Wenn der Familienvater auf die Solarmodule auf seinem Dach schaut, kommt alles wieder hoch, was er im vergangenen Jahr erlebt hat. Die Vorfreude, das Misstrauen, der Ärger und schließlich die Scham. "Ich hatte mich wirklich darauf gefreut, hier meinen eigenen Strom zu produzieren", sagt der 36-Jährige, der anonym bleiben möchte: "Und ich frage mich immer, wie konnte ich nur darauf hereinfallen?"
Im Dezember 2023 hat er über ein Vergleichsportal nach einem Solarinstallateur gesucht und seine Daten hinterlassen. Kurz darauf kam dann ein Video-Anruf von einem Unternehmen aus Hamburg. "Der Mann hat total seriös gewirkt und fachlich kompetent", erzählt der Eifeler. Außerdem sei das Angebot günstig gewesen.
Arbeiten an Solaranlage schlampig ausgeführt
Also wurde man sich schnell einig. Der Geschäftsführer kam sogar persönlich zu ihm nach Hause ins Wittlicher Land: "Wir hatten irgendwann ein fast freundschaftliches Verhältnis." Die Solarmodule seien ein paar Monate später geliefert worden: "Ich bin dann in Vorkasse gegangen und habe die Hälfte der Summe bezahlt."
Doch als die Bauarbeiter im Sommer 2024 bei ihm auftauchten, um die Module zu montieren, sei der Vater zum ersten Mal stutzig geworden. Denn die Männer hätten kein Gerüst aufgebaut, sondern stiegen einfach mit einer Leiter aufs Dach. "Total gefährlich, so ganz ohne Arbeitsschutz", meint der 36-Jährige rückblickend, aber er habe sich damals nichts weiter dabei gedacht und der Hamburger Firma rund 15.000 Euro für die Arbeiten gezahlt.
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Erst später sollte sich herausstellen, dass sie nicht ordentlich ausgeführt wurden. Die Anlage war weder beim Netzbetreiber angemeldet noch war der Batteriespeicher installiert worden. Auch die Verkabelung war mangelhaft – ein Kurzschluss wäre möglich gewesen.
Schwarze Schafe in der Solar-Branche
Für Anton Schwabauer ist das keine Überraschung. Der Trierer Solar-Ingenieur hat schon oft von solchen Fällen gehört. Die Firmen beauftragten Subunternehmer und die arbeiteten unter Zeitdruck, versuchten so schnell es geht, so viele Projekte wie möglich abzuarbeiten: "Und wenn man schnell, schnell macht, leidet die Qualität."
Doch es gehe in diesem Fall um mehr als Pfusch am Bau, sondern um Betrug, wie der Eifeler Kunde sagt: "Der Firmenchef hat mich über Monate hingehalten mit dem Abschluss der Arbeiten." Und als der junge Mann sich dann endlich dazu entschloss, einen Anwalt einzuschalten, entpuppte sich die Hamburger Firma plötzlich als insolvent. "Eine gängige Masche", sagt der Ingenieur Schwabauer: "Solche Firmen versprechen viel, zocken 100 Kunden ab und schaffen das Geld außer Landes."
Polizei hat in einigen Fällen ermittelt
Jetzt ist es an seiner Trierer Firma, die Mängel, die seine Vorgänger auf dem Dach des Kunden angerichtet haben, auszubessern. Es ist ein Freundschaftsdienst, man kennt sich. "Wir kämen gar nicht mehr hinterher, wenn wir das bei jedem machen würden, der auf solche Betrüger hereingefallen ist", sagt Schwabauer: "Wir sind ja in ganz Deutschland und Österreich tätig und uns begegnen solche Geschichten jede Woche."
Doch längst nicht alle Betroffenen erstatten Anzeige. Vielleicht, weil sie sich schämen. Die Trierer Polizei hat im vergangenen Jahr nur in einer Handvoll ähnlicher Fälle ermittelt. Die Masche, die Sprecher Marc Fleischmann schildert, wirkt allerdings vertraut: "Die Kunden wurden teils um ihre Anzahlungen geprellt und teils wurden die Arbeiten unzureichend erbracht." Konkret seien nach einer ersten Zahlung zwar die Module montiert worden, danach sei aber nicht weitergearbeitet worden.
"Natürlich gibt es, wie in anderen Branchen, immer mal wieder schwarze Schafe", sagt Stefan Hartmann von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Und gerade in den Jahren 2023 und 2024 seien besonders viele Beschwerden über Solarfirmen eingegangen.
Tipp: Regionale Firmen und keine Vorkasse
Wozu Verbraucherzentrale und Polizei raten: Kunden sollten sich bei der Auswahl von Solarinstallateuren Zeit lassen und regionale Firmen beauftragen, um einen Ansprechpartner vor Ort zu haben. Bewertungen auf Portalen und Fotos von Projekten könnten helfen, die Qualität der Arbeit einzuschätzen. Ebenso ein Blick ins Impressum und den Handelsregistereintrag.
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All das lässt sich online freilich manipulieren. Doch es gebe ein paar Alarmsignale, um unseriöse Firmen zu erkennen. Ungewöhnlich günstige Angebote zum Beispiel sollten Kunden stutzig machen. Zudem verlangten anständige Unternehmen meist keine Vorauszahlungen. "Eine etablierte Firma sollte liquide genug sein, um keine Vorkasse zu verlangen", findet der Trierer Solar-Ingenieur Anton Schwabauer. Er hat Sorge, dass die kriminellen Machenschaften der Betrüger auf seine Branche abfärben.
Für den Eifeler Kunden hat die Geschichte ein gutes Ende. Dank der Hilfe der Trierer Firma sind inzwischen alle Module am Netz, der Traum vom eigenen Strom ist doch noch wahr geworden.