Sicherheit in der Innenstadt

Betroffene der Trierer Amokfahrt enttäuscht über Poller-Diskussion

Viele Verletzte und Hinterbliebene leiden unter dem Schrecken der Amokfahrt vor rund fünf Jahren. Gar nicht verstehen können sie, warum das Poller-Konzept wieder diskutiert wird.

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Stand

Fast fünf Jahren nach der Amokfahrt in der Trierer Innenstadt sind Betroffene immer noch in Therapie, manche auch in medizinischer Behandlung, brauchen Unterstützung. Trotzdem leiden sie sehr unter den Folgen der Ereignisse vom 1. Dezember 2020.

Sicherheitserleben immer noch gestört

Manche Betroffene treffen sich regelmäßig zu Gruppengesprächen in einer Art Schicksalsgemeinschaft, betreut von der Stiftung Katastrophen-Nachsorge. Sie können dort alle Themen ansprechen, die ihnen wichtig sind, um das Erlebte zu bewältigen.

Ein Thema beim Austausch ist ihr Sicherheitserleben in der Innenstadt von Trier. Das ist auch Jahre nach der Gewalttat gestört. Sie nehmen Autoverkehr, aber auch rücksichtslose Radfahrer als Bedrohung war. Bernd Steinmetz von der Stiftung Katastrophen-Nachsorge, der sich mit den Betroffenen trifft, berichtet, dass viele der Betroffenen sehr empfindlich sind.

Bernd Steinmetz betreut Betroffene der Trierer Amokfahrt.
Bernd Steinmetz betreut Betroffene der Trierer Amokfahrt.

Das führt zu einem starken Kontrollbedürfnis, sich sicher bewegen zu können. Manche von ihnen könnten bis heute die Fußgängerzone nicht betreten und mieden große Menschenmengen.

Installation dauert Betroffenen zu lang

Wenn dann noch Ereignisse hinzukommen, wie ein Auto, das mit Betrunkenen die Fußgängerzone passiert, kommen die Erinnerungen an die Amokfahrt sofort wieder hoch. Das erlebten die Betroffenen wie einen Flashback, berichtet Steinmetz.

Manchmal ist es bedrückend zu sehen, dass vieles erst heute besprechbar ist.

"Es ist nach wie vor ein großes Thema in der Gruppe, was sie damals erlebt haben. Manchmal ist es auch bedrückend zu sehen, dass vieles von dem Erlebten erst jetzt besprochen werden kann", so Steinmetz. Schon bei vergangenen Treffen hätten manche der Traumatisierten angesprochen, dass es für sie so lange dauert, bis das Sicherheitskonzept mit Pollern endlich vollständig umgesetzt sei.

Unverständnis über Pollerdiskussion

Völlig unverständlich sei für die Betroffenen der Amokfahrt aber, dass versucht werde, diese lange Zeitspanne zu nutzen, um das Konzept aus Kostengründen zu reduzieren. Also auf einige der Poller zu verzichten, weil das günstiger sei. Für die Betroffenen bedeute das einen Vertrauensverlust, sagt Steinmetz.

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Interessen nicht gegeneinander ausspielen

Dabei sei für die Betroffenen wichtig, dass Einzelinteressen nicht gegeneinander ausgespielt werden. So müsse es möglich sein, dass trotz Pollern gehbehinderte Menschen Zugang zu Arztpraxen oder auch kulturellen Orten wie Sehenswürdigkeiten hätten. Das brauche nun einmal Lösungen für Fahrdienste und Taxiunternehmen.

Auch müssten trotz Pollern Einzelhändler für Kunden und Lieferanten erreichbar bleiben. Lösungen dafür müssten jedoch bei gleichzeitig größtmöglicher Sicherheit gefunden werden.

Betroffene wollen zwei Poller-Ringe

Die Betroffenen wünschen sich daher, dass das Pollerkonzept mit einem inneren und äußeren Ring um die Fußgängerzone so vollendet wird, wie es der Innenstadtdezernent vorgeschlagen hat. Somit sollen auch alle Zufahrtsstraßen abgesichert werden.

Ein weiteres Bedürfnis wäre, dass alle Poller dann nach dem Lieferverkehr am Vormittag auch hochgefahren werden. Wenn die Trierer Fußgängerzone für alle Menschen und Besucher wirklich die "gute Stube" sein soll, müsse das Sicherheitsbedürfnis gewahrt bleiben.

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