Insgesamt 14 Hinweise seien seit der Ausstrahlung der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY...ungelöst" zum Mordfall Amy Lopez bei der Polizei eingegangen, sagte Jürgen Fachinger, Pressesprecher des Polizeipräsidiums in Koblenz. Davon sei ein Hinweise sehr konkret gewesen. Eine Person hat sich nach Polizeiangaben gemeldet und gesagt, vor rund 30 Jahren mit einem Mann gesprochen zu haben. Dabei habe dieser erzählt, an der Festung Ehrenbreitstein ein Mädchen "abgeschleppt" zu haben. Sie habe Spanisch gesprochen.
Die Ermordete Amy Lopez kam aus dem US-Bundesstaat Texas, an der Grenze zu Mexiko. Fachinger ist nach eigener Auskunft verwundert, dass der Hinweis in der Sendung schon so genau besprochen wurde. Man müsse jetzt erst einmal prüfen, wie glaubwürdig der Anrufer sei. Dafür würde der Mann persönlich verhört und auch die Frage gestellt, warum er sich erst jetzt gemeldet hat.
Auch wenn der Mord an der damals 24-jährigen Frau aus Texas nun schon lange zurückliegt, hat die Koblenzer Kriminalpolizei die Hoffnung nicht aufgegeben, den Fall noch aufklären zu können. Fachinger verweist auf den Grundsatz "Mord verjährt nie". Deswegen werde der Fall erst dann zu den Akten gelegt werden, wenn er aufgeklärt sei.
DNA-Spur könnte Täter überführen
Im vergangenen Jahr - anlässlich des 30. Jahrestags - sei erneut Bewegung in die Ermittlungen gekommen, sagt der Koblenzer Pressesprecher: "Die Kolleginnen und Kollegen der Kriminaldirektion haben entsprechendes DNA-Material gesichert." Also das individuelle Erbgut eines Unbekannten. Die Polizei geht davon aus, dass es sich um den Täter handelt. Vor 30 Jahren brauchte man noch Blut, um eine DNA-Spur zu finden. Durch den Fortschritt in der Kriminaltechnik reichen dafür inzwischen schon Hautschuppen aus.
Ermittler baten in ZDF-Sendung um Hinweise
In der Folge hatte die Polizei mehr als 300 Zeugen und Verdächtige von damals noch einmal vorgeladen und um eine DNA-Probe gebeten. Bislang haben das schon viele bereitwillig getan. Allerdings bisher ohne Ergebnis. Deshalb hatte sich die Polizei jetzt an die ZDF-Fahndungssendung "Aktenzeichen XY... ungelöst" gewandt, wo der Fall am Mittwochabend vorgestellt wurde.
Wir erhoffen uns durch die Sendung auch nochmal neue Hinweise und quasi diesen einen heißen Tipp, der dann letztendlich zur Überführung des Täters führen kann.
"Wir erhoffen uns durch die Sendung auch nochmal neue Hinweise und quasi diesen einen heißen Tipp, der dann letztendlich zur Überführung des Täters führen kann", erklärte Fachinger vor der Sendung. Auch die Belohnung wurde nochmals erhöht. Inzwischen ist die Summe von 2.500 Euro auf 10.000 Euro angehoben worden. Der Polizeisprecher hält es für möglich, dass es Mitwisser gibt, die vielleicht durch die hohe Belohnung animiert werden, sich zu melden. Vielleicht dränge sie aber auch ihr Gewissen dazu.
Amy Lopez - ein Zufallsopfer
Nach Ansicht der Polizei war Amy Lopez ein Zufallsopfer. Sie hatte zum bestandenen Schulabschluss von ihrem Vater eine Europareise geschenkt bekommen. Amy reiste mit einer Gruppe, die auch Koblenz besichtigen wollte. "Sie wollte eigentlich an dem Tag ihr Quartier im Bereich der Festung in der dortigen Jugendherberge aufschlagen", so Fachinger. Doch dazu kam es nicht mehr.
Am frühen Morgen des 26. September 1994 machte sich die 24-Jährige auf den Weg zur Festung Ehrenbreitstein. Eine Stunde, nachdem sie zum letzten Mal gesehen wurde, war Amy Lopez tot. Vergewaltigt und ermordet. Ein Jugendlicher fand sie in einem vernachlässigten Bereich der Festung. Zuletzt wurde sie in Begleitung eines jungen Mannes gesehen. Er hatte auffallend kurze und sehr blonde Haare, so die Polizei. Er könnte demnach ein wichtiger Zeuge, aber möglicherweise auch der Täter sein.