Nach dem mutmaßlichen Anschlag auf die Stromversorgung in Berlin stellt sich auch in Rheinland-Pfalz die Frage: Wie gut ist das Land auf einen ähnlichen Fall vorbereitet? Innenminister Michael Ebling (SPD) zeigt sich grundsätzlich zuversichtlich. Trotzdem sei klar: Eine hundertprozentige Sicherheit gebe es nicht, denn kritische Infrastruktur bleibe immer ein mögliches Angriffsziel.
Nach dem Stromausfall in Berlin: Schutz durch Zurückhaltung
Ebling warnt davor, allzu offen über kritische Infrastruktur zu sprechen. "Wir sollten nicht auf dem Silbertablett servieren, wie Leitungen oder technische Infrastruktur verlaufen." Solche Informationen könnten mögliche Täter nur ermutigen, gezielt Schwachstellen zu suchen. Je besser sensible Daten geschützt blieben, desto schwerer sei es, die Versorgungssysteme überhaupt anzugreifen.
Nach Stromausfall in Berlin Wie gut ist die Pfalz auf ein Blackout vorbereitet?
Tagelang waren Tausende Menschen in Berlin ohne Strom. Wie sind die Städte und Kreise in der Pfalz auf so ein Szenario vorbereitet?
Viele Kommunen und Kreise in Rheinland-Pfalz sind laut Ebling für derartige Krisenszenarien gut aufgestellt – etwa durch Notfallpläne oder eigene Stromaggregate. In der Verbandsgemeinde Asbach im Westerwald ist man nach eigenen Angaben gut gerüstet für den Ernstfall.
Verbandsgemeinde Asbach investiert schon länger
Die Verbandsgemeinde Asbach investiert viel in den Katastrophenschutz und das auch schon länger. "Dafür hat man uns ein bisschen belächelt: Warum macht ihr das? Das kommt ja nie vor", sagt Wehrleiter Arnold Schücke. Nach der Flutkatastrophe im Ahrtal hätten sich viele andere Kommunen ihr Konzept abgeschaut.
Dafür hat man uns ein bisschen belächelt.
In der VG Asbach gibt es deswegen für die rund 24.000 Menschen in vier Ortsgemeinde inzwischen vier große Notstromerzeuger. Öffentliche Gebäude seien so ausgestattet, dass die Aggregate schnell angeschlossen werden können. Und auch Informationsangebote mit Tipps für die Menschen gebe es reichlich.
Feuerwehr wird ab 30 Minuten Stromausfall tätig
Wenn es zu einem Stromausfall kommt, dann checkt die Feuerwehr erstmal mit dem Netzbetreiber, wie lange der voraussichtlich andauern wird. "Grundsätzlich fangen wir ab 30 Minuten an uns im Hintergrund vorzubereiten", sagt Tim Wessel von der Feuerwehr Asbach. Kommt es zu einem längeren Stromausfall wird die Bevölkerung über Warn-Apps, Cell-Broadcast und im Radio informiert.
Grundsätzlich fangen wir ab 30 Minuten an uns im Hintergrund vorzubereiten.
Dort informiert sie auch, wo sogenannte Notfall-Info-Punkte aufgebaut werden, die öffnen, wenn absehbar ist, dass der Ausfall länger dauert. Später können die Notfall-Info-Punkte den Angaben zufolge zu Not-Unterkünften ausgebaut werden.
Keine Rundumversorgung für die Bevölkerung
Dass die Gemeinde nach eigenen Angaben gut ausgestattet ist, bedeute aber nicht, dass es im Notfall ein Rundum-Sorglos-Paket für die Bevölkerung gebe. Die Notstromerzeuger würden nicht die Stromversorgung ersetzen, sondern nur die kritische Infrastruktur. Privatgebäude hätten dadurch nicht wieder Strom. Das heißt: Die Feuerwehr rät den Menschen, selbst vorzusorgen.
Es braucht Eigenvorsorge, Menschen müssen darüber selbst auch nachdenken und sich vorbereiten.
Auch der rheinland-pfälzische Innenminister Ebling betont, dass nicht nur der Staat Verantwortung trägt. Auch die Bevölkerung müsse sich auf mögliche Krisen einstellen. "Es braucht Eigenvorsorge, Menschen müssen darüber selbst auch nachdenken und sich vorbereiten", sagt der Minister. Der Stromausfall in Berlin sei, so Ebling, ein "dramatischer Weckruf", das Thema Vorrat und Krisenfestigkeit ernster zu nehmen – auch in Rheinland-Pfalz.
Wären Sie bereit für einen Stromausfall wie in Berlin?
Ob die Menschen auf einen längeren Stromausfall vorbereitet sind, hat eine SWR-Reporterin in der Kaiserslauterer Innenstadt nachgefragt. Die Bilanz fällt eher gemischt aus: Einige Passantinnen und Passanten sehen einem Blackout gelassen entgegen – mit Holzofen, Gaskocher oder eigener Solaranlage plus Speicher.
Andere geben offen zu, dass sie wohl schnell improvisieren müssten. Viele sagen, ein oder zwei Tage ginge schon, aber dann wäre Schluss. Mit Blick nach Berlin kommen einige auch ins Grübeln: Vielleicht sollte man doch etwas mehr vorsorgen – für den Fall, dass es plötzlich dunkel wird.