Der Arbeitstag von Lucian-Silviu Cosmin dauert häufig länger als zehn Stunden. Der Hausarzt behandelt in seiner Praxis in Osann-Monzel rund 1.200 Patienten im Quartal. Und der 63-Jährige kann kaum noch welche aufnehmen: "Für mich ist es schwer. Ich kann nicht jedem helfen. Und das tut mir in der Seele weh."
Für Cosmin ist klar: Es gibt zu wenige Ärzte an der Mosel. Und die Lage dürfte sich in den nächsten Jahren zuspitzen, weil viele seiner Kollegen in den Ruhestand gehen werden und keine Nachfolger in Sicht sind. Was das für Patienten bedeutet, wird im Wartezimmer der Praxis in Osann-Monzel deutlich.
Wir treffen dort das Ehepaar Müller aus Wittlich. Die beiden waren unzufrieden mit ihrem Hausarzt, der keine Zeit mehr für sie gefunden habe. "Ich hab mich dann durch die ganzen Kreise Trier-Saarburg und Bernkastel-Wittlich telefoniert, sogar in Daun habe ich angerufen", erzählt Anneliese Müller-Eltges: "Nirgendwo war was frei." Dass Lucian-Silviu Cosmin sie noch aufgenommen habe, sei "ein Glücksfall".
Osann-Monzel will ein Ärztehaus bauen
Doch viele haben nicht so viel Glück. Deshalb will die Gemeinde Osann-Monzel Abhilfe schaffen. Der Gemeinderat hat einstimmig beschlossen, eine GmbH zu gründen, die neben der Oestelbachhalle ein Ärztehaus bauen soll. Ortsbürgermeister Armin Kohnz trägt die Idee schon seit zwölf Jahren mit sich herum. Doch es fand sich kein Investor, der die Praxis bauen wollte: "Und da kam dann die Idee auf, dass wir das selbst machen."
Das nötige Kleingeld für das Millionenprojekt hat die Gemeinde, die dank mehrerer Firmen viel Gewerbesteuer einnimmt. "Das Ziel ist es, diese Einnahmen an die Bürgerinnen und Bürger zurückzugeben", sagt Kohnz. Vier Ärzte seien interessiert, in der neuen Praxis in Osann-Monzel zu arbeiten. Ein Wittlicher Rheumatologe und seine Frau, eine angehende Hausärztin, hätten bereits fest zugesagt. Weitere Mediziner sollen folgen.
Genossenschaft soll Praxis betreiben
Das neue Ärztehaus würde die medizinische Versorgung in der Gemeinde und dem Umland verbessern. Also sollte das doch eigentlich ein Grund zur Freude sein - auch in den Nachbarorten. Doch dort fühlen sich jetzt manche vor den Kopf gestoßen. Denn die Gemeinden Neumagen-Dhron, Piesport und Wintrich wollen ebenfalls eine eigene Praxis betreiben.
Dafür wollen sie sich zu einer Genossenschaft zusammentun und Ärzte anstellen. Laut Dieter Heintz, dem Ortsbürgermeister von Neumagen-Dhron, hat sich für diese genossenschaftliche Praxis aber noch kein Hausarzt gefunden. Auch nach Gesprächen mit mehreren Bewerbern gab es keine Zusage.
Sorge vor Konkurrenzkampf um Ärzte
Die Sorge ist nun groß in den Dörfern, dass die Gemeinde Osann-Monzel ihnen die Ärzte wegschnappen könnte. "Es ist ein Wettbewerb unter den Kommunen ausgebrochen, wer das beste Modell hat, um Ärzte anzuwerben", sagt Ortsbürgermeister Heintz: "Das kann nicht der Sinn der ärztlichen Versorgung sein. Die soll doch flächendeckend sein."
Heintz und seine Mitstreiter befürchten nun aber, dass das reichste Dorf den Konkurrenzkampf für sich entscheiden könnte. Und das wäre dann Osann-Monzel. Die Gemeinde Neumagen-Dhron ist verschuldet und hat daher auch weniger Mittel zur Verfügung, um sich attraktiver für Ärzte zu machen.
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Osann-Monzel will Genossenschaft nicht beitreten
"Es wäre doch viel besser, wenn wir alle zusammenarbeiten würden", schlägt Dieter Heintz vor. Doch Osann-Monzel will der Genossenschaft nicht beitreten, sagt Armin Kohnz: "Wir gehen unseren eigenen Weg."
Auch Lucian-Silviu Cosmin hat von der guten Kassenlage in Osann-Monzel profitiert. Die Gemeinde hat ihm jahrelang einen Zuschuss zur Miete für die Praxis gezahlt. Andernfalls hätte er sich vielleicht in einer anderen Gemeinde niedergelassen.