Ministerpräsident bat bei Gedenkveranstaltung um Entschuldigung

Entschuldigung von Ministerpräsident Schnieder stößt im Ahrtal auf gemischte Gefühle

Ministerpräsident Gordon Schnieder (CDU) hat für das Versagen des Staats bei der Flutkatastrophe um Entschuldigung gebeten. Wie das bei den Menschen im Ahrtal ankommt, haben wir nachgefragt.

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Stand

Von Autor/in Fabian Janssen

Am fünften Jahrestag der Flut bat Ministerpräsident Gordon Schnieder bei der Gedenkveranstaltung in Bad Neuenahr-Ahrweiler für das Versagen der Landesregierung in der Flutnacht um Entschuldigung. Der Applaus am Abend war groß, die ersten Reaktionen der Menschen danach positiv. Doch wie kommt die Entschuldigung einen Tag später bei Bürgern und Amtsträgern im Ahrtal an?

Reaktionen im Ahrtal: Dankbarkeit, Skepsis, Enttäuschung

Claudia Zimmermann aus Dernau findet es grundsätzlich gut, dass Schnieder sich entschuldigt hat. "Ich finde es schön, dass die Geste überhaupt kommt, aber wir hätten sie uns von jemand anderem gewünscht." Dann geht sie noch auf das zeitliche ein. "Für die Menschen, die Angehörige verloren haben, nach fünf Jahren erst, das ist schon heftig."

Eine andere Dernauerin ist dagegen versöhnlich gestimmt: "Ich finde das super, dass der Schnieder sich entschuldigt hat. Die Leute haben gewartet. Alle sind ein bisschen getröstet und jetzt gucken wir weiter."

Willi Schaffrath, der ein Gästehaus im Nachbarort betreibt ist zwiegespalten: "Das war der Erste, der dann mal in die Richtung was gesagt hat. Aber ob es denn wirklich so war, weiß man bei den Politikern ja nie. Es wirkte auf jeden Fall so."

Liveblog zum fünften Jahrestag der Flutkatastrophe Reaktionen auf Schnieders Entschuldigung - "Darauf haben wir gewartet"

Fünf Jahre nach der Ahrflut haben die Menschen am 14. Juli der Opfer gedacht. In unserem Liveblog haben wir den Tag begleitet und am Tag danach über die Reaktionen zur Gedenkfeier berichtet.

Uschi Stark, die gerade mit ihrer Enkelin durch Bad Neuenahr-Ahrweiler spaziert, sagt: "Das war jetzt auch mal an der Zeit. Bisher hat es keiner für nötig gehalten." Auch sie findet, dass es der ehemalige Landrat sein sollte, der sich entschuldigt. Und zum Sinn der Entschuldigung jetzt, sagt sie: "Es erweckt keine Toten mehr. Aber trotzdem die Geste, dass man anerkennt, wir haben Fehler gemacht, allein das war ja schon sehr angebracht." Uschi Stark wünscht sich mehr Bürokratieabbau für das Ahrtal - ihr Sohn steckt immer noch im Wiederaufbau.

Grundsätzlich finden es die Menschen im Ahrtal gut, dass Ministerpräsident Schnieder um Entschuldigung bat und ein Versagen der Landesregierung anerkennt. Aber fast alle mit denen wir sprechen, sagen die Entschuldigung komme für sie zu spät und von der falschen Person.

Kommunalpolitik reagiert unterschiedlich

In der Kommunalpolitik fällt das Urteil je nach Ebene unterschiedlich aus. Helmut Lussi (CDU), Ortsbürgermeister von Schuld, sagt dem SWR, ihm persönlich bedeute die Entschuldigung nicht viel, aber "die Menschen im Ahrtal werden mehr Bedeutung drauflegen." Für ihn ist klar: "Eine Entschuldigung von der Landesregierung war nie gefordert. Der Schuldige saß in der Kreisverwaltung und das war Landrat Jürgen Pföhler (CDU)."

Aus Lussis Sicht hätte vor allem früher Katastrophenalarm ausgelöst werden müssen. Gleichwohl habe Schnieder seine Worte gut gewählt: "Ich habe die Reaktion bei den Leuten gesehen. Ich glaube, die ist angekommen."

Die Ermittlungen gegen Pföhler wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung hatte die Staatsanwaltschaft Koblenz im April 2024 eingestellt. Einen Klageerzwingungsantrag von Hinterbliebenen lehnte das Oberlandesgericht Koblenz im Juni 2026 ab.

An der Gedenkveranstaltung im Ahrtal nahm unter anderem Ministerpräsident Schnieder und Kanzler Merz teil.
Bei der Gedenkveranstaltung im Ahrtal entschuldigte sich Ministerpräsident Schnieder bei den Opfern der Flutkatastrophe.

Andere hoffen, dass die Entschuldigung den Menschen nun hilft, das Erlebte zu verarbeiten. Landrätin Cornelia Weigand (parteilos) erklärt: "Eine Entschuldigung seitens der Landesregierung haben sich viele Menschen nach der Flutkatastrophe gewünscht, und es hat viele im Ahrtal in den vergangenen fünf Jahren immer wieder beschäftigt. Etlichen hat es sicher gut getan, dass Herr Ministerpräsident Gordon Schnieder diese nun ausgesprochen hat. Vielleicht vermag sie dabei helfen, Wunden zu heilen. Eine Entschuldigung öffnet Türen, um möglichst umfassend aus den Erfahrungen der Katastrophe lernen zu können."

Der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Altenahr Dominik Gieler (CDU) teilt uns mit, dass er die Entschuldigung auf dem Heimweg nach der eigenen Gedenkveranstaltung in Altenburg zur Kenntnis genommen hat. "Sie ist für viele Betroffene bedeutend und kann Ihnen nun dabei helfen, die Ereignisse dieser Nacht weiter, anders oder besser zu verarbeiten."

Bundespräsident, Kanzler, Ministerpräsident: Signal an das Ahrtal

Der neue Bürgermeister der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler Pascal Rowald (CDU) war selbst bei der Gedenkveranstaltung zugegen, bei der Ministerpräsident Schnieder ein Versagen der Landesregierung eingestanden hat. Er betont, dass der Besuch des Bundespräsidenten und des Bundeskanzlers an dem Tag von hoher Bedeutung für das gesamte Ahrtal war.

"Das zeigt uns, dass die Sorgen und Herausforderungen der Menschen und Kommunen im Ahrtal bei Bund und Land weiterhin wahrgenommen werden und einen hohen Stellenwert haben."

Für ihn persönlich waren die Worte von Herrn Schnieder von großer Relevanz. Eine Entschuldigung war für viele Menschen überfällig, sagt Rowald. "Für viele Menschen im Ahrtal war diese fehlende Entschuldigung eine offene Wunde, die fünf Jahre nach der Katastrophe endlich heilen kann. Dafür bin ich dem Ministerpräsidenten sehr dankbar."

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Fabian Janssen
Foto von Multimediareporter Fabian Janssen

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