Der Rettungshubschrauber am Krankenhaus in Wittlich fliegt jedes Jahr mehr als 1700 Einsätze - so viele wie kein anderer in Rheinland-Pfalz. Er darf aber nur tagsüber starten. Für Flüge in der Nacht ist er bislang nicht zugelassen.
Doch nach Plänen des rheinland-pfälzischen Innenministeriums soll sich das bis Oktober ändern. Auf SWR-Anfrage schreibt eine Sprecherin, dass der Wittlicher Hubschrauber ab Oktober von 7 bis 20 Uhr fliegen soll.
Pläne für Hubschrauber gehen vielen nicht weit genug
Nach Angaben der ADAC Luftrettung muss der "Christoph 10" dafür technisch nachgerüstet und die Piloten für Nachtflüge geschult werden. Dafür bräuchte es Nachtsichtbrillen und ein abgedunkeltes Cockpit. Ruheräume für das Personal gebe es bereits in Wittlich, sagt Pressesprecher Jochen Oesterle: "Das wäre also schnell umsetzbar".
Doch 7 bis 20 Uhr: Das wären zwar vor allem im Winter ein paar Stunden mehr als zuvor. Denn bislang darf der Helikopter nur zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang starten. Doch vielen gehen diese Pläne des Landes nicht weit genug.
Kreistag fordert Helikopter im 24-Stunden-Betrieb
Der Kreistag Cochem-Zell hat sich kürzlich mit großer Mehrheit dafür ausgesprochen, dass das Land den Wittlicher Hubschrauber rund um die Uhr einsatzbereit hält. Anke Beilstein (CDU), der Landrätin des Kreises Cochem-Zell fordert ebenfalls einen 24-Stunden-Betrieb, sagt sie: "Wenn Krankenhäuser vermehrt geschlossen werden, muss die Notfallversorgung verbessert werden."
Einen zusätzlichen Rettungswagen hat der Kreis bereits organisiert. Nun müsse bei der Luftrettung etwas passieren: "Insbesondere für die Menschen im ländlichen Raum werden die Wege immer länger. Ich möchte, dass die Versorgung auf dem Land genauso gut ist wie in der Stadt."
Landrätin Beilstein kann daher nicht nachvollziehen, warum das Land Anfang Januar ausgerechnet den Mainzer Rettungshubschrauber "Christoph 77" für den Nachtbetrieb zugelassen hat. "Die meisten Kliniken haben doch im nördlichen Rheinland-Pfalz zugemacht", sagt die CDU-Politikerin.
Kliniken zu: Wege für Rettungswagen werden länger
Eine davon ist das Klinikum Mittelmosel in Zell. Im Sommer 2025 hatte die Katharina-Kasper-Gruppe, der Träger des Krankenhauses, das Klinikum aus wirtschaftlichen Gründen in ein medizinisches Versorgungszentrum umgewandelt.
Zwei Monate später hat die Cusanus-Trägergesellschaft die Notaufnahme des Krankenhauses in Bernkastel-Kues geschlossen. In Notfällen werden Patienten in die umliegenden Kliniken nach Cochem, Simmern und Wittlich gebracht. Seitdem kritisiert eine Bürgerinitiative, dass die Wege für die Rettungskräfte zu lang werden.
"Die meisten Notfälle passieren nachts"
"Die Menschen in der Region werden allein gelassen", sagt Karl Masuhr von der Bürgerinitiative. Denn wer etwa in Altlay, Briedern oder Gornhausen wohnt, müsse nun fürchten, dass der Krankenwagen mehr als 30 Minuten bis ins nächste Krankenhaus braucht.
"Bei einem Schlaganfall oder Herzinfarkt zählt jede Sekunde", sagt der ehemalige Arzt Karl Masuhr "Und die meisten schweren Notfälle ereignen sich nachts." Also genau dann, wenn der Rettungshubschrauber am Krankenhaus in Wittlich auch weiterhin nicht fliegen soll.
Die zwei geschlossenen Notaufnahmen an der Mosel könnten Rettungswagen und Hubschrauber aber ohnehin nicht ersetzen - auch wenn die medizinische Versorgung in den Transportmitteln immer besser werde: "Wer den Patienten in der Region helfen will, muss die Kliniken wieder aufmachen."