Der Ürziger Würzgarten ist eine der bekanntesten Weinlagen an der Mosel. "Als ich mit dem Weinbau angefangen habe, war es schwierig hier eine Parzelle zu kaufen", erinnert sich der Winzer Jürgen Schmitz. Nur die absoluten Spitzenweingüter hätten dort ihre Rebstöcke gehabt.
Doch inzwischen gibt es selbst hier Steilhänge, die niemand mehr bewirtschaftet. Dort, wo früher Reben standen, wuchern jetzt Hecken. "Und es wird noch viel mehr brach fallen", prognostiziert Schmitz: "Wenn das Land uns bei der Flurbereinigung nicht stärker unterstützt."
Seit fast zehn Jahren wird verhandelt
Bei der Flurbereinigung geht es darum, Agrarflächen wie Weinberge oder Äcker besser nutzbar zu machen. Dabei werden in der Regel zersplitterte Parzellen zusammengelegt und Wege und Straßen gebaut, um die Grundstücke zu erschließen.
Seit 2016 verhandelt rund ein Dutzend Winzer mit dem Land über die Flurbereinigung im Würzgarten. Schmitz, der dem Ausschuss der Weinbauern vorsteht, vergleicht den Weinberg mit einem alten Haus: "Und da stehen große Renovierungen an."
Ernte nur von Hand möglich
Der Würzgarten besteht aus vielen kleinen Parzellen, die teils nur mit Monorackbahnen zu erreichen sind. Die Wege durch die von Felsvorsprüngen zerschnittenen Hänge sind zu eng und abschüssig, um selbst mit einem Steillagen-Vollernter durchzufahren. Auch ihr Zustand ist schlecht. Die Maschinen könnten wegrutschen oder umkippen.
Auf den rund 50 Hektar können die Trauben also nur von Hand gelesen werden. Und viele Betriebe könnten sich das nicht mehr leisten - auch weil sie den Erntehelfern mehr Mindestlohn zahlen müssen, sagt Schmitz: "Hier muss dringend investiert werden. Sonst werden noch mehr Weinberge aufgegeben."
Winzer haben Ansprüche bereits zurückgeschraubt
Nach Ansicht der Winzer wären mindestens elf Millionen Euro nötig, um Straßen zu bauen und Hänge zu sichern. So viel Fördergeld hatten sie vom Land ursprünglich für die Flurbereinigung beantragt.
Über die Jahre hätten sie ihre Ansprüche aber immer weiter zurückschrauben müssen. "Wir wollten zum Beispiel eine neue Zufahrtsstraße und haben uns auf einen Fußpfad herunterhandeln lassen", sagt Schmitz.
Nun hat das Wirtschaftsministerium in Mainz den Winzern eröffnet, dass es für den Ürziger Würzgarten nicht mehr als viereinhalb Millionen Euro Fördergeld gibt. Also weniger als die Hälfte von dem, was sie erwarten. "Das ist natürlich eine bittere Pille. Da ist Frustration, Enttäuschung und Unverständnis", sagt Schmitz: "Wir fühlen uns allein gelassen."
Land: Förderrahmen ausgeschöpft
Das Landeswirtschaftsministerium hingegen erklärt, dass man die Winzer alles andere als allein lasse. Mit den viereinhalb Millionen Euro habe man den Fördersatz in Ürzig bereits voll ausgeschöpft.
Die 90.000 Euro pro Hektar seien das Maximum, schreibt ein Sprecher: "Der Erhalt der Steillagen ist ein klares Ziel des Landes, deshalb werden sie bereits heute besonders hoch gefördert. Mehr dürfen wir rechtlich gar nicht ansetzen."
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Maximilian Hendgen vom Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau bestätigt das: "Uns ist bewusst, dass die verfügbaren Mittel begrenzt sind."
Allerdings seien die Fördersätze seit Jahren nicht gestiegen: "Insofern wäre es angebracht, sie an die heutige Kostensituation anzupassen – insbesondere für extreme Lagen wie den Würzgarten." Während die Kosten für Löhne, Diesel und Spritzmittel durch die Decke gingen, habe man den Fördersatz nie angepasst.
Winzer: Kulturlandschaften drohen zu verschwinden
Der Verband warnt davor, dass die Kulturlandschaften an der Mosel verschwinden könnten - mit gravierenden Folgen für den Tourismus. Diese Gefahr sieht auch Jürgen Schmitz. Er blickt hoch zur neuen Aussichtsplattform am Hochmoselübergang. Von dort schaut man direkt auf den Ürziger Würzgarten.
"Die Leute kommen hierher, um diese Landschaft zu bewundern", meint Schmitz: "Es wäre schade, wenn sie bald nur noch einen Flickenteppich sehen." Trotzdem bleibe dem Winzerausschuss nichts anderes übrig, als die viereinhalb Millionen Euro für die Flurbereinigung anzunehmen.
"Wir hoffen natürlich, dass es zusätzliche Mittel gibt", sagt Schmitz. Auch das Landeswirtschaftsministerium rät den Weinbauern, andere Fördertöpfe anzuzapfen - etwa das Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität des Bundes. Sehr viel Hoffnung machen sich die Winzer aber nicht mehr.