Krankenkassenreform der Bundesregierung

Längere Wartezeiten und weniger Vorsorge: Ärzte rechnen laut Umfrage mit Verschlechterungen für Patienten

Ab Januar 2027 will der Bund die gesetzliche Krankenversicherung reformieren. Ärzte in Baden-Württemberg befürchten negative Folgen für die Menschen im Land.

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Von Autor/in Hannes Köhle

Die Bundesregierung will durch die Reform der gesetzlichen Krankenkassen die Beiträge in den nächsten Jahren möglichst stabil halten. Ärzte im Land kritisieren, dass dadurch die Gesundheitsversorgung für die Menschen in Baden-Württemberg leidet. Das zeigt eine aktuelle Umfrage des Ärzteverbands MEDI Baden-Württemberg.

95 Prozent der an der Umfrage teilnehmenden Ärztinnen und Ärzte erwarten demnach eine Verschlechterung der Patientenversorgung. Fast die Hälfte befürchtet sogar eine Unterversorgung. Außerdem gehen 39 Prozent davon aus, dass es für die Patientinnen und Patienten zu längeren Wartezeiten kommt und es für sie schwieriger wird, überhaupt einen Termin zu bekommen.

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Vorsorge für Krebs und Schwangere könnte schwieriger werden

Gynäkologin Christiane von Holst, die eine Praxis in Heidelberg (Rhein-Neckar-Kreis) hat, nennt ein Beispiel: Sie befürchte in Bezug auf die Krebsvorsorge Einschnitte, weil sie in Zukunft weniger Termine anbieten könne. So werde die Vorsorgeuntersuchung auf Gebärmutterhalskrebs bei der jährlichen Routinekontrolle künftig dem Budget zum Opfer fallen, sagt von Holst.

Aber auch die Vorsorge für Schwangere könnte schwieriger werden. "Wenn Frauen anrufen und sagen: 'Ich habe einen positiven Test', müssen wir antworten: 'Wir freuen uns wirklich sehr, aber leider haben wir für sie keine Termine mehr'", sagt von Holst. Gleiches gelte bei Notfällen - zum Beispiel wenn Frauen einen Knoten in der Brust fühlten und diesen möglichst schnell abklären lassen möchten.

Ich habe den Beruf ergriffen, um Menschen zu helfen und muss nun sagen: 'Ich kann ihnen nicht mehr helfen'. Das macht etwas mit uns.

Beitragsreform soll gesetzlich Versicherte entlasten

Weil die Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen in Zukunft steigen, hat die Bundesregierung im Juli beschlossen, die Beiträge zu reformieren. Ziel ist es, die Beiträge zu den Krankenkassen zu stabilisieren. Damit das klappt, werden sowohl Ärzte und Arzneimittelhersteller als auch Beitragszahler und Arbeitnehmer moderat an den Mehrausgaben beteiligt. Hauptsächlich sollen aber die Ausgaben bei Ärzten begrenzt werden.

Ärzteverband: Praxen gehen Einnahmen verloren

Dass Einnahmen wegfallen, kritisiert der Ärzteverband MEDI Baden-Württemberg. "Ein Großteil der Praxen bezieht seine Umsätze aus den Honorierungstöpfen der gesetzlichen Krankenkassen, deshalb wird das Gesetz dort stark greifen", sagt Norbert Smetak. Er ist Vorsitzender von MEDI Baden-Württemberg und niedergelassener Kardiologe in Kirchheim unter Teck (Kreis Esslingen).

Die Reaktionen laut Umfrage des Ärzteverbands: Rund zwei Drittel der Ärzte planen, weniger Termine für gesetzlich Versicherte anzubieten, auch Sprechstundenzeiten sollen reduziert werden. Die Ärzte gehen davon aus, dass es für Patientinnen und Patienten zu längeren Wartezeiten kommt und es schwieriger wird, überhaupt einen Termin zu bekommen. Fast 70 Prozent wollen zudem die Leistungen für Privatpatienten ausbauen. "Was uns stört, ist der Zwang. Wir und unsere medizinischen Fachangestellten müssen die Verschlechterung verkaufen", sagt Michael Eckstein, stellvertretender Vorsitzender des Verbands MEDI.

Gesundheitsministerium: Bund muss mehr finanzieren

Laut BW-Gesundheitsministerium entzieht sich der Bund weiterhin seiner finanziellen Verantwortung. "Dadurch gerät das System immer mehr unter Druck", teilt ein Sprecher des grün-geführten Ministeriums mit. Konkret übernimmt der Bund nicht die kompletten Gesundheitskosten von Menschen, die Grundsicherung beziehen. Dies habe das Land mehrfach im Bundesrat angebracht. Bislang sei jedoch nichts passiert.

Mehr als 1.700 Ärztinnen und Ärzte sowie Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten haben bei der Umfrage des Ärzteverbands MEDI Baden-Württemberg mitgemacht. Die Umfrage ist nicht repräsentativ. Laut Verband sind fast 80 Prozent der teilnehmenden Ärztinnen und Ärzte 51 Jahre oder älter.

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Hannes Köhle
Hannes Köhle ist Teil des Teams von "Zur Sache! Baden-Württemberg".