Seit dem 18. Oktober 2017 ist Otto Rubly Landrat (CDU) im Kreis Kusel. In wenigen Wochen – am 18. Oktober 2025 – wird er abgelöst von Johannes Huber (CDU). Er hatte sich in der Stichwahl am 9. März gegen Jürgen Conrad (SPD) durchgesetzt. Kurz vor Ende seiner Amtszeit haben wir Otto Rubly getroffen und mit ihm über fast acht Jahre im Amt gesprochen.
- Positive Bilanz: Glasfaser-Ausbau im Kreis Kusel
- Draisinen und die mögliche Reaktivierung der Glantalbahn
- Mission Impossible? Wasserburg und Schwesternwohnheim Reipoltskirchen
- Herausforderungen: Wirtschaft und Ärztemangel
- Größte Aufgabe für den Nachfolger: finanzielle Ausstattung des Kreises
Landrat Rubly ist zufrieden mit Glasfaser-Ausbau im Kreis Kusel
Durchaus zufrieden blickt der scheidende Landrat im Kreis Kusel auf mittlerweile 70 Prozent der Flächen im Kreis, die Zugang zu schnellem Internet haben. Damit sei ein Großteil in der strukturschwachen Region mit Glasfaser ausgestattet. Das bedeute aber nicht, dass die Menschen die Anschlüsse zu Hause auch nutzten, so Rubly. "Die Menschen müssen auch Gebrauch von der Anschlussmöglichkeit machen", betont er. "Wer keinen Vertrag abschließt, kann den Glasfaseranschluss natürlich nicht einfach so nutzen."
Insgesamt kostet der Ausbau mit schnellem Internet 70 Millionen, davon zahlen das Land und der Bund gut 90 Prozent. Die restlichen sieben Millionen Euro sind laut Rubly trotz der leeren Kassen im Kreis Kusel eine notwendige Investition. Auch wenn eine "Stange Geld ausgegeben" wurde oder noch ausgegeben werden muss, man habe keine Wahl gehabt, sagt er. Denn in "dünn besiedelten Gegenden" baue "niemand privatwirtschaftlich aus, da es sich einfach nicht lohnt". Die verbliebenen Stellen ohne Zugang zu Glasfaseranschlüssen sollen bald möglichst auch noch ausgebaut werden.
Reakitivierung Glantalbahn und die Draisine im Kreis Kusel
Seit Jahren ist die Bahnstrecke zwischen Lauterecken und Staudernheim stillgelegt. Darauf fahren aktuell nur Draisinen - die sind gerade in den Ferien ein beliebtes Ausflugsziel. Die Chancen, dass auf der Strecke aber irgendwann wieder normale Züge fahren, werden immer besser. Das Mobilitätsministerium in Mainz prüft für zwölf Bahnstrecken im Land, ob eine Reaktivierung machbar ist.
Landrat Otto Rubly hält eine Reaktivierung der Glantalbahn für wichtig, weil sie Menschen im ländlichen Raum wieder besser anbinden könnte. Sollte die Strecke zwischen Staudernheim und Lauterecken wieder für Züge geöffnet werden, würde die nördliche Draisinen-Strecke dann dem Zugverkehr weichen, so Rubly. Die südliche Draisinen-Tour von Lauterecken bis Altenglan soll aber Stand jetzt weiter angeboten werden. Diese Strecke geht dann auch nach einer möglichen Reaktivierung der Glantalbahn an Offenbach-Hundheim, St. Julian, Ulmet und auch an Bedesbach vorbei.
Sorgenkind Wasserburg und Schwesternwohnheim Reipoltskirchen
Der Kreistag Kusel hat in seiner letzten Sitzung entschieden, das Schwesternwohnheim und die Wasserburg in Reipoltskirchen erneut zur Verpachtung auszuschreiben. Nach Angaben von Landrat Rubly waren zuletzt einige Interessenten abgesprungen. 2022 waren die Wasserburg und das Schwesternwohnheim in Reipoltskirchen mal für einige Monate verpachtet. Im Herbst vergangenen Jahres waren dann sogar zwei neue mögliche Pächter für das Restaurant und die Wasserburg im Gespräch, leider erfolglos, sagt Landrat Rubly. "In der Region haben wir alle möglichen Investoren abgegrast. Vielleicht müssen wir noch dazu bezahlen, dass es einer macht." Es sei "Wahnsinn, aber auch leider die Realität."
Der Kreis hofft darauf, überregional einen Investor zu finden, der das Restaurant mit 80 Plätzen betreiben und das Gästehaus mit sechs Zimmern in Reipoltskirchen für Touristen zugänglich machen will. Rubly bleibt aber nach eigenen Angaben optimistisch, dass es bald wieder einen Pächter für das Ausflugslokal geben wird.
Corona hat die Ansiedlung von Unternehmen im Kreis Kusel gebremst
Bei der Wirtschaftsansiedlung zeigt sich Rubly kritisch. "Da wäre ich gerne ein Stückchen weiter, das ist völlig klar. Uns sind halt zwei, drei Jahre durch Corona verloren gegangen", dazu die Wirtschaftskrise und "schon sind wir ausgebremst worden". Auch in Sachen Digitalisierung in der Verwaltung und bei der Bildung "hätte man vielleicht ein bisschen mehr tun können", gibt der scheidende Landrat zu.
Und auch der Ärztemangel im Kreis Kusel ist noch nicht so viel besser geworden, wie gewünscht. Es gibt zwar mittlerweile mehrere medizinische Versorgungszentren im Kreis, in Wolfstein ist ein weiteres MVZ geplant, "sie lösen aber nicht alle Probleme", so Rubly.
Rubly gibt Projekte im Kreis Kusel in Hände des Nachfolgers
"Es gibt ja noch so ein paar Aufgaben, die ich mit angestoßen habe und die ich noch ein bisschen weiter vorantreiben möchte", sagt Otto Rubly. Sofern der Nachfolger Johannes Huber sie auch "übernehmen und an den Punkten weiterarbeiten will". Denn "es würde nichts mehr bringen, jetzt irgendwas zu machen, das niemand weiterführt. Das wäre dann vertane Liebesmüh und Blödsinn".
Johannes Huber (CDU) und Otto Rubly (CDU) seien sich aber einig, dass auch mit dem neuen Landrat das Entwicklungskonzept für den Landkreis weiter vorangetrieben werden muss. Das Thema Gewerbeflächen, die finanzielle Ausstattung des Kreises, der Hausärztemangel und ein möglicher Umbau des Westpfalz-Klinikums in Kusel stehen in den letzten drei Monaten im Amt noch auf der Agenda für die Übergabe an den Nachfolger. Denn diese wichtigen Themen seien "Herzensangelegenheiten nicht nur für mich, sondern auch für die Menschen in der Region", betont Rubly. Und die sollten im besten Fall auch nach der Ära Rubly weiter angegangen werden.