Es ist Lukasmarkt-Dienstag: Menschen tummeln sich auf dem Markt, drängen sich nach vorne an einen Zaun, um Pferde zu sehen. Alle stehen sie in einer Reihe: um die 20 Tiere, bereit, begutachtet zu werden. Vom kleinen Pony, über das Jungpferd bis hin zum stattlichen Hengst ist alles mit dabei.
Ab und zu öffnet eine junge Frau den Zaun für Besucher, legt den Pferden Heu hin. Ein Mann unterhält sich mit Interessenten: Es sind Laura und Ralf Schilberz: ein Tochter-Vater-Gespann. Die beiden sind Pferdehändler aus Valwig (Kreis Cochem-Zell) und präsentieren neben anderen Händlern auf dem Lukasmarkt ihre Tiere.
Pferdehandel auf dem Lukasmarkt hat sich gewandelt
Der Lukasmarkt ist eine Familientradition für Familie Schilberz, sagt Laura. Jedes Jahr habe sie das "Marktfieber" - also eine schlaflose Nacht. Für sie und ihre Familie ist der Lukasmarkt-Dienstag ein Feiertag: denn seit Generationen kommt die Familie dort hin und handelt mit Pferden, sagt sie.
Vater Ralf ist mit gerade mal 16 Jahren in den Pferdehandel seiner Familie eingestiegen. Seit seinen Anfängen habe sich viel verändert. Vor etwa 30 Jahren sei noch mehr gehandelt worden als heute, so Ralf Schilberz. Damals seien auch mehr Landwirte gekommen, die ihre Pferde verkaufen wollten oder selber Pferde gekauft hätten. Heute seien es mehr Privatleute, die sich ein Tier zulegen wollten.
Damals seien außerdem auch Pferde zum Verkauf hingestellt worden, die nicht mehr nutzbar gewesen seien. Diese Pferde sind dann zum Beispiel von Pferdemetzgern gekauft worden, erzählt Schilberz. Das gebe es heute auf deutschen Pferdemärkten nicht mehr.
Traditioneller Handschlag besiegelt Pferdeverkauf
Eine uralte Tradition im Pferdehandel ist das sogenannte "Abklatschen", erklärt Laura Schilberz. Das sei eine Geste, die auf Vieh- und Pferdemärkten einen Kaufvertrag besiegeln würde. Heute schließe man einen Kaufvertrag ab, doch früher sei der Handschlag beim Pferdekauf gültig gewesen.
Wir lieben es, wenn wir das Geklatsche im Hintergrund hören.
Es sei hin und her gegangen und am Ende habe man sich geeinigt. Das könne heute nur noch die ältere Generation, sagt sie. Die jungen hingegen würden das Klatschen bewundern: "Wir lieben es, wenn wir das Geklatsche im Hintergrund hören." Bei dem Geräusch freue sie sich immer: Denn es bedeute, dass wieder ein Pferd verkauft worden sei, so die junge Pferdehändlerin.
Käufer können Pferde auf dem Markt begutachten
Das Verkaufsgespräch läuft immer ähnlich ab: Interessierte Leute kommen auf Laura Schilberz zu - fragen beispielsweise nach der Abstammung eines Pferdes. Man komme ins Gespräch, tausche sich aus. Dann gebe es die Möglichkeit, das Pferd "vortraben" zu lassen. Das mache man, um die Gangart des Pferdes zu begutachten, erklärt sie. Die verrate viel über Gesundheit und Qualität des Pferdes.
Wenn sich Käufer und Verkäufer dann einig werden, ist das für Laura ein schöner Moment. Sie freue sich, wenn ein Pferd verkauft werde und für die Leute, die ein tolles Pferd gefunden hätten. Für jedes Pferd, das weggeht, komme auch wieder ein neues in ihren Stall, sagt sie. Und man schaue natürlich immer, dass das Pferd ein gutes Zuhause finde.
Nur einmal habe sie sich nicht von einem Pferd trennen können. Da sei sie noch ganz klein gewesen und habe beschlossen, ein Pferd zu behalten, statt es von ihrem Vater verkaufen zu lassen. Das sei ihr erstes Pferd gewesen, erinnert sie sich.
Tochter führt Familientradition des Pferdehandels weiter
Vater Ralf freut sich, dass seine Tochter Laura die Familientradition weiterführt. Wenn auch nicht hauptberuflich. Eigentlich arbeitet sie in der Tourismus-Branche, erzählt sie. Doch vor und nach der Arbeit gebe es nur die Pferde. Ein Leben ohne die Pferde könne Laura sich nicht vorstellen.
"Ich bin stolz auf meine Tochter", so Schilberz. Zwar sei der Pferdeverkauf nicht mehr so, wie er es damals gelernt habe, aber zumindest in der Art bleibe die Tradition gleich. Vielleicht mit anderen Mitteln - wie dem Internet - so der Pferdehändler: "Aber in der Art hoffe ich, dass sie es weiter macht, wie wir es von der Pike auf gekannt haben."