SWR-Interviewreihe Politik Backstage mit Katrin Eder (Grüne)

Eder: "Die Frage eines AfD-Verbotsverfahrens ist eine Frage von Haltung"

Die Spitzenkandidatin der rheinland-pfälzischen Grünen bleibt auch nach der Entscheidung des Kölner Verwaltungsgerichts dabei, nur mit Parteien eine Koalition einzugehen, die sich aktiv für ein AfD-Verbotsverfahren einsetzen.

Teilen

Stand

Von Autor/in Gernot Ludwig

Die derzeit mitregierenden Landes-Grünen hatten angekündigt, nach der Landtagswahl nur mit Parteien eine Koalition einzugehen, die sich im Bundesrat aktiv für ein deutschlandweites AfD-Verbotsverfahren einsetzen. Das Verwaltungsgericht Köln hatte vergangenen Donnerstag entschieden, dass das Bundesamt für Verfassungsschutz die AfD als Gesamtpartei nicht als "gesichert rechtsextremistisch" einstufen darf, solange nicht ein Gericht das festgestellt hat. Einige Juristen sehen darin ein Signal, dass es sehr schwer werden wird, die Partei zu verbieten.

RLP

Regierungswechsel in Rheinland-Pfalz Ticker zur Landtagswahl in RLP ++ Endergebnis steht fest ++ Schmitt zieht sich von FDP-Landesspitze zurück ++ Schweitzer und Schnieder verhandeln ++

Regierungswechsel in Rheinland-Pfalz: Die Ampelregierung ist abgewählt. Die CDU mit Gordon Schnieder ist nach 35 Jahren stärkste Kraft. Alles zum Wahlergebnis im Ticker zum Nachlesen.

Die Landtagswahl in Rheinland-Pfalz 2026 SWR RLP

In "Politik Backstage", der multimedialen Interviewreihe des SWR vor der Landtagswahl am 22. März, sagte Katrin Eder, ungeachtet des Urteils aus Köln müsse der Bundesrat irgendwann entscheiden, ob er ein Parteiverbotsverfahren gegen die AfD starten werde. Mehrere Bundesländer hätten das angekündigt, und die Grünen aus Rheinland-Pfalz würden in der Frage bei ihrer Haltung bleiben und deshalb nur mit Parteien koalieren, die sich aktiv für ein Verbotsverfahren einsetzen.

Das Interview mit Katrin Eder (Grüne) in Kurzfassung:

Regierungsbeteiligung der Grünen unwahrscheinlich

Die Wahrscheinlichkeit, dass die Grünen diese Bedingung nach der Landtagswahl tatsächlich umsetzen können, dürfte allerdings sehr gering sein. Nach derzeitigen Wahlumfragen gibt es keine realistische Koalition mit Beteiligung der Grünen, die eine Mehrheit hätte. In der jüngsten Wahlumfrage des SWR waren die Grünen von 10 auf 9 Prozent zurückgefallen. Bei der letzten Landtagswahl 2021 holten sie rund 9 Prozent.

Beim Thema Solarförderung stellt sich Eder deutlich gegen die Bundesregierung. Die plant, die Förderung für private Solaranlagen runterzufahren.

"Wir werden diesen Vorstoß bekämpfen", sagte Eder im Politik Backstage-Interview. Der Vorstoß der Bundesregierung führe dazu, dass ganze Wirtschaftsbereiche "platt gemacht" werden, so Eder. Man würde den Markt für Unternehmen, die in dieser Branche arbeiten "abwürgen" - mit dem Ergebnis, dass die Produkte nicht mehr aus Deutschland kämen. Bei Wärmepumpen sei es so, dass jetzt die ersten aus China kämen.

RLP

Was steht im Wahlprogramm? A13 für alle Lehrer: Programm der Grünen zur Landtagswahl RLP

Seit 15 Jahren sind die Grünen in Rheinland-Pfalz in der Regierung und sie wollen weiter "Machen". Dieses Wort steht im Zentrum ihres Programms zur Landtagswahl 2026.

Thema verschwundene Asylbewerber bringen Eder ins Stocken

Ins "Schwimmen" geriet Eder im Politik Backstage-Interview beim Thema verschwundene Asylbewerber. Zu Beginn des Jahres war herausgekommen, dass in den vergangenen Jahren mehr als 900 Asylbewerber aus Erstaufnahmeeinrichtungen verschwunden waren.

"Verstehen Sie, dass das Menschen verunsichert", fragte Moderator Frederik Merx. Eders Antwort: Sie habe ein Problem damit, Migration und Sicherheit so stark zu kombinieren. Aufnahmeeinrichtungen seien keine Gefängnisse und es gebe auch CDU-regierte Bundesländer in denen sehr viel mehr Asylbewerber aus Erstaufnahmeeinrichtungen verschwunden seien. Erst auf erneute Nachfrage sagt Eder, sie habe Verständnis dafür, dass das Menschen verunsichere. Natürlich sei es "nicht in Ordnung", wenn bei den Verschwundenen auch Straftäter dabei seien.

Als die SWR1-Moderatorin Claudia Deeg nachfragt, warum das grün-geführte Integrationsministerium die Zahl der verschwundenen Asylbewerber nicht von sich aus veröffentlicht habe, sondern die Zahl erst durch Nachfrage öffentlich worden sei, gerät Eder ins Stocken. Nach rund 8 Sekunden Pause die Antwort: "Ich glaube, dass zu diesem Zeitpunkt das Thema erhoben wurde und mit Sicherheit die Daten gesammelt wurden". Die Moderatorin hakt nach, dass das Thema nur öffentlich wurde, weil ein Mitarbeiter eine Mail weitergeleitet habe und deshalb Ärger bekam. Nach 3 Sekunden Pause die Antwort von Eder: "Ich glaube, der Vorgang ist sehr transparent durch das Ministerium besprochen worden". Außerdem: Das Problem gebe es auch in anderen Bundesländern, das sei kein Problem, das es nur in Rheinland-Pfalz gebe.

Zuständig als Behörde ist die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion Trier. Sie teilte Ende Januar im Landtagsausschuss mit, für die 923 verschwundenen Asylsuchenden gebe es keinerlei staatliche Leistungen mehr.

Rheinland-Pfalz

Integrationsausschuss tagte Keine Leistungen mehr für verschwundene Asylbewerber in RLP

In den Aufnahmeeinrichtungen des Landes ist fast jeder zehnte Asylbewerber als verschwunden registriert. Der Integrationsausschuss hat sich am Dienstag mit dem Thema beschäftigt.

SWR Aktuell Rheinland-Pfalz SWR RLP

RLP

SWR-Interviewreihe Politik Backstage mit Daniela Schmitt (FDP) Schmitt: "Klimaschutz nicht gegen Unternehmen und Bürger ausspielen"

Die Spitzenkandidatin der FDP und rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerin Daniela Schmitt stellt in Frage, ob Rheinland-Pfalz wirklich bis 2040 klimaneutral sein soll. Dabei hatte das die Ampelregierung unter ihrer Beteiligung erst im vergangenen Jahr mit dem neuen Landesklimaschutzgesetz beschlossen.

SWR-Interviewreihe Politik Backstage mit Joachim Streit, Freie Wähler Streit: "Weggang nach Brüssel war ein Fehler"

Der Spitzenkandidat der Freien Wähler räumt ein, dass es ein Fehler war, 2024 nach nur drei Jahren die Fraktion zu verlassen und ins Europaparlament nach Brüssel zu wechseln.

SWR Aktuell Rheinland-Pfalz SWR RLP

RLP

SWR-Interviewreihe Politik Backstage mit Alexander Schweitzer (SPD) Schweitzer: "Bin offen für KI-gestützte Videoüberwachung an notwendigen Hotspots"

SPD-Spitzenkandidat Alexander Schweitzer hat sich offen dafür gezeigt, öffentliche Plätze in RLP mit intelligenter Videotechnik zu überwachen.

SWR Aktuell Rheinland-Pfalz SWR RLP

RLP

SWR-Interviewreihe Politik Backstage mit Gordon Schnieder (CDU) Schnieder: "Von jetzt auf gleich Förderung auf Null fahren, ist kritisch"

Der Spitzenkandidat der CDU, Gordon Schnieder, kritisiert Pläne von Bundeswirtschaftsministerin Reiche (CDU), die Förderung für neue, kleine Solaranlagen einzustellen.

SWR Aktuell Rheinland-Pfalz SWR RLP

SWR-Interviewreihe Politik Backstage mit Jan Bollinger (AfD) Bollinger: "Klar, dass man dahin nicht abschieben kann"

Der Spitzenkandidat der rheinland-pfälzischen AfD für die Landtagswahl, Jan Bollinger, unterstützt den derzeit geltenden Abschiebestopp in den Iran. 

SWR-Interviewreihe Politik Backstage mit Rebecca Ruppert (Linke) Ruppert: Mehr Sozialarbeit statt mehr Polizei an Schulen

Die Spitzenkandidatin der Linken in Rheinland-Pfalz, Rebecca Ruppert, lehnt eine verstärkte Polizeipräsenz an Schulen ab. Stattdessen solle angesichts der jüngsten Gewaltvorfälle die Schulsozialarbeit ausgebaut werden, sagte Ruppert in der SWR-Interviewreihe "Politik Backstage".

Rheinland-Pfalz

Endergebnis Machtwechsel nach 35 Jahren: CDU siegt bei Landtagswahl in Rheinland-Pfalz

Mit der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz endet eine Ära: Nach 35 Jahren wird die SPD nicht mehr den Ministerpräsidenten stellen, die CDU gewinnt die Wahl.

Rheinland-Pfalz

Wahlkampagne gestartet Grüne setzen für Landtagswahl in RLP auf Slogan "Lass machen!"

Rund zwei Monate vor der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz haben die Grünen präsentiert, mit welchen Botschaften auf Plakaten sie den Wahlkampf starten.

SWR1 Rheinland-Pfalz SWR1 Rheinland-Pfalz

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Gernot Ludwig
Gernot Ludwig ist Autor bei SWR Aktuell Rheinland-Pfalz und landespolitischer Korrespondent

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir Ihnen, woher wir unsere Infos haben!