Eine Drohne steigt über den Weinbergen von Piesport empor. Doch niemand steuert das Gerät. Sie fliegt ganz selbstständig ein programmiertes Muster ab und versprüht Spritzmittel über den Reben.
Andre Geckeler von der Firma Drohnenservice hofft, dass er heute auf der Messe "Vitis Live" ein paar Winzer von seinem Produkt überzeugen kann. Pro Stück kosten sie etwa 25.000 Euro. "Und da stehen bei vielen Landwirten viel teurere Geräte auf dem Hof", ist sich Geckeler sicher.
Weinkonsum sinkt, Kosten steigen
Doch die Zeiten haben sich geändert. Heute überlegen sich viele Winzer genau, wofür sie ihr Geld ausgeben. Denn der Weinbau steckt in der Krise. Es wird immer weniger Wein getrunken. Gleichzeitig sind die Kosten für die Produktion gestiegen.
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Der Weinkonsum in Deutschland geht allgemein zurück. Zudem kostet Wein aus dem Ausland oft weniger als heimische Produkte. Das bringt Mosel-Winzer in eine schwierige Lage.
Durch den Mindestlohn müssen Betriebe etwa ihre Erntehelfer besser bezahlen. Es ist daher kein Wunder, dass besonders die autonomen Systeme auf der Fachmesse in Piesport auf Interesse stoßen. Denn sie würden es möglich machen, Arbeitszeit und damit Personal zu sparen.
Weinbergsraupe braucht niemanden am Steuer
Ein Beispiel ist die Weinbergsraupe der bayrischen Anstalt für Weinbau und Gartenbau. Sie fährt zwischen den Piesporter Reben auf und ab, ohne dass jemand am Steuer sitzen müsste.
Burkard Graber hat das System mitentwickelt und erklärt, wie es funktioniert: "Die Technik basiert auf zwei Laserscannern, die in Echtzeit ihre Umgebung abtasten und danach die Spur für das Gerät steuern."
Autonome Systeme sind Chance für die Mosel
Gerade in solchen Systemen sieht Norbert Müller, der Leiter des Dienstleistungszentrums Ländlicher Raum (DLR) in Bernkastel-Kues, eine Chance für die Mosel mit ihren vielen steilen Weinbergen. Die Technik könne helfen, die Kosten bei der Ernte eines Steilhangs zu senken.
"Wir brauchen Systeme, die uns entlasten, die selbstständig arbeiten, damit wir unsere Steillagen überhaupt noch erhalten können", meint Müller. Er spricht von kleinen, flexiblen Lösungen, die sich die kleinen Weingüter leisten können müssen.
Winzern fehl das Geld für Investitionen
Doch genau da liegt das Dilemma, wie Besucher der Messe erzählen. Denn weil sie mit ihrem Wein immer weniger verdienen, haben sie auch immer weniger Geld, um in Technik zu investieren. Und autonome Drohnen und Raupen kosten oft mehrere Zehntausend Euro, teilweise sogar bis zu Hunderttausend Euro.
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"Solange sich die Preise nicht stabilisieren, wird die Technik den Weinbau nicht retten", ist sich einer der Winzer sicher. Ein anderer sagt, dass er sich allenfalls im Verbund mit mehreren Kollegen so eine vergleichsweise teure Maschine anschaffen würde.
Immer weniger Neukäufe, immer mehr Reparaturen
Dass viele Winzer inzwischen jeden Cent umdrehen müssen, bekommen auch die Betriebe zu spüren, die in Piesport ausstellen. Egal, ob sie nun Edelstahltanks zum Lagern von Wein oder Etiketten für Flaschen verkaufen - alle berichten sie, dass sich die Krise auf ihr Geschäft auswirkt.
Andreas Ludwig verkauft in seinem Betrieb in Trittenheim zum Beispiel immer weniger Landmaschinen. Die Winzer könnten sich die neuen Maschinen nicht mehr leisten. Stattdessen werde er immer öfter angefragt, ob er alte Geräte reparieren könne: "Das ist inzwischen unser Hauptgeschäft, während der Verkauf abnimmt. Das ist schon enorm."
Die Krise hat längst die ganze Branche erreicht – auch die Unternehmen, deren Technik die Winzerinnen und Winzer gerade so dringend brauchen könnten.