EU-Verordnung: Sikawild muss getötet werden

Dürfen Sikahirsche im Wildpark Rheingönheim am Leben bleiben?

Sikawild gilt laut EU als invasive Art und müsste bis August 2027 getötet werden - auch im Wildpark Rheingönheim. Jetzt gibt es eine neue Entwicklung bei der EU-Verordnung. Ist das Sikawild gerettet?

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Von Autor/in Fiona Nastainczyk

Schon am Eingang zum Wildpark kommen den Besuchern die Sikahirsche entgegen: Sie haben braunes Fell und weiße Punkte auf dem Rücken und sind im Vergleich zu anderen Hirschen eher klein. Die aus Ostasien stammende Hirschart im Wildpark Rheingönheim gehört bei den Besuchern zur beliebtesten Tierart. Sie lassen sich sogar streicheln.

Ein Sikahirsch mit kleinem Geweih und weißen Punkten auf dem braunen Fell.
Ein Sikahirsch im Wildpark Rheingönheim. Kinder mögen die zutraulichen Wildtiere besonders, sagt Wildpark-Verantwortliche Gabriele Bindert.

EU: Sikawild soll getötet werden

Gleichzeitig gilt es aber seit Juli 2025 als invasive Art. Deshalb soll es laut einer Verordnung der EU-Kommission (Durchführungsverordnung 2025/1422) ab August 2027 nicht mehr erlaubt sein, Sikawild zu halten - weder in freier Wildbahn noch in eingezäunten Gehegen und Wildparks. Die Konsequenz: Alle etwa 50 Sikahirsche im Ludwigshafener Wildpark müssten getötet werden.

Empörung im Wildpark Rheingönheim

"Wir sehen darin gar keinen Sinn", sagt Gabriele Bindert, die bei der Stadt arbeitet und für den Wildpark zuständig ist. Sie ist empört: "Das würde an eine Massentötung grenzen!" In Rheinland-Pfalz gibt es, im Gegensatz zu anderen Regionen Deutschlands, kein Sikawild in freier Natur. Das bestätigten der Landesjagdverband Rheinland-Pfalz und das Forstamt Pfälzer Rheinauen.

Warum das Sikawild auch in eingezäunten Gehegen und Wildparks getötet werden soll: Es könnte ausbrechen und sich in freier Wildbahn mit dem heimischen Rotwild paaren. Dadurch könnte es laut EU zu genetischen Veränderungen oder einer Verdrängung der heimischen Arten kommen.

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Wildpark: "Das würde an eine Massentötung grenzen"

Im Wildpark Rheingönheim läuft das Sikawild frei herum - gemeinsam mit Mufflonschafen und Damhirschen. Rotwild gibt es im Wildpark auch, sie leben aber aufgrund ihrer Größe in eigenen Gehegen. So können sie sich auch nicht mit dem Sikawild paaren.

Gabriele Bindert findet es völlig abwegig, dass die Tiere ausbrechen und sich in freier Wildbahn vermehren könnten. "Da müsste schon jemand kommen und die Zäune aufschneiden!" Die würden sie sowieso schon seit vier Jahren erneuern, damit keine Tiere entkommen können.

Eine Tötung aller Tiere im Wildpark würde ihrer Meinung nach das eigentliche Ziel der EU verfehlen: "Sie paaren sich hier nicht, sie sind nicht invasiv, sie sind geschützt in den Gehegen."

Darf das Sikawild in Tierparks bleiben?

Auf SWR-Anfrage bestätigte die EU-Kommission, dass Ausnahmen möglich sind. Laut einer Kommissionssprecherin müssen gewerbliche Halter bis August 2027 sicherstellen, dass Sikawild nicht mehr gehalten und gezüchtet wird. Eine Lösung wäre, die Tiere in dafür zugelassenen Zoos unterzubringen.

Nichtgewerbliche Halter dürfen die Tiere bis zu ihrem Lebensende halten, wenn sichergestellt ist, dass sie nicht entkommen oder sich fortpflanzen können. Um diese Ausnahmen durchzusetzen, müssen die EU-Mitgliedsstaaten einen Antrag bei der EU stellen.

Auch für Gabriele Bindert und den Wildpark Rheingönheim wäre das eine gute Lösung: "Wir würden die männlichen Tiere rausnehmen und die restlichen Tiere entsprechend ihrer Lebenserwartung leben lassen." Das werde sowieso regelmäßig gemacht, "damit es nicht zu viele Tiere werden." Diese Tiere würden dann entweder an andere Einrichtungen vermittelt oder getötet.

Sikawild gilt in Ostasien als bedroht

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