Fünfzehn Jahre lang war Rinaldo Roberto als Streifenpolizist in Mainz unterwegs. Und auch als Pressesprecher des Mainzer Polizeipräsidiums bekommt er täglich mit, zu welchen Vorfällen im Straßenverkehr die Polizei gerufen wird. Dabei hat er schon viel gesehen und erlebt: "Da gibt es Beleidigungen, da wird gegen eine Tür getreten. Es gibt auch körperliche Auseinandersetzungen, dass die sich wirklich prügeln", erzählt Roberto.
"Ich kann mich an einen Fall erinnern, der liegt schon lange zurück: Dabei ist einer mit einem Auto in ein anderes Auto gefahren. Die haben sich einfach so in die Haare bekommen, dass einer völlig überzogen hat und sein Auto als Waffe benutzt hat."
Jüngste Eskalation in Mainz: Autofahrer schlägt Radfahrer
Erst vor Kurzem gab es in Mainz wieder einen heftigen Streit im Straßenverkehr: Ein Radfahrer war unterwegs mit seinem vierjährigen Sohn im Kinderanhänger. Ein Autofahrer konnte nicht überholen und ging auf den Radfahrer los.
Vor den Augen des Kindes Weil er nicht überholen kann - Autofahrer schlägt Radfahrer in Mainz
Ein Radfahrer war in Mainz unterwegs - mit seinem Sohn im Kinderanhänger. Ein Autofahrer konnte nicht überholen und ging auf den Radfahrer los. Das Kind musste alles mit ansehen.
"Wenn ich als Polizist emotional drauf gucke, schüttle ich den Kopf", sagt Rinaldo Roberto. "Wenn ich sachlich drauf gucke, sage ich: Diese Konflikte gab es schon immer, gibt es derzeit und wird es immer geben. Da, wo Menschen sich in ihrem Recht eingeschränkt fühlen, wird es zu Auseinandersetzungen kommen."
Konflikte in der Fußgängerzone in Mainz: Ein Dauerbrenner seit den 80er Jahren
Das sei auch schon früher so gewesen, als er in den 90er Jahren auf Polizeistreife war - und noch weit davor. Das zeige auch ein Blick ins Archiv mit Zeitungsartikeln im Mainzer Polizeipräsidium, sagt Roberto und blättert in einem von zahlreichen Aktenordnern herum. Darin sind zum Teil schon stark vergilbte Zeitungsartikel eingeklebt und jeweils mit Datum beschriftet.
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"Es gibt zum Beispiel einen Artikel aus den 80ern, da ging es um die Fußgängerzonen in der Mainzer Innenstadt. Da war das schon ein großes Thema, dass es dort immer wieder zu Konflikten zwischen Radfahrenden und Zufußgehenden kommt. Der Polizeichef hat damals eigentlich die gleiche Antwort gegeben wie ich heute", erzählt der Mainzer Polizeisprecher und schmunzelt.
Verkehr in Mainz nimmt zu, Verständnis nimmt ab
Dass die Konflikte im Straßenverkehr in den letzten Jahren zugenommen hätten, könne er aus eigener Erfahrung nicht bestätigen: "Tatsächlich würde ich sagen, es bleibt irgendwie auf einem gleichen Level." Allerdings gebe es dazu auch keine aussagekräftigen Statistiken, weil darin nur Straftaten erfasst würden. Und die lägen nicht automatisch bei allen Konflikten vor, zu denen die Polizei gerufen werde.
"Was wir aber erleben, ist eine deutliche Zunahme des Straßenverkehrs. Auch der Radfahranteil in der Stadt Mainz nimmt zu." Das berge natürlich Potenzial für Konflikte. Auffällig sei außerdem, dass es meist um Konflikte zwischen den verschiedenen Verkehrsarten gehe, "also der Fußgänger mit dem Radfahrer, der Radfahrer mit dem Autofahrer, der Autofahrer mit dem Busfahrer oder mit dem LKW-Fahrer", zählt Roberto auf. Ihm scheint es so, dass das Verständnis für die andere Art, sich fortzubewegen, oft fehle.
Also mir scheint es, dass das Verständnis für die andere Art, sich fortzubewegen, ganz oft fehlt.
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Soziale Medien verbreiten Eskalationen im Straßenverkehr
Das Gefühl, dass Streit und Eskalationen im Straßenverkehr zunehmen, könne womöglich auch durch die sozialen Medien bestärkt werden, meint der Polizeisprecher. Weil solche extremen Vorfälle wie etwa der vom Autofahrer, der den Radfahrer schlägt, heutzutage viel schneller verbreitet würden: "Wenn es zu solchen Konflikten kommt, dann hält irgendjemand eine Kamera drauf und es wird geteilt. Dann sehen es Tausende und es kann der Eindruck entstehen, dass es überhand nimmt."
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Unabhängig von Fallzahlen: Eskalationen gebe es immer wieder. Und meistens würden sie an Orten oder in Situationen passieren, wo es eng werde, erklärt Rinaldo Roberto: "Besonders in Fußgängerzonen, auf Bürgersteigen, da, wo andere abbiegen müssen. Konfliktpotenzial gibt es immer, wenn der Verkehrsraum nicht genug Platz für alle Verkehrsteilnehmenden bietet."
Hinzu komme noch ein anderer Aspekt: "Wir stellen fest, dass viele junge Menschen gar keinen Führerschein mehr machen. Gleichzeitig haben viele ältere Menschen ihren Führerschein vor 60 Jahren gemacht." Einige würden die aktuellen Verkehrsregeln also gar nicht genau kennen oder seien nicht mehr auf dem neuesten Stand. Auch das berge ein zusätzliches Konfliktpotenzial.
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Appell der Mainzer Polizei: mehr Rücksicht im Straßenverkehr
Deswegen appelliert der Mainzer Polizeisprecher: "Wer am Straßenverkehr teilnimmt, sollte sich zumindest mit den Grundregeln des Straßenverkehrs auseinandersetzen." Gleichzeitig sollten sämtliche Verkehrsteilnehmende - also auch die, die die Regeln eigentlich kennen sollten, mehr Rücksicht aufeinander nehmen, findet Rinaldo Roberto.
"Es geht im weitesten Sinne darum, den anderen ein Stück Platz zu lassen. Und wenn sich jemand anderes falsch verhält, dann sollte man es nicht mit eigenem Fehlverhalten versuchen zu kompensieren, mit Aggressionen und eng auffahren. Einmal kurz Fuß vom Gas hilft oft, Konflikte zu vermeiden, statt auf sein Recht zu beharren."