Es kann leicht verwechselt werden, doch Pegelstand und tatsächliche Wassertiefe eines Gewässers sind nicht das Gleiche. Es sind zwei unterschiedliche Werte.
Der Pegel gibt nur den Wasserstand an einem festgelegten Messpunkt, dem Pegelnullpunkt, wieder. Er zeigt damit nicht die tatsächliche Wassertiefe von der Oberfläche bis zum Boden des Flusses an. Denn der Nullpunkt liegt nicht am tiefsten Punkt des Gewässers, der Flusssohle.
Pegelstände werden also nicht in der Mitte des Flusses oder der Fahrrinne gemessen, sondern ufernah. In der ausgebaggerten Fahrrinne ist das Wasser in der Regel immer deutlich tiefer als dort, wo der Pegelstand gemessen wird. Am Rhein in Deutschland gibt es 22 Pegel.
Fahrrinne ist ein im Fluss "hängender, virtueller Kanal"
Doch auch die Fahrrinne reicht nicht bis zum Grund des Flussbetts. Sie ist nach Angaben von Florian Krekel vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Rhein in Bingen ein "virtueller Kanal" mit einer abschnittsweise definierten Breite und Tiefe, den man sich als in den Fluss "hineingehängt" vorstellen könne. So zeigt es auch die Grafik oben.
Wie wird der Pegelstand gemessen?
Das zentrale Messinstrument eines Pegels ist die Pegellatte. Es handelt sich hierbei um eine Art großen Meterstab, der meist an Ufermauern, Böschungen oder Brückenpfeilern befestigt wird. Er kann auch mit bloßem Auge abgelesen werden. Zur Ausstattung eines Pegels gehören neben der Pegellatte unter anderem ein Wasserstands-Sensor, Datensammler und Datenfernübertragung. Moderne Stationen messen die Höhe mit Sonden für den Wasserdruck oder einem Schwimmer und senden die Daten digital weiter.
Eine Pegellatte kann auch in ganzer Länge auf dem Trockenen liegen, wie es dieses Foto vom Rhein zeigt:
Messen mit Schwimmerpegel oder Radar
Neben der Pegellatte gibt es noch weitere Messmethoden. Beim Schwimmerpegel werden die Bewegungen des Wasserstandes über einen Schwimmer erfasst. Die Messung erfolgt nach dem Prinzip der kommunizierenden Röhren: es stellt sich im Messschacht unter dem Pegelhaus am Ufer derselbe Wasserstand wie im Gewässer ein. Die mechanische Auf- und Ab-Bewegung des Schwimmers wird elektronisch erfasst und digital weitergeleitet.
Zwangsurlaub Binnenschiffer zu Niedrigwasser: Es wurde viel verschlafen!
Wir haben mit dem Binnenschiffer Kai Brockmann gesprochen, der wegen Niedrigwasser derzeit im Zwangsurlaub ist. Er sagt, dass mit Blick auf den Klimawandel viel verschlafen wurde.
Ein weiteres Messverfahren funktioniert über Radartechnik. Hier werden Mikrowellenimpulse ausgesendet, die nach Reflexion auf der Wasseroberfläche wieder empfangen werden. Die Laufzeit der Impulse ist proportional zu der Entfernung der Wasseroberfläche.
Die Datenaufnahme erledigen alle Messsysteme automatisch. Alle 15 Minuten stellen sie einen neuen Wasserstandswert bereit. Zur Kontrolle wird einmal im Monat die Pegellatte vor Ort abgelesen und mit den automatisch erhobenen Daten verglichen.
Wie können die Schiffer die Fahrrinnentiefe berechnen?
Die Schiffe auf dem Rhein messen die Wassertiefe vor allem elektronisch mit einem Echolot, das den Abstand zum Flussboden durch Schallwellen ermittelt, nutzen den eigenen Tiefgang als Indikator und gleichen diese Daten mit den amtlichen Pegelständen ab.
Amtliche Seiten für die Pegelstände
Aktuelle, amtliche Messwerte und Vorhersagen für alle Stationen in Rheinland-Pfalz stellt die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung auf dem offiziellen Portal ELWIS bereit. Zudem bietet die Hochwasservorhersagezentrale detaillierte regionale Daten.