In Frankfurt starten am Vormittag die Tarifverhandlungen für die Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie in Rheinland-Pfalz, Hessen, dem Saarland und Thüringen. Die IG Metall fordert für die etwa 388.000 Beschäftigten fünf Prozent mehr Lohn, gültig für ein Jahr. Begründet wird dies damit, dass die Lebenshaltungskosten ständig steigen. Außerdem will die Gewerkschaft Zusagen für Standorte und Arbeitsplätze. Und in gut laufenden Unternehmen soll es eine Gewinnbeteiligung für die Beschäftigten geben.
Die Arbeitgeber haben die Forderung bereits als unangemessen bezeichnet und verweisen auf die aktuelle Krise der Branche. Ein Lohnplus von fünf Prozent "gehe an der wirtschaftlichen Realität vorbei". Es könne nicht immer weiter an der Kostenschraube gedreht und gleichzeitig erwartet werden, dass die Unternehmen am Standort festhalten, so PfalzMetall-Chef Christian Kauth. Die Forderung der IG Metall würde die Wettbewerbsfähigkeit und die Beschäftigung in Rheinland-Pfalz gefährden.
Gerade Zulieferer für die Automobilindustrie, aber auch Unternehmen wie der Filterhersteller Mann+Hummel in Speyer, stecken tief in der Krise und planen, Werke zu schließen und Stellen zu streichen.
Lage der Unternehmen extrem unterschiedlich
Doch es gibt auch Firmen, denen es richtig gut geht. Zum Beispiel in der Rüstungsindustrie und Wehrtechnik. So will das auf Überwachungstechnik und Drohnenabwehr spezialisierte Unternehmen Aaronia in der Eifel seine Produktionsstätte deutlich erweitern und neben den derzeit 70 Beschäftigten weitere 150 Stellen schaffen. Und mitten in Kaiserslautern schweißt der Weltmarktführer für mobile Brücken, General Dynamics, tonnenschwere Teile für Fahrzeuge und Fährsysteme zusammen.
Besonders extrem ist die Situation in Baden-Württemberg, dem traditionellen Pilotbezirk der Metall- und Elektrobranche, dessen Abschlüsse meist bundesweit übernommen wurden. Hier treffen kriselnde Autobauer wie Audi auf eine florierende Rüstungsindustrie in der Bodenseeregion.
Gewerkschaft erwartet harte Tarifrunde
IG-Metall-Bezirksleiter Jörg Köhlinger rechnet angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Situation mit schwierigen Verhandlungen. "Ich erwarte eine sehr kämpferische Tarifbewegung, bei der ausdrücklich keine Arbeitskampfmaßnahme ausgeschlossen ist." Köhlinger ist für Rheinland-Pfalz und die weiteren drei Bundesländer der sogenannte Mittelgruppe zuständig.
Wie könnte eine Lösung aussehen?
Arbeitnehmer und Arbeitgeber erwarten also eine harte Auseinandersetzung, weil die Positionen sehr weit auseinanderliegen. Wie könnte da eine Einigung aussehen? Professor Bernd Fitzenberger, Direktor des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nürnberg sagt im Plus-Minus-Podcast "Bin ich zu teuer?", er rechne damit, dass eine Einigung irgendwo zwischen der aktuellen Inflationsrate von drei Prozent und der Gewerkschaftsforderung von fünf Prozent liegen könnte. "Was man aber gleichzeitig mit vereinbaren muss, sind eben produktivitätssteigernde Maßnahmen", so Fitzenberger.
Der harte Umstrukturierungsprozess, in dem sich große Teile der Metall- und Elektrobranche befinde, könne man "nur zum Teil durch die Lohnpolitik beeinflussen". Hier müssten sich die Unternehmen der Herausforderung für einen Umbau stellen.
Ich würde jetzt nicht pauschal sagen, Weihnachtsgeld muss weg, die Löhne müssen runter und dann sind alle Probleme gelöst. Weit entfernt davon.
Denkbar wäre auch eine allgemeine Lohnerhöhung für alle Beschäftigten, ergänzt um zusätzliche Vereinbarungen für Unternehmen mit guter wirtschaftlicher Entwicklung, meint SWR Wirtschaftredakteur Christof Gaißmayer, der die Tarifverhandlungen in Baden-Württemberg verfolgt.