Nur wenige Maßnahmen an der Ahr fertiggestellt

Fünf Jahre nach der Flut: Kaum neuer Hochwasserschutz im Ahrtal

Vor fünf Jahren hat die Flutkatastrophe an der Ahr 135 Menschenleben gefordert. Einen deutlich besseren Schutz vor Hochwasser gibt es bislang aber immer noch nicht.

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Stand

Könnte sich eine verheerende Katastrophe wie 2021 an der Ahr wiederholen? Nach heutigem Stand - fünf Jahre danach - lautet die Antwort: Ja. Das sagt die Stabsstelle Hochwasserschutz beim Kreis Ahrweiler. Zwar gebe es eine Reihe von lokalen Maßnahmen, die bei einem neuen Hochwasser auch einen gewissen Schutz bringen. Aber eine Flut wie vor fünf Jahren könnten diese Einzelprojekte nicht stoppen.

Hochwasserschutzwände und Brücken ohne Pfeiler an der Ahr

Zu diesen Einzelprojekten gehören zum Beispiel die neu gebauten Brücken. Egal ob für die Eisenbahn, das Auto oder für das Fahrrad: Alle Brücken werden ohne Zwischenpfeiler im Fluss gebaut. Denn gerade an den vielen historischen Brücken mit den abgerundeten Pfeilern in der Ahr hatte sich bei der Flutkatastrophe das Treibgut gesammelt. So wurden die Wassermassen gestaut - und als die Brücken weggerissen wurden, strömte das Wasser als Flutwelle in die Orte. Die neuen Brücken haben deutlich mehr Platz, so dass Treibgut weniger schnell hängen bleibt.

Der Neubau der Bachemer Brücke hat keinen Zwischenpfeiler mehr.
Brücken-Neubauten, wie hier in Bachem, werden grundsätzlich ohne einen Pfeiler in der Mitte gebaut, der in der Ahr steht. Grundsätzlich werden die Brücken so konzipiert, dass der Hohlraum darunter so groß wie möglich ist. So verfängt sich bei einem Hochwasser weniger Treibgut.

An einigen Orten, wie zum Beispiel in Walporzheim, in Heimersheim oder in Ahrweiler an der Karl-von-Ehrenwall-Allee sorgen zusätzliche Prallwände für Schutz. Eine sehr direkte Hilfe, die unmittelbar dahinterstehende Gebäude schützt. Außerdem hat der Kreis Ahrweiler ein System aus mobilen Hochwasserschutzwänden gekauft, das dort zum Einsatz kommen kann, wo aus baulichen Gründen keine feste Lösung möglich ist. Das System aus mehreren Modulen kann eine Gesamt-Uferlänge von 1,4 Kilometern schützen.

Eine Hochwasserschutzwand wird an der Ahr bei Ahrweiler gebaut.
An vielen Stellen entlang der Ahr werden aktuell Hochwasserschutzmaßnahmen fertiggestellt. Bis alle Anwohner im Ahrtal geschützt sind, wird es aber noch Jahre dauern

Gewässerwiederherstellung wichtig für den Hochwasserschutz

Bei einer Flusslänge von knapp 90 Kilometern pro Ufer ist klar, dass mit Schutzwänden allein kein vollständiger Hochwasserschutz erreicht werden kann. Die Stabsstelle Hochwasserschutz des Kreises Ahrweiler setzt deswegen auf großflächige Gewässerwiederherstellung. Das Ziel ist es, das Flussbett der Ahr so flach wie möglich zu gestalten. "Wenn dann das Wasser steigt, dann geht der Fluss eher in die Breite und nicht in die Höhe, wie bei der Flutkatastrophe", sagt Stabsstellenleiter Markus Göbel.

Wir mussten mit 400 Grundstückseigentümern einzeln sprechen.

Außerdem soll es zusätzliche Überflutungsflächen geben, auf denen die Wucht der Ahr bei einem Hochwasser auslaufen kann. Doch diese Maßnahmen brauchen Zeit. Die etwa 700 Einzelmaßnahmen des Kreises sind nach Angaben einer Kreissprecherin zu 25 Teilprojekten gebündelt worden. Fünf davon in Kreuzberg, Fuchshofen, Sinzig, Mayschoß und Dernau seien fertiggestellt. Weitere seien in der Umsetzung.

Hauptgründe für die Verzögerung sind laut Stabsstelle oft die schwierigen Besitzverhältnisse. Denn man braucht Platz, um den Fluss zu verbreitern und Überflutungsflächen zu schaffen. Platz, der in der Regel privaten Eigentümern gehört.

Mit einem Bagger wird das Flussufer der Ahr verbreitert.
Überall an der Ahr, wo es geht, wird das Flussbrett verbreitert. Außerdem werden Überflutungsflächen geschaffen. Bei steigenden Pegelständen soll das Wasser sich so vor allem zur Seite und nicht nach oben bewegen.

"Wir mussten mit 400 Grundstückseigentümern einzeln sprechen," rechnet Markus Göbel vor. "In den meisten Fällen waren die Menschen kooperativ, aber in manchen Fällen müssen wir auch sehr lange diskutieren." Außerdem seien die Naturschutz- und Genehmigungsverfahren komplex und langwierig.

Nur riesige Rückhaltebecken bieten echten Schutz

Mit der Gewässerwiederherstellung müsste ein so genanntes Jahrhunderthochwasser überstanden werden können, so die Berechnung. Aber um die deutlich größeren Wassermassen einer vergleichbaren Flutkatastrophe wie 2021 zu kontrollieren, braucht es noch mehr. Nämlich riesige Regenrückhaltebecken am Oberlauf der Ahr. Laut Planung insgesamt mindestens 17, noch besser 18.

Eine Generationenaufgabe und eine sehr teure Aufgabe.

Sicherer Hochwasserschutz dauert vermutlich noch lange

Hier ist der Zeithorizont aber noch größer. "Wenn wir morgen loslegen würden, würde es bestenfalls zehn Jahre dauern", schätzt Markus Göbel. Aber so weit ist die Stabsstelle noch lange nicht. "Es ist eine Generationenaufgabe und eine sehr teure Aufgabe. Und bislang ist noch nicht mal die Finanzierung geklärt." Denn der Wiederaufbaufond von Bund und Ländern decke nur lokale Hochwasserschutzmaßnahmen ab. Und alleine könnte der Kreis die geschätzten 1,7 Milliarden Euro nicht stemmen.

Bis also wirklich eine Flutkatastrophe wie 2021 sicher überstanden werden kann, wird es an der Ahr noch Jahrzehnte dauern. Aber, so Markus Göbel: "Wenn wir jetzt nicht damit beginnen, dann wird es nie fertig."

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Erstmals publiziert am
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Autor/in
Christian Giese-Kessler
Portraitfoto von Reporter Christian Giese-Kessler aus dem SWR-Studio Koblenz in Rheinland-Pfalz.

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