palästina-Flaggen schwenkten und Palästinensertücher trugen. Das traf auch auf Vertreter von teilnehmenden Gruppierungen wie der "Linksjugend Solid Tübingen" zu. Neben Sprechchören zum eigentlichen Anlass der Demonstration wie „Kein Cent der Bundeswehr“ und „Die Reichen wollen Krieg, die Jugend eine Zukunft“ wurden mehrfach auch gemeinsam Sprechchöre wie „Free Palestine“ und „Viva Palestina“ angestimmt.
Reform der Bundesregierung: Truppenstärke soll massiv wachsen
Die Regeln für den neuen Wehrdienst in Deutschland sind im Januar 2026 in Kraft getreten. Ein Schwerpunkt ist dabei die verpflichtende Musterung für junge Männer ab dem Jahrgang 2008. Dadurch sollen Freiwillige rekrutiert werden. Ziel ist es, die Truppenstärke der Bundeswehr bis Mitte der 2030er-Jahre auf etwa 460.000 zu erhöhen. Sollte die Zahl der freiwilligen Rekruten nicht ausreichen, könnte der Bundestag die Wehrpflicht wieder einsetzen. Diese war in Deutschland 2011 ausgesetzt worden.