Das Projekt wurde im Frühjahr dieses Jahr ins Leben gerufen, erzählt Sezer Melisande Lammers, Chefärztin des Wissener Krankenhauses. Auslöser dafür sei die schlechte Versorgung in den Notunterkünften der Verbandsgemeinde Wissen gewesen. Deshalb sei die Wohnungslosenhilfe der Caritas Rhein-Sieg auf die Klinik zugekommen.
Chefärztin: "Es geht oft einfach um eine Überlebenssicherung"
In Zusammenarbeit mit verschiedenen Behörden, wie der Kreisverwaltung Altenkirchen und dem Ordnungsamt der Verbandsgemeinde Wissen, habe man dann versucht, auf "niedrigschwelliger Ebene" - unabhängig von komplizierten Kostenübernahmen - ein Behandlungsangebot für Menschen zu schaffen, die psychische Probleme haben und auf der Straße leben, sagt Psychiaterin und Neurologin Lammers.
Zu dem Angebot gehört besonders eine psychiatrische Behandlung. Zunächst sei es wichtig, grundsätzliche Fragen zu klären: Wo bestehen Konfliktherde? Wie kann geholfen werden? Das Klientel sei häufig aggressiv und schwierig zu behandeln, sagt die Ärztin: "Deshalb geht es dabei oft einfach um eine Überlebenssicherung."
Verbandsgemeinde Wissen stellt Notunterkünfte für Betroffene
Pro Jahr behandelt das St. Antonius Krankenhaus in Wissen rund zehn Fälle. "Diese Menschen binden sehr viel Energie und Ressourcen", erzählt Lammers. Sobald feststehe, dass jemand nach dem Krankenhausaufenthalt in die Obdachlosigkeit entlassen werden müsse, setze sie sich mit der Caritas und weiteren Experten zusammen, um gemeinsam zu beraten, wie individuelle Hilfe aussehen könnte. Für jeden Einzelfall werde ein "Runder Tisch" einberufen.
Die zuständige Verbandsgemeinde stellt außerdem eine Notunterkunft zur Verfügung. Das besondere bei dem Projekt ist, dass diese Hilfsangebote an keine Bedingungen geknüpft sind. Beispielsweise müssen die Betroffenen nicht nachweisen, dass sie keine Drogen nehmen. Es seien nur zehn Fälle pro Jahr, sagt die Chefärztin: "Die Behandlung übernimmt die Klinik. Das Projekt ist uns einfach wichtig."
Sozialpreis für "Systemsprenger-Projekt" in Wissen
Ziel des Angebots sei es, die Patienten zu stabilisieren und sie so wieder in die Gesellschaft zu integrieren. Lammers möchte das Projekt in Wissen fest etablieren. Die Zusammenarbeit mit allen Beteiligten laufe super. Sie wünscht sich, dass den Patientinnen und Patienten auch für die Zukunft immer ein Dach über dem Kopf zugesichert werden kann.
Das "Systemsprenger-Projekt" wurde jetzt mit dem Sozialpreis der katholischen Krankenhäuser ausgezeichnet. Der Jury-Preis ist mit 3.000 Euro dotiert. Der Preis macht die Chefärztin stolz: "Ich bin aus tiefstem Herzen dankbar. Mich haben die Themen Obdachlosigkeit und Systemsprenger immer schon bewegt. Für die Region und fürs Haus ist der Preis etwas ganz besonderes."