Omas gegen Rechts, Studis gegen Rechts: Gruppen mit diesen Namen sind in Baden-Württemberg weit verbreitet. Was es hier im Land bisher aber noch nicht gab, sind Azubis gegen Rechts. Das hat sich inzwischen geändert: In Freiburg hat sich eine Gruppe Auszubildender zusammengeschlossen. Mit ihrem Engagement will sie dem Rechtsruck in der Gesellschaft etwas entgegensetzen.
Azubis gegen Rechts: 80 Mitglieder nach zwei Monaten
Erst gut zwei Monate alt ist die Freiburger Gruppe Azubis gegen Rechts, und schon zählt die gemeinsame WhatsApp-Gruppe rund 80 Mitglieder. Beim wöchentlichen Treffen Anfang Februar kamen etwa 30 Auszubildende in der Friedrich-Weinbrenner-Gewerbeschule zusammen - trotz Streik im öffentlichen Nahverkehr. Unter ihnen viele Auszubildende Schreinerinnen und Schreiner, einige Zimmerer, aber auch Pflegekräfte und eine Gemüsegärtnerin.
Die Azubis treibt der generelle Rechtsruck in der Gesellschaft um. Fast alle haben aber auch ihre ganz persönliche Geschichte zu erzählen. So etwa Schamil Gusejnov. Fotos auf seinem Handy dokumentieren rechtsextreme Schmierereien an seiner Schule, darunter etwa Hakenkreuze. Er hat sie gemeldet und sie wurden entfernt.
Rassistische Äußerungen und Holocaust-Leugnung in der Berufsschule
Im Flurfunk seiner Schule in Emmendingen höre man "offen rassistische Äußerungen oder gar Holocaustleugnungen. Und das macht mir einfach Angst", so Gusejnov. Auch Zimmerer-Azubi Jan Breitkreuz verspürt diese Angst. "Meine Mama ist nicht in Deutschland geboren. Und wenn von massenhafter Remigration geredet wird, von Leuten, die hier leben, hier eine Familie haben, dann macht mir das einfach Angst", sagt er.
Ich habe meine Ausbildung in einem Deutschland angefangen, das auf dem besten Weg war, seine Fehler zu wiederholen. Ich will sie auf gar keinen Fall in einem Deutschland beenden, dass seine Fehler wiederholt hat.
Rechtsruck auch in Betrieben spürbar
Den Rechtsruck erleben viele der Azubis auch immer wieder in ihrem Arbeitsalltag. So auch Pflege-Auszubildende Amelie Schaguhn. Immer wieder seien ihre Kolleginnen und Kollegen mit Migrationsgeschichte Diskriminierung ausgesetzt. "Da gibt es ganz, ganz oft alte Pfleger und Pflegerinnen, die sagen: Der Name ist mir zu kompliziert, den kann ich mir sowieso nicht merken", schildert Schaguhn.
Gemeinsame Gruppe macht den Azubis Mut
Außerdem hat Schaguhn die Erfahrung gemacht, dass manche Patientinnen und Patienten die Pflege von Kolleginnen und Kollegen mit Migrationsgeschichte ablehnten. Betroffene Pflegekräfte würden das oft hinnehmen. Sie hätten das Gefühl, kein Recht dazu zu haben, sich dagegen zu wehren.
Die Gründung von Azubis gegen Rechts beschreibt Schaguhn als ein "super-schönes Gefühl". Es sei sehr angenehm, "Gleichgesinnte zu haben, die aber auch eine Ausbildung und den Struggle hinter einer Ausbildung verstehen", so Schaguhn. Die Gemeinschaft habe sie ermutigt.
Was die Azubis gegen Rechts erreichen wollen
Im Kleinen wirken die Azubis gegen Rechts jetzt schon. Etwa, wenn sie Schulleitungen dazu auffordern, rechtsextreme Schmierereien zu entfernen. Aber für die Zukunft wollen sie noch mehr. Sie möchten Infostände zum Thema Demokratie an den Berufsschulen organisieren, Schulleitungen für das Thema sensibilisieren und an Demonstrationen teilnehmen. Neben dem Einsatz gegen Rechts wollen sie sich außerdem für bessere Arbeitsbedingungen von Azubis stark machen.
Größtes Ziel: Noch mehr Azubis sollen sich anschließen
Aber das größte Ziel ist: Sie wollen eine große Bewegung werden. Deshalb versuchen sie jetzt, noch mehr Auszubildende für die Azubis gegen Rechts zu gewinnen. Dafür werben sie an anderen Berufsschulen, sagt Jolana Knopf, die eine Ausbildung zur Industriemechanikerin macht.
Aktuell ist die Gruppe sehr handwerksdominiert. Man wolle noch mehr Azubis aus der Pflege, der Verwaltung und vielen weiteren Bereichen für die Bewegung gewinnen, sagt Knopf. "Ich finde, Azubis ist so ein cooles Wort und eine coole Bewegung, weil es einfach so viele Leute zusammenbringt, die sonst auch nie zusammenkommen. Azubis, das betrifft wirklich alle. Da kommt die ganze Gesellschaft zusammen", so Knopf.