Etwa 1.200 Fälle sind im vergangenen Jahr in der Notaufnahme in Bernkastel-Kues behandelt worden. Doch damit ist jetzt Schluss. Seit Freitag vergangener Woche ist die Notfallstation in Bernkastel-Kues Geschichte.
Der Betreiber des Krankenhauses - die Cusanus Trägergesellschaft Trier mbH - begründet das mit Veränderungen, die Teil der bundesweiten Krankenhausstrukturreform sind. Die Notfallversorgung soll künftig ausschließlich über den zweiten Standort der Klinik in Wittlich laufen.
Keine Proteste in der Bevölkerung
In Wittlich wurden laut Klinikangaben ohnehin die meisten Notfälle behandelt - rund 30-mal mehr als in Bernkastel-Kues. Am Moselstandort seien zudem keine lebensbedrohlichen Fälle mehr versorgt worden, diese seien bereits zuvor nach Wittlich gebracht worden.
Es wird in Bernkastel-Kues weiterhin einen Notarzt im 24-Stunden-Betrieb geben.
Das könnte erklären, warum es in Bernkastel-Kues keinen großen Aufschrei unter den Bürgern gab, als die Schließung der Notaufnahme bekannt wurde - so sieht es zumindest Verbandsgemeinde-Bürgermeister Leo Wächter (CDU). "Außerdem wird es in Bernkastel-Kues weiterhin einen Notarzt im 24-Stunden-Betrieb geben", betont Wächter.
Laut Experten ist das entscheidend, um eine gute Erstversorgung im ländlichen Raum sicherzustellen.
Kritiker fürchten Engpässe in Wittlich
Kritik gibt es trotzdem, etwa aus den nahegelegenen Moselorten Zell und Traben-Trarbach. Der Zeller Stadtbürgermeister Hans-Peter Döpgen (Freie Wählergruppe Stadt Zell e.V.) sagt: "Man muss jetzt im Krankenhaus in Wittlich einen wesentlich höheren Patientenansturm erwarten."
Unter anderem auch deshalb, weil die Notaufnahme in Zell Ende Juni ebenfalls geschlossen wurde. Viele Bürger aus Zell und den angrenzenden Gemeinden hatten dagegen demonstriert.
Gutachten zur Notfallversorgung soll kommen Krankenhaus Zell - Kreistag sieht keine Chance zum Erhalt
Der Kreistag von Cochem-Zell hat am Mittwochabend seine Stellungnahme beschlossen, in der es um den Bürgerentscheid zur anstehenden Schließung des Zeller Krankenhauses geht.
Zusätzliches Personal in Wittlich
Auch Wilhelm Müllers (FDP), dritter Beigeordneter der Verbandsgemeinde Traben-Trarbach, und Glenn Zimmer vom FDP-Kreisverband Bernkastel-Wittlich befürchten, dass Notfallpatienten in Wittlich längere Wartezeiten in Kauf nehmen müssen.
Der Krankenhausträger äußerte sich dazu auf Anfrage des SWR: "Um auf ein steigendes Patientenaufkommen vorbereitet zu sein, wurden am Standort Wittlich zusätzliche Patientenzimmer in Betrieb genommen."
Zudem werde das Personal in Wittlich aufgestockt. Trotzdem heißt es weiter: "Längere Wartezeiten in der Notfallaufnahme lassen sich dennoch nicht vollständig vermeiden."