Mehrere Angestellte des Kölner Bauunternehmens Phoenix Engineering, das im Rhein-Lahn-Kreis Glasfaserleitungen verlegt hat, erheben schwere Vorwürfe gegen ihren Arbeitgeber. Es geht um ausbleibende Lohnzahlungen, unbezahlte Mieten und existenzielle Sorgen. Der BEN-Kurier hatte zuerst über den Fall berichtet.
Glasfaser im Rhein-Lahn-Kreis - Vorwürfe gegen Firma
Die Kölner Firma sollte als Generalunternehmer im Auftrag der "Unsere Grüne Glasfaser" (UGG) in mehr als 20 Gemeinden im Rhein-Lahn-Kreis die Glasfaser-Kabel verlegen. Laut der Internetseite der VG Bad Ems-Nassau sind die meisten Kabel in den Orten auch verlegt worden und sind bereit, in Betrieb genommen zu werden. Doch um die Männer, die die Kabel verlegt haben, hat sich Phoenix Engineering offenbar nicht gekümmert.
Arbeiter sagen: "Wir sind völlig pleite"
Vier rumänische Arbeiter haben sich an den SWR gewandt. Sie berichten, dass sie seit mehreren Wochen keinen Lohn mehr erhalten haben - obwohl laut Arbeitsvertrag ein Stundenlohn von 14 Euro brutto vereinbart sei. Die Zahlungen, die üblicherweise alle zwei Wochen erfolgen, seien ausgeblieben. Insgesamt gehe es um mehrere tausend Euro. Außerdem habe der Arbeitgeber die Mieten für die Monteurswohnungen nicht mehr übernommen und jetzt machten die Vermieter Druck und wollten ihr Geld.
Einer der Betroffenen ist Alexandru Dodo. Mit zwei Kollegen hat er bisher in Koblenz-Güls gewohnt. Am 22. September sei der Hausmeister mit einer Drohung zu ihnen gekommen, erzählt der Arbeiter. Sie sollten ihre Sachen packen und raus aus der Wohnung.
Alexandru schildert die Situation eindringlich: "Wir sind völlig pleite, haben kein Geld und können nirgendwo hingehen. Wie sollen wir jetzt zurechtkommen, ohne jegliche Unterstützung?"
Antwort der Baufirma: Marktlage sei schwierig
Der SWR hat auch Phoenix Engineering mit den Vorwürfen konfrontiert. In einer ersten Antwort hieß es lapidar, wie andere Unternehmen in der Branche auch kämpfe man mit erheblichen Herausforderungen in einem schwierigen Marktumfeld. Zu der Kritik der Arbeiter schrieb die Firma: "Wir stehen in engem Austausch mit unseren Mitarbeitenden und Partnern und legen großen Wert darauf, die Situation verantwortungsvoll zu begleiten. Unser Fokus liegt auf Kommunikation sowie bestmöglicher Unterstützung unserer Beschäftigten."
Auftraggeber wusste von Zahlungsproblemen
Der Auftraggeber - das Unternehmen "Unsere Grüne Glasfaser" - bestätigte Ende September auf SWR-Anfrage, man sei darüber informiert, dass Phoenix Engineering "Zahlungsausstände bei Subunternehmen und Dienstleistern hat." Die UGG habe daher den Generalunternehmer aufgefordert, den Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. Man sei "besorgt über die aktuellen Meldungen" und im Austausch mit den Verantwortlichen.
Phoenix Engineering meldet Insolvenz an
Am 24. September wurde dann offiziell bekannt, dass der Kölner Generalunternehmer insolvent ist. Am Amtsgericht Köln ist ein vorläufiges Insolvenzverfahren gegen Phoenix Engineering eröffnet worden. Auf SWR-Anfrage lässt das Unternehmen durch seinen Insolvenzverwalter erklären, man habe "bereits Maßnahmen eingeleitet, um die Löhne und Gehälter der Beschäftigten bis einschließlich Oktober 2025 über Insolvenzgeld abzusichern“.
Demnach sei für August bereits Insolvenzgeld an 149 Arbeiter gezahlt worden, 152 Arbeiter hätten darüber hinaus einen ersten Abschlag für September erhalten. 180 Arbeiter haben nach Angaben des Insolvenzverwalters bereits bei Phoenix gekündigt. Sie müssen ihren Anspruch auf Insolvenzgeld eigenständig bei der Agentur für Arbeit geltend machen. Der Insolvenzverwalter unterstützt die ehemaligen Phoenix-Mitarbeitenden nach eigenen Angaben mit den nötigen Formularen und Informationen.
Als Begründung für die Pleite nennt der Generalunternehmer gestiegene Zinsen und restriktivere Kreditvergaben. Sie "hätten die Finanzierungsmöglichkeiten stark eingeschränkt, während langwierige Genehmigungsverfahren sowie verspätete Zertifizierungen und Abnahmen von Projekten die Liquidität erheblich belasteten."
UGG: Insolvenz soll Baustellen nicht verzögern
Auch die UGG bestätigt gegenüber dem SWR, über den Insolvenzantrag informiert worden zu sein. Ob sich die Insolvenz schon in den vorangegangenen Gesprächen der UGG mit Phoenix Engineering abgezeichnet hat, lässt "Unsere Grüne Glasfaser" offen. Die UGG versichert aber, dass die Arbeiten an allen Baustellen weitergingen. Läuft der Ausbau im Rhein-Lahn-Kreis also wie geplant weiter?
"Wir arbeiten mit Hochdruck daran, eventuelle Verzögerungen durch den Insolvenzantrag so gering wie möglich zu halten. Kunden der UGG entstehen keinerlei Nachteile und werden nicht von der Insolvenz betroffen sein", erklärte ein Sprecher der UGG auf SWR-Anfrage.
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Räumungen ohne Vorwarnung auch in Vallendar
Das Beispiel von Alexandru Dodo aus Güls scheint kein Einzelfall zu sein. Alexandru Codrut Nicolae berichtet dem SWR, er habe bis zum 8. September in Vallendar gewohnt. Zusammen mit 30 weiteren Rumänen und einigen Griechen. Sie seien alle bei Phoenix Engineering angestellt gewesen. Und sie alle hätten dasselbe erlebt, wie jetzt ihre Kollegen in Koblenz-Güls.
"Wir haben keine Vorwarnung erhalten", erzählt Nicolae. Oder eine Ansage, bis wann sie ausziehen müssten. "Wir wurden einfach plötzlich an einem Abend rausgeschmissen. So lief das ab. Alles passierte wirklich, wirklich schnell. Niemand von uns hat das kommen sehen."
Die wollen auch nur ihre Miete, die ihnen zusteht.
Ihre Vermieter kritisieren die Arbeiter der Kölner Glasfaser-Firma aber nicht. "Die wollen auch nur ihre Miete, die ihnen zusteht", sagt Nicolae. An seiner ausweglosen Situation sei einzig Phoenix Engineering Schuld: "Sie sind die einzigen, die für diese missliche Lage die Verantwortung tragen."
Arbeiter in Not wollen keine Sozialhilfe
Die betroffenen Männer wollen unbedingt arbeiten und betonen: Keiner von ihnen wolle in Deutschland Sozialhilfe in Anspruch nehmen. Unter ihren wenigen Habseligkeiten sind auch Unterlagen der Agentur für Arbeit. Sie seien auf eigene Faust dorthin gegangen, hätten aber nicht verstanden, was sie machen müssen. Drei der vier Männer sprechen weder Deutsch noch Englisch. Die deutsche Bürokratie habe sie schlicht überfordert.
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Koblenzer Linke schalten sich ein
Mitglieder der Linkspartei in Koblenz hatten den Arbeitern zunächst etwas zu Essen besorgt, wollten auch kurzfristig Wohnraum für sie suchen - finanziert über Spenden. Und die Partei prüfte auch, ob sie die Männer, die bei der Kölner Firma angestellt sind, auch rechtlich unterstützen kann.
Laut einem Sprecher des vorläufigen Insolvenzverwalters von Phoenix Engineering sei die Wohnsituation für alle Arbeiter mittlerweile geklärt. Demnach habe man Sorge dafür getragen, dass die Arbeiter entweder weiterhin in ihren bisherigen Wohnungen bleiben konnten oder für sie neue Wohnungen angemietet. "Kein Beschäftigter, auch keiner rumänischer Herkunft, ist daher obdachlos geworden", erklärte der Sprecher gegenüber dem SWR.