- Ist die Versorgung mit Trinkwasser sichergestellt?
- Gibt es durch das Niedrigwasser mehr Schadstoffe im Fluss?
- Was müssen Verbraucherinnen und Verbraucher beachten?
- Welche Folgen hat es für die Landwirtschaft?
- Steigen die Preise, weil die Schifffahrt ausgebremst wird?
Unser Trinkwasser kommt zum Teil direkt aus Flüssen. Der Wasserstand des Rheins ist derzeit extrem niedrig, dadurch können Wasserwerke weniger entnehmen. Außerdem werden Schadstoffe weniger verdünnt. Ende Juli hat fast die Hälfte der Messstellen im Rhein extrem niedrige Pegelstände registriert. Das hat das neue Informationssystem NIWIS ausgewiesen. Was müssen die Bewohner entlang des Rheins jetzt beachten?
Wie sicher ist die Trinkwasserversorgung am Rhein?
Das Niedrigwasser des Rheins hat keinen Einfluss auf die Trinkwasserversorgung in Ludwigshafen, heißt es vom lokalen Energieversorger TWL. Die TWL fördert Tiefengrundwasser mit 29 Brunnen aus dem Oberrheingraben. Die Brunnen reichen zwischen 100 und 420 Meter tief in den Untergrund. Die TWL-Brunnen auf der Parkinsel und im Maudacher Bruch laufen den Angaben zufolge mit voller Leistung. Das Niedrigwasser beeinflusse weder die verfügbare Menge noch die Qualität des geförderten Grundwassers.
Grundsätzlich sollten die Verbraucherinnen und Verbraucher sorgsam mit Trinkwasser umgehen, so die TWL. Besondere Sparmaßnahmen oder Einschränkungen bei der Trinkwassernutzung seien aktuell jedoch nicht erforderlich.
Auch die Wasserversorgung Rheinhessen (WVR) teilte vor einigen Tagen mit, die Versorgung mit Trinkwasser sei gesichert. Wichtigste Säule der Trinkwassergewinnung für die Region sei das sogenannte Uferfiltrat, das entlang des Rheins gewonnen wird.
Im Wasserwerk in Bodenheim funktioniere die Wassergewinnung über das Filtrat nicht so wie gewohnt, so die WVR. Die Brunnen dort gingen nur zehn Meter in die Tiefe - der geringe Wasserstand drücke zu wenig Rheinwasser dorthin.
In Guntersblum rheinaufwärts sehe das anders aus. Hier gingen die zehn Uferfiltratbrunnen bis 60 Meter in die Tiefe. Die Auswirkungen des Niedrigwassers seien dort kaum spürbar. Eine Sprecherin sagte: Ein Guntersblumer Brunnen liefere so viel Wasser, wie alle Bodenheimer Brunnen zusammen. Durch das Niedrigwasser sinke aber allgemein die Wasserqualität des Uferfiltrats. Hierauf sei man aber durch entsprechende Filtersysteme vorbereitet.
Mehr Schadstoffe: Weitere negative Folgen des Niedrigwassers
Bei Niedrigwasser können Chemikalien, Arzneimittel und Pestizide in höheren Konzentrationen im Fluss vorkommen. Es handelt sich um Rückstände aus Industrie, Landwirtschaft und Haushalten.
Trinkwasser Südwesten Tausende teils unbekannte Stoffe im Rhein
Der Rhein versorgt Millionen von Menschen im Südwesten über Uferfiltrat mit Trinkwasser. Doch eine Recherche von Correctiv offenbart nun: Darin schwimmen Tausende teils unbekannte Stoffe.
- Höhere Temperaturen und langsamer fließendes Wasser fördern Algenwachstum. Einige Blaualgen bilden Giftstoffe (Cyanotoxine), die die Wasseraufbereitung erschweren.
- Es gibt weniger Sauerstoff im Wasser: Das kann ökologische Probleme verursachen und die Wasserqualität zusätzlich verschlechtern.
- Bei bestimmten Bedingungen können sich Krankheitserreger stärker vermehren oder ihre Konzentration ansteigen.
Warum ist das Trinkwasser dennoch sicher?
Das Trinkwasser in Deutschland wird streng überwacht. Lang anhaltende Trockenperioden erhöhen jedoch den technischen Aufwand der Aufbereitung.
- Das Rohwasser wird regelmäßig auf Schadstoffe und Keime untersucht.
- Wasserwerke entfernen Verunreinigungen mit verschiedenen Aufbereitungsverfahren.
- Verschlechtert sich die Wasserqualität, können sie die Aufbereitung anpassen oder auf andere Wasserquellen ausweichen.
Was müssen Verbraucherinnen und Verbraucher beachten?
- Wasser sparsam verwenden, besonders während längerer Trockenperioden. Zum Beispiel: den Garten gezielt, statt großflächig bewässern oder Regenwasser zum Gießen nutzen
- Informationen des örtlichen Wasserversorgers beachten. Falls es Einschränkungen gibt (z. B. ein Abkochgebot oder Bewässerungsverbote), werden diese bekannt gegeben.
- Leitungswasser kann getrunken werden, solange der Wasserversorger keine Warnung ausspricht.
- Keine Hamsterkäufe von Trinkwasser: Solange keine offizielle Warnung besteht, gibt es dafür keinen Anlass.
Welche Folgen hat der trockene Rhein für die Landwirtschaft?
Das Rekordniedrigwasser auf dem Rhein macht auch der Landwirtschaft zu schaffen. Es treffe die Betriebe über die Lieferkette, sagte die Generalsekretärin des Deutschen Bauernverbandes, Stefanie Sabet. "Wenn Schiffe nur noch einen Bruchteil zuladen können, steigen die Frachtkosten für Getreide, Futter- und Düngemittel." Das drücke zusätzlich auf die ohnehin niedrigen Erzeugerpreise und erhöhe die Betriebsmittelkosten.
In der Vorderpfalz gibt es inzwischen Einschränkungen für Landwirte, die ihre Gemüsefelder mit Wasser aus dem Altrhein bewässern. Die an das großflächige Netz angeschlossenen Landwirte dürfen nur noch in zugeteilten Zeitfenstern bewässern. Wie der "Mannheimer Morgen" berichtete, ist der Beregnungsverband Vorderpfalz ein europaweit einzigartiges System. Mit rund 600 Kilometern Leitung versorgt er 13.500 Hektar landwirtschaftliche Fläche zwischen Otterstadt im Süden und Heßheim im Norden. Doch die anhaltende Trockenheit setzt auch dem Verband zu, die Wasserkapazitäten sinken.
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Welche Auswirkungen gibt es auf die Verbraucherpreise?
Möglicherweise schlägt sich der höhere Aufwand der Landwirte auch in den Preisen nieder. Volkswirte warnen vor einer steigenden Inflation als Folge des Niedrigwassers im Rhein. "Die deutsche Inflationsrate könnte dadurch temporär um bis zu einen halben Prozentpunkt ansteigen", sagte Ökonom Felix Schmidt von der Berenberg Bank. Auch ING-Chefvolkswirt Carsten Brzeski rechnet mit Folgen für die Lebenshaltungskosten. Mögliche Lieferengpässe und damit verbundene Knappheiten könnten viele Produkte verteuern, auch Benzin und Diesel.
Es erreichten weniger Tanker-Ladungen mit Treibstoff bestimmte Regionen, erklärte auch der Ökonom Thilo Schaefer vom Institut der deutschen Wirtschaft im "Spiegel". Händler müssten dann kurzfristig auf andere Transportwege ausweichen - und die seien meist teurer. Das könnte sich dann auf die Preise an der Zapfsäule auswirken.