Hunderttausende Euro Schaden

Glasfaser-Pleite: Subunternehmer aus dem Rhein-Lahn-Kreis warten auf ihr Geld

Nach der Insolvenz der Kölner Glasfaser-Baufirma Phoenix Engineering melden sich Subunternehmen aus dem Rhein-Lahn-Kreis: Die Firma schulde auch ihnen noch hunderttausende Euro.

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Von Autor/in Tim Saynisch

Vergangene Woche war bekannt geworden, dass die Phoenix Engineering GmbH mit Sitz in Köln und Griechenland insolvent ist. Das Unternehmen hatte in mehr als zwei Dutzend Gemeinden im Rhein-Lahn-Kras Glasfaser verlegt. Offenbar hat Phoenix nicht nur den eigenen Glasfaser-Arbeitern seit Wochen keinen Lohn gezahlt. Auch Subunternehmer aus dem Rhein-Lahn-Kreis geben an, das Unternehmen schulde ihnen noch hunderttausende Euro.

Verbindlichkeiten von mehr als 350.000 Euro

Nach SWR-Recherchen belaufen sich die Verbindlichkeiten von Phoenix Engineering bei mehreren Baufirmen aus der Verbandsgemeinde Bad Ems-Nassau und der Verbandsgemeinde Loreley auf mehr als 350.000 Euro. Davon entfallen nach eigenen Angaben schon mehr als 200.000 Euro auf Murat Yaman und sein Garten- und Landschaftsbau-Unternehmen in Bad Ems. Der Bauunternehmer gibt an, bereits mehrere Jahre Erfahrungen mit den Praktiken von Phoenix Engineering gesammelt zu haben.

2023 habe er schon einmal für das Unternehmen gearbeitet und eine Baustelle in Bad Ems betreut. "Am Anfang haben sie pünktlich bezahlt, das waren Beträge zwischen 17.000 und 30.000 Euro", berichtet Yaman. Schlussendlich seien 2023 aber 40.000€ aufgelaufen: "Die kamen erst nach vier Monaten und mehreren Mahnungen. Daraufhin haben wir die Zusammenarbeit vorerst beendet."

Arbeiten in Weyer, Nochern und St. Goarshausen nicht bezahlt

Ende März diesen Jahres sei Phoenix Engineering dann wieder auf ihn zugekommen, mit dem Auftrag, Glasfaserkabel in Weyer, Nochern und St. Goarshausen zu verlegen. Diese Baustellen seien bis zum Ende durchgeführt und auch durch das Bauamt abgenommen worden. Das Gesamtvolumen des Auftrags belief sich laut Murat Yaman auf mehr als 200.000 Euro: "Abschläge von 9.000 und 8.000 Euro hat uns Phoenix Engineering überwiesen. Danach kam nichts mehr."

Meine Hoffnungen sind gering, dass ich mein Geld wiedersehe.

Alle Versuche Yamans, seinen Auftraggeber zu kontaktieren, seien fehlgeschlagen. "Die melden sich nicht mehr bei uns", sagt er resigniert und fügt an: "Meine Hoffnungen sind gering, dass ich mein Geld wiedersehe." Yaman hat nach eigenen Angaben einen Kredit aufgenommen und weiteres Eigenkapital in seine Firma investiert. Seine Baufirma sei durch die ausbleibenden Zahlungen in Schieflage geraten.

Auch Dausenauer wartet noch auf fast 130.000 Euro

Ferhat Ekinci aus Dausenau kann Yamans Lage nachvollziehen. Auch er hat eine Baufirma und auch er hat nach eigener Aussage von November 2023 bis März 2025 für Phoenix Engineering als Subunternehmer gearbeitet. "Wir haben immer unsere Arbeiten nach bestem Wissen und Gewissen ausgeführt. Alle Abnahmen der Baustellen wurden mit Bravour bestanden", gibt er an. Dennoch sei er von Phoenix nicht bezahlt worden.

Wie Yaman habe auch er in Nochern gearbeitet, außerdem zuvor schon in Braubach, Pohl und Dausenau. "128.900 Euro sind noch offen. Deshalb haben wir in Nochern einen Baustopp eingelegt", berichtet Ekinci. Die Baustelle habe dann ein anderes Unternehmen fertiggestellt. "Die Phoenix hat immer noch einen gefunden, der es macht", ärgert sich Ekinci.

Prather Handwerker will andere warnen

Das hat auch Marko Schlegel aus Prath festgestellt. Er sei mit seinem Gartenbau-Unternehmen von Phoenix Engineering ebenfalls um fast 9.000 Euro geprellt worden. Vor 14 Tagen setzte er dann einen Facebook-Post ab. "Um andere Unternehmen zu warnen", wie er sagt. "Wir brauchen so viel Aufmerksamkeit, wie es geht. Damit kein anderer Handwerker denen mehr auf den Leim geht."

Wie man einer Firma ohne eigene Gerätschaften und mit Sitz auf Kreta vertrauen kann, deutschlandweit tätig zu werden, kann ich nicht nachvollziehen.

Schlegel versteht nicht, warum "Unsere Grüne Glasfaser" für seinen Glasfaser-Ausbau auf den Generalunternehmer Phoenix Engineering gesetzt hat. "Mit einem regionalen Unternehmen wäre das nicht passiert. Regionale Firmen sind greifbar, da kann man hinfahren und sich beschweren", sagt er mit Verweis auf den Zweitsitz von Phoenix Engineering in Griechenland. "Ich als regionaler Unternehmer könnte mir so eine schlechte Presse erst gar nicht erlauben, mich würde ja niemand mehr engagieren."

Ein alter Pritschenwagen steht in einer Wiese bei Frücht.
In Frücht (VG Bad Ems-Nassau) soll Phoenix Engineering ein Außenlager für den Glasfaser-Ausbau betrieben haben. Der Platz ist verlassen und verkommt.

Sascha Göppert, Garten- und Landschaftsbauer aus Frücht, pflichtet seinem Kollegen bei: "Wie man einer Firma ohne eigene Gerätschaften und mit Sitz auf Kreta vertrauen kann, deutschlandweit tätig zu werden, kann ich nicht nachvollziehen." Er sei im Mai diesen Jahres beauftragt worden, Außenlager von Phoenix Engineering in Braubach und Frücht zurück zu bauen.

Zahlungsprobleme zeichneten sich offenbar ab

Für Braubach habe Göppert immerhin noch eine Anzahlung von 5.000 Euro erhalten, "13.000 Euro haben wir aber immer noch zu bekommen." Die Anzahlung habe er auch nur verlangt, weil ihm ein Mitarbeiter der Verbandsgemeinde einen Tipp gab. "Er hatte uns vorgewarnt, dass das Unternehmen womöglich Liquiditätsprobleme hat", so Göppert. Den Namen des Verwaltungsmitarbeiters möchte er nicht nennen.

Den Auftrag in Frücht habe er dann gar nicht mehr angetreten. "Da herrscht nach der Flucht von Phönix nach wie vor das Chaos. Und da steht auch noch ein ölendes Fahrzeug, ein echtes Umweltproblem", schildert Göppert die Lage am ehemaligen Lagerplatz in Frücht.

Unternehmen aus dem Rhein-Lahn-Kreis stellen Strafanzeigen

Alle geschädigten Unternehmen aus der Region, mit denen der SWR gesprochen hat, haben Strafanzeige gegen Phoenix Engineering gestellt. Das Kölner Unternehmen macht auf SWR-Anfrage noch keine Angaben zu etwaigen Ansprüchen von Subunternehmern.

Phoenix Engineering: Ansprüche sollen geprüft werden

Vergangene Woche wurde ein vorläufiger Insolvenzverwalter für die Phoenix Engineering GmbH vom Amtsgericht Köln bestellt. Er lässt über den Sprecher einer beauftragten PR-Agentur verlauten, dass man Wert auf einen geordneten Ablauf lege. Da es sich aktuell noch um ein vorläufiges Insolvenzverfahren handle, könne man zurzeit keine Angaben zu etwaigen Ansprüchen Dritter machen.

Nach Angaben des Insolvenzverwalters sollten zunächst die direkten Angestellten von Phoenix Engineering ihr Insolvenzgeld ausgezahlt bekommen. Dies habe "oberste Priorität". Forderungen der Subunternehmer würden nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens geprüft. "Der Insolvenzverwalter ist verpflichtet, in die Vergangenheit zu schauen. Aktuell geht es aber zunächst darum, die Gegenwart zu verstehen", erklärte der Sprecher des vorläufigen Insolvenzverwalters gegenüber dem SWR.

Nach aktuellem Stand seien die August-Löhne für 149 Arbeitnehmer bereits als vorfinanziertes Insolvenzgeld überwiesen worden. Für September habe man bereits einen ersten Abschlag an 152 Arbeiter gezahlt. Weiterhin hätten 180 Mitarbeiter das Unternehmen bereits verlassen. Sie müssen ihre Ansprüche auf Insolvenzgeld eigenständig bei der Agentur für Arbeit geltend machen. Man helfe bei der Beantragung mit den notwendigen Formularen und Informationen, heißt es vom Insolvenzverwalter.

Insolvenzverwalter: Phoenix Engineering ist um Sanierung bemüht

Weiterhin widerspricht der vorläufige Insolvenzverwalter Schilderungen der Subunternehmer, wonach Phoenix Engineering nicht zu erreichen sei. "Der Geschäftsbetrieb in Köln wird nach wie vor in vollem Umfang aufrechterhalten. Auch die Geschäftsführung ist vor Ort und arbeitet konstruktiv im vorläufigen Insolvenzverfahren mit", so ein Sprecher gegenüber dem SWR.

Zwischen Insolvenzverwaltung und Geschäftsführung herrsche ein täglicher Austausch. Man arbeite gemeinsam daran, den Geschäftsbetrieb erfolgreich zu stabilisieren und fortzuführen: "Auch Investorengespräche werden von der Geschäftsführung begleitet."

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Tim Saynisch
Foto von Multimediareporter Tim Saynisch

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