ARD-Serie soll 2027 laufen

Dreharbeiten im Ahrtal: Fiktionale Serie erzählt Flutkatastrophe nach

Die Dreharbeiten zur fiktionalen ARD-Serie "Im Tal", die die Flutkatastrophe 2021 aufarbeitet, haben im Ahrtal begonnen. Regisseur Niki Stein erklärt, wie sensibel der Dreh an der Ahr ist.

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Von Autor/in Fabian Janssen

Die vierteilige Serie, die unter der Federführung des SWR für Das Erste und die ARD Mediathek produziert wird, erzählt, wie die Flutnacht vom 14. Juli 2021 das Leben von fünf jungen Menschen im Ahrtal verändert hat. Seit Montag laufen die Dreharbeiten im Kreis Ahrweiler.

Autor und Regisseur Niki Stein kennt das Ahrtal seit Kindertagen und will dem Vergessen der Katastrophe entgegenwirken. "Ich sehe eben die große Notwendigkeit unseres Films - dieser Flutamnesie, wie das die Menschen an der Ahr nennen - entgegenzuwirken."

Serie erzählt Geschichte von fünf jungen Menschen

Die Serie mit dem Arbeitstitel "Im Tal" soll vier Folgen haben und stellt fünf junge Menschen in den Fokus der Handlung. Alle sind im Ahrtal aufgewachsen und auf dem Sprung, ihre Lebensträume zu verwirklichen. Einige von ihnen sind in der Flutnacht als Helfer bei der Freiwilligen Feuerwehr im Einsatz und kämpfen gegen Wasser und Zeit. Dabei haben die Filmemacher die Figuren bewusst fiktiv angelegt und sich nicht an realen Schicksalen orientiert.

"Das war uns wichtig, weil es uns die Freiheit gegeben hat, das Erleben von vielen Menschen in einer Geschichte zu bündeln, ohne dass sich einzelne Betroffene dann auf dem Bildschirm wiederfinden", so Produzentin Simone Höller. Die Serie zeigt, wie drastisch die Zukunftspläne der fünf jungen Menschen durch die Flut zerbrechen und wie die traumatischen Erlebnisse ihren Blick auf die Welt verändern.

Im Ahrtal haben die Dreharbeiten zu der fiktionalen Serie "Im Tal" begonne.
Ein Teil der Serie wird auch in Belgien gedreht - hier mit Kameramann Willy Dettmeyer. SWR/307 Production/Sofie Silbermann

Flutszenen werden in Spezialstudio in Belgien gedreht

Ein großer Teil der Dreharbeiten fand bereits im Mai in Belgien in einem speziellen Studio für Wasseraufnahmen statt. Die Szenen, die sich in der Flutnacht abspielen, sollten nicht an der Ahr entstehen. "Aus Respekt vor den Menschen hier. Niemand soll im Tal vor seiner Haustür noch einmal die Bilder von damals sehen müssen", sagt Produzentin Simone Höller.

Die Filmemacher wollen so verhindern, dass Menschen retraumatisiert werden. Auch für Regisseur Niki Stein sind die Flutsimulationen die sensibelsten Aufnahmen. "Weil das sicherlich das ist, was am meisten eventuelle Traumata hervorrufen kann", sagt Stein im Interview mit dem SWR. Auch wirtschaftliche Gründe trugen zur Entscheidung bei, in Belgien zu drehen.

Dreharbeiten an verschiedenen Orten entlang der Ahr

Im Ahrtal wird jetzt vor allem das Leben im Tal eingefangen. Szenen in Weinbergen stehen auf dem Drehplan genauso wie Bilder, die die besonders prägende Landschaft des Ahrtals zeigen. Hotels und Orte wie Dernau, Rech und Altenahr sowie der Bereich um Sinzig stehen im Mittelpunkt. Für die Filmemacher soll auch die Schönheit der Region sichtbar werden. Die Dreharbeiten entlang der Ahr werden eng mit den Behörden abgestimmt, gerade, wenn Orte genutzt werden, die wichtig für den Alltag der Menschen sind.

Niki Stein sagt, er habe bei seiner Recherche große Zustimmung zum Projekt erlebt. "Einfach aus einem Punkt heraus, dass man das Gefühl hat, man wird nicht vergessen." Er stehe jederzeit für Gespräche bereit und wolle Vertrauen geben, "dass ich keinen Schindluder betreibe mit ihren Nöten, also keinen Katastrophentourismus mache".

Regisseur Niki Stein hat zwei Jahre für Serie recherchiert

Mehr als zwei Jahre hat Stein recherchiert, um die Drehbücher zu entwickeln. Für ihn steht die Ahr exemplarisch für den Klimawandel: "Wir wissen seit 50 Jahren, dass er kommt, aber wir tun ehrlich gesagt nicht wirklich was dagegen." Dass die Flutwelle sieben Stunden bis nach Bad Neuenahr-Ahrweiler brauchte, ohne dass wirklich gehandelt wurde, ist für Stein ein weiteres Zeichen dafür.

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"Dieses Starren wie das Kaninchen auf die Schlange, das war für mich eine große Metapher für unser allgemeines Agieren", sagt Niki Stein. Deshalb möchte er die Serie in einer Art Zweiklang erzählen. "Auf der einen Seite die Ignoranz, die natürlich auch aus einer gewissen Überforderung zu erklären ist, weil sich niemand das vorstellen konnte. Und dann dieses wirklich wahnsinnig Bewundernswerte der Ahrbewohner, wir müssen weitermachen - verbunden mit einer großen Solidarität untereinander."

Die Serie soll voraussichtlich 2027 ausgestrahlt werden

Die Besetzung ist prominent gewählt. Die Hauptrolle, eine junge Frau, die im Elektro-Betrieb ihres Vaters lernt, spielt Antonia Moretti, Tochter von Tobias Moretti. Kleinere Rollen sind mit Heino Ferch, Joachim Król oder Margarita Broich besetzt.

Produziert wird die Serie von der Produktionsfirma 307 Production in Koproduktion mit dem SWR, WDR und ARD Degeto Film. Ausgestrahlt wird die Serie im Ersten, außerdem kann sie in der ARD Mediathek abgerufen werden. Die Veröffentlichung ist frühstens für das kommende Jahr geplant.

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Fabian Janssen
Foto von Multimediareporter Fabian Janssen

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