Start der Mobilfunk-Messwoche

Handyempfang im Kreis Bad Kreuznach - Wenn selbst der Notruf schwierig wird

Auch in Rheinhessen und an der Nahe rufen viele Kreise und Städte dazu auf, ab heute an der sogenannten Mobilfunk-Messwoche teilzunehmen. Denn: Auch hier gibt es noch einige Orte mit Problemen beim Handyempfang - gerade im Kreis Bad Kreuznach.

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Stand

Von Autor/in Alexander Dietz

Es war bitter kalt an einem Wintertag, als Ingeborg Jacobs mit ihrem Elektro-Auto auf der Landstraße von Neu-Bamberg in Richtung ihres Wohnortes Tiefenthal (Kreis Bad Kreuznach) unterwegs war. "Die Autobatterie war nicht voll geladen", erzählt Jacobs. Die Folge: Sie blieb liegen.

Normalerweise geht da der erste Griff zum Handy, um einen Pannendienst zu rufen. Auf der Landstraße zwischen Neu-Bamberg und Tiefenthal kann man sich den aber im Prinzip sparen, berichtet Jacobs, die mittlerweile Ortsbürgermeisterin in Tiefenthal ist. Hier gebe es nämlich eigentlich kein Handynetz. "Das heißt, sie haben eine Panne oder vielleicht sogar einen Unfall und können nicht ohne Weiteres Hilfe rufen."

Das sind wir nicht mehr gewohnt, dass wir nicht telefonieren können und keine Hilfe rufen können. Das ist eigentlich eine unhaltbare Situation.

Bei ihrer Panne musste Jacobs nach eigener Aussage also bei frostigen Minustemperaturen eine gute halbe Stunde nach Hause laufen. Ein anderes Mal musste sie zudem einem anderen Fahrer bei einer Panne helfen. "Ich bin dann nach Hause gefahren und habe von da aus telefoniert. Weil klar, er konnte nicht telefonieren und wollte auch abgeschleppt werden."

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"Glückssache, ob Notruf durchgeht"

Den Notruf 110 oder 112 habe sie selbst auf der Strecke noch nicht gewählt. Sie gehe aber davon aus, dass es Glückssache ist, ob dieser durchgeht oder ist. Weil sie aber keinerlei Netz auf der Landstraße habe, nimmt sie an, dass die Chance eher gering sei.

Auch das rheinland-pfälzische Digitalisierungsministerium bestätigt, dass ihm die "unzureichende Versorgungssituation" an dieser Landstraße bekannt sei. Auf einem Streckenabschnitt sei "keine ausreichende 2G-Verfügbarkeit vorhanden." Die ist aber entscheidend für Telefonate und somit auch für Notrufe.

Auf der Landstraße von Tiefenthal nach Neu-Bamberg im Kreis Bad Kreuznach fahren zwei Autos.
Auf der Landstraße von Tiefenthal nach Neu-Bamberg gibt es laut Bürgermeisterin Jacobs (parteilos) keinen Handyempfang.

Ministerium will solche Funklöcher zeitnah schließen

Die Clearingstelle Mobilfunk, die sich im Ministerium für eine Verbesserung der Mobilfunkversogung einsetzt, sei mit den Mobilfunk-Netzbetreibern bereits im Austausch. "Ziel ist es, solche Funklöcher, insbesondere an Verkehrswegen, zeitnah zu schließen", teilte das Ministerium auf SWR-Anfrage mit. Sobald mindestens ein Netzbetreiber verfügbar ist, können nämlich Notrufe durchgeleitet werden. Auch wenn der eigene Netzbetreiber nicht verfügbar ist.

Laut Ortsbürgermeisterin Jacobs hatte die Telekom einige Jahre lang geplant, einen 5G-Mast bei Tiefenthal zu errichten. Dieser sollte nach Angaben des Unternehmens sowohl Tiefenthal als auch den "Verkehrs-Whitespot" auf der Landstraße versorgen. Jetzt wurde aber der Bauantrag abgelehnt, weil sich eine geschützte Wiesenart auf dem geplanten Grundstück befindet. "Somit müssen wir uns nun erneut auf die Suche nach geeigneten Stellen machen", teilte die Telekom mit.

Auf diesem Grundstück sollte eigentlich bei Tiefenthal im Kreis Bad Kreuznach ein neuer Mobilfunkmast gebaut werden.
Auf diesem Grundstück bei Tiefenthal im Kreis Bad Kreuznach sollte eigentlich ein neuer Mobilfunkmast gebaut werden.

Davon abgesehen gebe es aber auch schon jetzt entlang der Landstraße Handyempfang, der zumindest ausreichen sollte, um einen Notruf absetzen zu können, so das Unternehmen. Ausschließen, dass es auch mal zu Problemen beim Wählen des Notrufes kommen kann, konnte eine Telekom-Sprecherin auf SWR-Nachfrage aber auch nicht. Ein Handy sei immer auf der Suche nach dem stärksten Netz. "Es kommt dann drauf an, ob sich das Handy mit dieser Funkzelle verbindet oder nicht."

Kaum Handyemfpang im Freilichtmuseum Bad Sobernheim

Aber auch in anderen Teilen des Kreises Bad Kreuznach gibt es Probleme mit dem Handyempfang. Betroffen ist vor allem die Region rund um Bad Sobernheim. Auf dem Gelände des Freilichtmuseums gebe es zum Beispiel wenig Empfang, sagt Wiebke Schulte aus dem Besucherservice des Museums. "Manche finden es entspannt, andere weniger. Unsere Gäste sind schon überrascht, dass es keine Netzabdeckung gibt. Am Ende sagen sie aber, dass sie es eigentlich ganz schön fanden."

Zwei alte Gebäude stehen im Freilichtmuseum Bad Sobernheim.
Wie vor 100 Jahre - im Freilichtmuseum Bad Sobernheim gibt es auch kaum Handyempfang. picture alliance / Mika | Mika Volkmann

Man könne sich dort eben in die Zeit vor 100 Jahren zurückversetzen, sagt der Bürgermeister der VG Nahe-Glan, Uwe Engelmann (SPD), schmunzelnd. Laut der Verbandsgemeinde passiert aktuell aber einiges in der Region, um die Netzabdeckung mit neuen Funkmasten zu verbessern. Das laufe bisher aber etwas schleppend. Zum Beispiel sei es ärgerlich, dass es auch im Gewerbepark Pferdsfeld kaum Handyempfang gebe, sagt Engelmann. "Schließlich kommen dorthin auch hochkarätige internationale Gäste."

Wettbewerbsnachteil für Unternehmen im Gewerbepark Pferdsfeld

Auf der Testrecke der TRIWO Automative Testing GmbH kann dort alles getestet werden, was die Automobilindustrie so produziert. "Wir haben da schon einen Wettbewerbsnachteil, weil die Autokommunikation mittlerweile ja häufig auch über das Mobilfunknetz abläuft", sagt Bastian Wolff, Koordinator der Teststreckensicherheit bei TRIWO. "Wir sollen eigentlich einen Mast auf unserem Gelände bekommen. Der Bauantrag ist gestellt. Das läuft aber sehr langsam und zieht sich seit Jahren."

Mast gebaut - aber noch nicht in Betrieb genommen

Aber selbst wenn ein neuer Mast errichtet wurde, heißt das noch nicht, dass sofort Handyempfang da ist. Das sieht man zum Beispiel in Seesbach und Langenthal in der VG Nahe-Glan. In beiden Orten ist im letzten Jahr ein Mast gebaut worden, beide sind aber noch nicht in Betrieb, berichten die Bürgermeister im Gespräch mit dem SWR.

In einem Wald bei Langenthal steht seit letztem Jahr ein Mobilfunkmast von Telefonica. Bisher hat er aber nach Angaben des Ortsbürgermeisters noch nicht die Arbeit aufgenommen.
In einem Wald bei Langenthal steht seit letztem Jahr laut dem Ortsbürgermeister ein Mobilfunkmast von Telefonica O2, der aber noch nicht in Betrieb genommen worden sei. Thorsten Spreier

Der Mast zwischen Seesbach und Pferdsfeld soll von Vodafone betrieben werden und ist nach Angaben des Unternehmens von einem Dienstleister bereits im August 2024 fertiggestellt worden. Aktuell werde das finale Konzept erstellt, um die Funktechnik dort zu installieren, teilte Vodafone auf SWR-Anfrage mit. Geplant sei, dass der Mast Ende des Jahres in Betrieb genommen werde. Telefonica O2, das laut dem Langenthaler Bürgermeister den Mast dort betreiben soll, hat bisher auf eine SWR-Anfrage nicht reagiert.

Provisorischer Mast bei Abtweiler

Bei Abtweiler gibt es seit etwa drei Monaten dagegen einen neuen Mobilfunkmast, der in Betrieb ist. Der ist laut Bürgermeister Peter Michel (FWG) aber nur provisorisch und wird mit einem Notstromaggregat versorgt. "Das ist wie in der Ukraine", schmunzelt Michel. "Das ist sehr bescheiden."

In Abtweiler im Kreis Bad Kreuznach steht ein provisorischer Funkmast, der mit einem Aggregat betrieben wird.
Der provisorische Mast in Abtweiler wird mit einem Aggregat betrieben.

Außerdem decke der Mast nur ein Teilstück der Landstraße ab und nicht den Ort selbst. Betrieben wird er von der Telekom. "Wir haben hier einen provisorischen Funkmast aufgestellt, um in diesem Gebiet eine Versorgung zu gewährleisten, bis der finale Standort fertiggestellt ist und in Betrieb geht. Mit dem Provisorium können wir insbesondere die Landstraße L376 versorgen und somit dort einen Verkehrs-Whitespot weitestgehend vermeiden."

Dass der Mast den Ort nicht mitversorgen kann begründet die Telekom mit der geringeren Höhe des provisorischen Mastes, seiner Lage und der herausfordernden Topographie vor Ort. "Sobald der finale Mast in Betrieb ist, wird auch Abtweiler von deutlich besserem Mobilfunk profitieren. Aktuell ist die Fertigstellung und Inbetriebnahme für das Jahr 2027 geplant", heißt es von der Telekom.

Unklar, bis wann Tiefenthal besseren Handyempfang bekommt

Wie geht es jetzt aber in Tiefenthal weiter, nachdem dort der Bauantrag für einen neuen Mast abgelehnt wurde? Bürgermeisterin Ingeborg Jacobs ist auf jeden Fall etwas frustriert. "Das ist schon ziemlich ärgerlich, weil wir kurz vorm Ziel waren. Jetzt stehen wir wieder am Anfang und suchen nach einem Ausweichgebiet." Sie rechnet damit, dass nochmal einige Jahre ins Land gehen könnten, bis der Mobilfunkmast in Tiefenthal steht.

Positive Signale kommen aber zumindest aus der Kreisverwaltung. Die Landrätin des Kreises Bad Kreuznach, Bettina Dickes (CDU), teilte auf SWR-Anfrage mit, dass die Verwaltung den Bau eines Mobilfunkmastes in Tiefenthal unterstütze. Es müsse lediglich eine Eins-zu Eins-Ausgleichsmaßnahme zum geschützten Biotop geschaffen werden. "Dazu ist die Untere Naturschutzbehörde bereits mit der Telekom im Austausch", so Landrätin Dickes. "Sobald seitens der Telekom eine passende Ausgleichsfläche benannt wird, kann unmittelbar mit dem Bau begonnen werden." Einen Zeitpunkt, bis wann der Mast in Tiefenthal stehen soll, nannte sie allerdings nicht.

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