Trinkwasserqualität in BW und RLP

Wo Risiken im Trinkwasser lauern

Trinkwasser gilt hierzulande als unbedenklich. Es wird regelmäßig kontrolliert - aber ist es wirklich so sicher, wie häufig behauptet wird?

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Von Autor/in Oliver Wittkowski, Emily Burkhart

Schwerer Husten, Durchfall, Hitzeschübe - mit diesen Symptomen kommt Judith in die Notaufnahme und von da direkt auf die Intensivstation. Ein Test dort ergibt: Sie hat eine Infektion mit Legionellen. Woher ist zunächst ein Rätsel.

Judith hat einen Verdacht, der - wie sie dem SWR berichtet - mit ihrem damaligen Arbeitsplatz zu tun hat: "Ich habe das schon damals mit dem Seniorenheim irgendwo verbunden. Und ich wusste schon vorher, dass da mit dem Wasser was nicht in Ordnung war." Bestätigt wurde ihr Verdacht bislang nicht.

Die SWR-Doku "Unser Trinkwasser - Gefahr aus der Leitung?" erzählt unter anderem Judiths Geschichte. Denn auch wenn es heißt, unser Leitungswasser werde bestens kontrolliert und könne bedenkenlos getrunken werden, zeigen Fälle wie der von Judith: nicht ausnahmslos.

Wasser im Wasserwerk: Glasklar?
Wasser im Wasserwerk: Glasklar?

So vermehren sich Keime im Wasser in den Leitungen

Medikamentenrückstände, Pestizide oder Ewigkeitschemikalien wie PFAS können in Gewässer oder ins Grundwasser gelangen. Doch nicht zuletzt spielt die Trinkwasserhygiene in Gebäuden eine wichtige Rolle für die Trinkwasserqualität.

So können sich etwa in ungenutzten Leitungen Keime vermehren. Wird an einem Wasserhahn oder einer Dusche längere Zeit kein Wasser entnommen, bleibt es in den Leitungen stehen. Fachleute sprechen von Stagnation. In wenig genutzten Gebäudeteilen kann dies das Wachstum von Mikroorganismen begünstigen.

Dazu kommt: Bei längerem Kontakt mit Leitungen und Armaturen können sich Stoffe aus den Materialien lösen und im Wasser anreichern. Arnd Bürschgens ist Sachverständiger für Trinkwasserhygiene und erklärt: "Wenn Wasser lange in metallenen Leitungen steht, in Kunststoffschläuchen, in Armaturen, dann wird dieses Wasser Metallionen aus den Werkstoffen auslösen und die konzentrieren sich dann auch im Trinkwasser auf." Ältere Armaturen können laut Bürschgens zudem Blei enthalten.

Neben dem Wasseraustausch ist die Temperatur entscheidend: Laut dem Robert Koch-Institut finden Legionellen bei Temperaturen zwischen 25 und 45 Grad ideale Wachstumsbedingungen. Oberhalb von 55 Grad wird ihr Wachstum wirksam gehemmt und auch unterhalb von 20 Grad vermehren sie sich nicht mehr nennenswert.

Die Bakterien können schwere Lungenentzündungen verursachen. Eine Ansteckung erfolgt meist durch das Einatmen feinster Wassertröpfchen, etwa beim Duschen. Das Trinken von belastetem Wasser ist dagegen nicht der typische Übertragungsweg. Regelmäßiger Wasseraustausch hilft, Stagnation in weiterhin genutzten Leitungen zu vermeiden.

Wasserfilter sind kritisch zu betrachten

Beim Warmwasser soll so lange gespült werden, bis heißes Wasser ankommt. Unter Umständen muss auch die Warmwasserbereitung überprüft werden. Bei dauerhaft ungenutzten Gebäudeteilen ist dagegen eine fachliche Prüfung der Installation sinnvoll.  

Auch kleine Bauteile verdienen Aufmerksamkeit. An Strahlreglern, den Aufsätzen am Wasserhahn, können sich Ablagerungen sammeln. Sie sollten regelmäßig gereinigt werden. Zusätzliche Wasserfilter sieht Bürschgens jedoch kritisch: "Die machen die Sache tatsächlich noch schlimmer, weil diese Filter, die vielleicht in der Lage sind, Schwermetalle, Hormone und Ähnliches rauszufiltern, selber zur Verkeimung neigen. Das ist wie so ein Nährboden und alles, was sie da rausfiltern, ist wieder Futter für die Keime, die sich dann da ansiedeln."

Strahlregler – Quelle für Keime
Strahlregler – Quelle für Keime

Für die Trinkwasserinstallation im Gebäude sind die Hauseigentümer verantwortlich. Der Wasserversorger kontrolliert das Wasser bis zum Hausanschluss. Einwandfreies Wasser aus dem Versorgungsnetz allein garantiert deshalb noch keine hygienisch einwandfreien Verhältnisse an jedem Wasserhahn. 

Denn nicht alle Belastungen entstehen erst in der Hausinstallation. Pestizide aus der Landwirtschaft können durch Regen in Gewässer getragen werden und über den Boden auch ins Grundwasser gelangen. Die Umweltforscher Carsten Brühl und Jakob Wolfram untersuchen seit Jahren Gewässerproben aus Trinkwasserschutzgebieten bei Landau in der Pfalz, darunter Proben aus der Queich.

Nachweise in Gewässern bedeuten nicht, dass das Trinkwasser belastet ist

Im untersuchten Abschnitt der Queich wird nicht direkt Trinkwasser gewonnen. Die Funde sind dennoch für den Schutz der Trinkwasserressourcen relevant: Schadstoffe können durch Bodenschichten wandern und langfristig das Grundwasser erreichen.

Zu den untersuchten Stoffen gehören auch PFAS-haltige Pestizide. Die Abkürzung PFAS steht für per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen, eine große Gruppe fluorhaltiger Verbindungen. Wegen ihrer hohen Beständigkeit werden sie häufig als "Ewigkeitschemikalien" bezeichnet. Einige PFAS und ihre Abbauprodukte lassen sich bei der Wasseraufbereitung nicht vollständig entfernen.

Ein Nachweis im Oberflächenwasser bedeutet allerdings nicht automatisch, dass auch das aufbereitete Trinkwasser belastet ist. Ruben Giehl vom Landauer Versorger Energie Südwest berichtet dem SWR, bislang seien weder im Trinkwasser noch im Grundwasser PFAS oder Trifluoressigsäure, kurz TFA, nachgewiesen worden.

Trinkwasserqualität ist weitgehend hoch

Judith, die Legionellen in Lebensgefahr gebracht haben, glaubt, ihre Infektion hänge mit der Spülmaschine in der Küche des Seniorenheims zusammen: "Es ist passiert, als ich die Spülmaschine im Eko-Gang ausgeräumt habe, weil die Temperatur runtergesetzt war. Ich habe die Spülmaschine aufgemacht und der ganze Nebel kommt mir entgegen." Sie vermutet, sich beim Einatmen des Nebels mit den Legionellen infiziert zu haben.

Daheim trinkt sie weiterhin bedenkenlos ihr Leitungswasser. Die bundesweiten Kontrolldaten bescheinigen letztlich eine hohe Trinkwasserqualität: Laut einem Bericht des Umweltbundesamts von 2022 erfüllten bei den meisten mikrobiologischen und chemischen Qualitätsparametern mehr als 99 Prozent der untersuchten Proben die Anforderungen der Trinkwasserverordnung. 

Auch der Sachverständige für Trinkwasserhygiene Bürschgens resümiert, er habe größtes Vertrauen in die Wasserversorger in Deutschland.

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Autor/in
Oliver Wittkowski
Emily Burkhart
Portrait Bild der Autorin Emily Burkhart
Onlinefassung
Leila Boucheligua

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