Jogger, Radfahrer und Spaziergänger sollten in Wäldern und Feldern aufmerksam sein - aktuell ganz besonders. Denn Greifvögel können um diese Jahreszeit nach Angaben des NABU noch angreifen. Wie der Trierische Volksfreund zuvor berichtete, sollen ein Radfahrer bei Bitburg und eine Joggerin bei Wittlich attackiert worden sein.
Wolfgang Klotzbücher arbeitet seit über 30 Jahren mit den unterschiedlichsten Vögeln im Greifvogelpark in Saarburg. Als erfahrener Falkner weiß er die Tiere einzuschätzen und erklärt, was hinter solchen möglichen Attacken steckt.
SWR Aktuell: Herr Klotzbücher, wie würden Sie das Gemüt der Vögel beschreiben?
Wolfgang Klotzbücher: Da gibt es Unterschiede. Die Bussarde, vor allem die Mäusebussarde, haben schon einen besonderen Charakter. Sie sind auch unter den Falknern bekannt, weil sie sehr durchsetzungsfähig und darauf bedacht sind, ihre Brut und Revier zu verteidigen.
Bussarde sehen wir hier am häufigsten in unseren Wäldern. Der Habicht ist ein sehr scheuer Jäger, der sofort verschwindet, wenn irgendwo Menschen sind. Und die Milane sind eher auf dem Feld unterwegs.
SWR Aktuell: Nun kann es auch passieren, dass die Tiere Menschen angreifen. Warum tun sie das?
Klotzbücher: Das machen die Tiere vor allem in der Brutzeit. Sobald die Jungtiere geschlüpft sind, geht auch der weibliche Vogel mit auf die Jagd. Das männliche Tier passt dann noch besser auf das Nest und die Jungen auf. Er beobachtet aufmerksam, wer sich dem Nest nähert.
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Wir leben hier teilweise dicht besiedelt. Die Tiere finden kaum Rückzugsorte mehr, wo sie wirklich ungestört sind. So wird ein Mensch auch schnell mal zum potentiellen Gefährder, wenn er zu nah kommt. Da kann es mit einzelnen Vögeln mal zur Konfrontation kommen.
Aber das sind einzelne Attacken und vereinzelte Tiere. Das ist kein Riesenproblem. Es ist nicht so, dass ich jetzt überall im Wald Angst haben muss vor den Bussarden und anderen Greifvögeln.
SWR Aktuell: Wann genau ist das im Jahr?
Klotzbücher: Vor allem im Frühjahr - März, April, Mai. Das hängt auch vom Wetter ab, wann die Brutzeit beginnt. Es kann aber auch noch später im Jahr vorkommen. Wenn das erste Nest zum Beispiel im Frühjahr durch ein Gewitter zu Schaden kommt. Dann wird oft noch ein zweites Nest produziert. Das ist der Arterhaltungstrieb.
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Dann kann es sein, dass im Juni oder Juli auch noch Jungvögel da sind, die beschützt werden sollen. Wenn das Jahr fortgeschritten ist und die Jungen ausgeflogen sind, besteht da keine Gefahr mehr. Im Herbst kommt das eher selten vor.
SWR Aktuell: Wo halten sich die Tiere im Wald auf?
Klotzbücher: Die Bussarde brüten oben in den Baumkronen, 20 oder 25 Meter hoch, meistens in den Laubbäumen. Nun kann es natürlich sein, dass der Baum direkt am Weg steht, auf dem Menschen laufen. Dann sind 20 Meter natürlich kein Abstand für so einen Vogel.
Und so ein Revier kann bis zu zehn Quadratkilometer groß sein, je nach Nahrungsangebot. Wenn viel Wald da ist, wenig Feld, dann braucht der Vogel schon ein relativ großes Revier. Und da kann man dem Tier schnell mal so nahe kommen, dass es sich unwohl fühlt und verteidigen möchte.
SWR Aktuell: Gibt es ein Warnsignal, bevor ein Tier angreift?
Klotzbücher: Viele der Tiere greifen oft nicht direkt an. Sie beobachten, oft begleiten sie einen, vielleicht fliegen sie auch mal näher an einem vorbei. Dann kann es auch sein, dass sie einen Warnruf abgeben.
Das hört man sofort, dass das kein Singvogel ist. Das ist ein sehr durchdringender Ruf. Falls einem so ein Ruf auffällt, sollte man eine andere Route gehen, bevor etwas passieren kann.
SWR Aktuell: Ich werde angegriffen - und dann?
Klotzbücher: Der Vogel greift uns nicht an, um uns zu töten. Wir gehören nicht zu seinem Beuteschema. Vor allem fliegt der Vogel erst Mal Scheinattacken. Dann fliegt er über den Kopf und fährt die Fänge aus und "gibt uns eine mit". Das kann dann eben auch dazu führen, dass man eine Verletzung am Kopf davon trägt. Schließlich hat der Vogel scharfe Krallen. Aber eigentlich wird es nicht so sein, dass er uns festhält.
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Dann sollte ich versuchen so schnell wie möglich, aber mit Ruhe, von dem Brutort des Vogels wegzukommen. Ich sollte meinen Kopf schützen, zum Beispiel mit den Händen. Oder mit etwas anderem, was man gerade dabei hat, wie einem Rucksack.
SWR Aktuell: Kann ich etwas tun, damit es vielleicht erst gar nicht zum Angriff kommt?
Klotzbücher: Es ist so, dass jede schnelle, Bewegung bei dem Tier einen besonderen Reiz auslöst. Schließlich ist der Greifvogel ein Bewegungsjäger. Er will uns Menschen nicht jagen, aber auch der Feind bewegt sich in einem relativ schnellen Rhythmus.
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Und deswegen sind die Jogger und die Radfahrer vielleicht eher potenziell gefährdet als Spaziergänger. Was jetzt nicht heißt, dass Spaziergänger ausgeschlossen sind, da sie dem Tier auch nahe kommen können.
Wenn man mit offenen Augen durch den Wald geht, dann sieht man vielleicht auch, ob und wo zum Beispiel Nester sind. Dann sollte man zur Sicherheit eine andere Route wählen und die Stelle eine Zeit lang zur eigenen Sicherheit meiden.