Bestürzung an der Universität in Trier. Zuerst wird ein 22-jähriger Student von einem gleichaltrigen Mann auf offener Straße erstochen. Nur wenige Tage später wird eine zuvor als vermisst gemeldete Studentin tot in ihrer Wohnung gefunden. Zwei Ereignisse, die zwar nicht zusammenhängen - und dennoch große Betroffenheit bei den Studierenden auslösen.
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Eine 29 Jahre alte Studentin der Universität Trier ist tot in ihrer Wohnung in der Nordallee gefunden worden. Die Universität organisierte am Donnerstagmittag eine Gedenkminute.
Die Psychotherapieambulanz an der Universität Trier hat ihr Angebot für die Studierenden ausgeweitet. Wer über die Vorkommnisse sprechen möchte, kann dies in sogenannten Unterstützungsgesprächen tun. Wolfgang Lutz ist der Leiter der Psychotherapieambulanz.
SWR Aktuell: Mit welchen Sorgen kommen die Studierenden zu Ihnen?
Wolfgang Lutz: Das sind einerseits direkt am Geschehen Anwesende, andererseits entstehen natürlich Ängste und Unsicherheiten, Trauer über den Verlust. Das ist ein sehr tragisches Ereignis, sehr plötzlich, am helllichten Tag. Die Personen waren alle überrascht und geschockt.
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Das hat die universitäre Gemeinschaft sehr getroffen. Es hat aber auch für eine starke Solidarität in der Gemeinschaft gesorgt.
SWR Aktuell: Wie wird dieses Angebot an der Universität Trier bisher angenommen?
Lutz: Es gibt eine ganze Reihe von Studierenden, die sich gemeldet haben, mit denen Termine zum Teil bereits erfolgt sind oder vereinbart wurden. Wir haben das schnell aufgesetzt.
Für die meisten Betroffenen ist es so, dass die natürlichen Verarbeitungsprozesse ausreichen und dass professionelle Hilfe nicht für alle notwendig ist. Aber für einige ist es doch entlastend, für andere ist es beruhigend, zumindest das Angebot zu haben. Bei uns können bis zu fünf Krisengespräche in Anspruch genommen werden.
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SWR Aktuell: Warum ist es aus Ihrer Sicht so wichtig, dass es dieses Gesprächsangebot gibt?
Lutz: Stellen Sie sich vor, Sie waren unmittelbar beteiligt oder waren Augenzeuge. Dann macht es vielleicht Sinn, professionell auch mit jemandem zu sprechen, und alles ohne Angst den Gesprächspartner zu überfordern aussprechen zu können.
Ich glaube, das Angebot ist deshalb wichtig, weil einige so geschockt waren, weil das alles so aus dem Nichts kam, weil wir keine Routinen dafür haben und gar keine Anlaufstellen bekannt sind.
Menschen gehen aber unterschiedlich damit um. Wir haben auch Ressourcen und eigene Möglichkeiten, mit solchen Ereignissen umzugehen. Eine akute Belastung ist auch erst einmal normal, wie schlechter Schlaf, fehlende Konzentration oder Nervosität.
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SWR Aktuell: Die Klausurenphase ist in vollem Gange. Ist das für die Studierenden aus Ihrer Sicht eine doppelte Belastung? Wie gehen diese damit um?
Lutz: Also ich kann jetzt nicht für alle Studierenden sprechen. Nur für diejenigen, mit denen ich gesprochen habe. Wenn Studierende näher im Kontakt mit den Vorfällen waren, ist das natürlich schon eine Belastung, einerseits für die Lernvorbereitung und andererseits kann es zusätzlicher Stress für die Prüfungssituation selbst sein.
Aber die Universität geht auch sehr großzügig in Bezug auf die Situation mit den Studierenden um.
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SWR Aktuell: Welche Möglichkeiten habe ich denn im Privaten, wenn ich nicht direkt in ein psychotherapeutisches Gespräch kommen möchte?
Lutz: Wenn jemand das Gefühl hat, er möchte da gerne unsere Unterstützungsangebote annehmen, dann kann er das gerne machen. Es macht aber auf jeden Fall Sinn für alle so ein bisschen Selbstfürsorge zu betreiben nach solchen Ereignissen. Das kann sehr, sehr unterschiedlich für verschiedene Personen aussehen.
Manche gehen einfach in die Natur. Andere möchten mit Freundin oder Freunden sprechen oder vielleicht auch ein Buch lesen. Einige sind dann eher kommunikativer und sprechen miteinander. Wiederum andere suchen dann eher vielleicht die Einsamkeit für eine Zeit und möchten sich etwas zurückziehen. Wichtig ist es darauf zu hören, was einem selbst guttut - und dass das Umfeld das dann auch akzeptiert, wenn jemand nicht darüber sprechen will.
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SWR Aktuell: Wie blicken Sie in die Zukunft nach solch schrecklichen Ereignissen - auch für die Studierenden?
Lutz: Wir wollen das Angebot noch ein bis zwei Monate aufrechterhalten. Dass auch Personen, die vielleicht auch erst nach den Semesterferien merken, dass die Ereignisse nochmal ein Thema für sie werden, dann noch kommen können. Wir bieten das an.
Ich gehe davon aus, dass die Einrichtung danach auch einen guten Weg finden wird, mit der jetzt wirklich schrecklichen Situation und diesen furchtbaren Ereignissen gut umzugehen.