In dieser Woche hat der Stadtrat in Pirmasens beschlossen, dem städtischen Krankenhaus mit 13 Millionen Euro unter die Arme zu greifen. Am Dienstag hatte der Kreis Alzey-Worms das ehemalige DRK-Krankenhaus Alzey übernommen, um die insolvente Klinik zu retten. Es sind zwei Beispiele aus der direkten Nachbarschaft, die zeigen: Das in finanzielle Schieflage geratene Westpfalz-Klinikum steht mit seinen Sorgen längst nicht mehr alleine da.
An den Standorten des Westpfalz-Klinikums in Kaiserslautern, Kusel, Kirchheimbolanden und Rockenhausen hat man sich schon vor rund eineinhalb Jahren auf den Weg gemacht und ein so genanntes Zukunftskonzept erarbeitet. "Wir sind im Plan, haben die wirtschaftlichen Ziele erreicht", sagt nun Geschäftsführer Thorsten Hemmer.
Krankenhaus macht noch ein hohes Minus
Das Klinikum habe für das Geschäftsjahr 2024 mit einem Minus von rund zehn Millionen Euro geplant. "Diese Zahl haben wir auch erreicht", so Hemmer. Bei solch hohen, negativen Zahlen soll es aber nicht bleiben. "Das Ziel ist es weiterhin, im Jahr 2027 ein ausgeglichenes Ergebnis zu haben, um uns dann auch wieder selbst tragen zu können", berichtet der Geschäftsführer.
Ein Finanzplan sieht vor, dass das Klinikum bis Ende 2027 Gelder in Höhe von "maximal" rund 80 Millionen Euro braucht, um überleben zu können. Die Gesellschafter hatten ihre Unterstützung bereits vor fast zwei Jahren zugesagt - knapp 63 Millionen werden sie beisteuern. Die Gesellschafter sind die Stadt Kaiserslautern, der Donnersbergkreis und der Kreis Kusel. Zudem unterstützen Banken.
Ein Schwerpunkt ist Behandlung von Menschen mit Lungenkrebs
Um künftig auch wieder auf eigenen Beinen stehen zu können, sei im Westpfalz-Klinikum bereits einiges getan worden. Das auch schon mit Blick auf die geplante Krankenhausreform des Bundes. Dazu sei man mit dem rheinland-pfälzischen Gesundheitsministerium in Gesprächen und auch mit benachbarten Kliniken im Austausch, berichtet Hemmer. Für das Westpfalz-Klinikum bedeute es, dass medizinische Schwerpunkte gebildet werden.
Als Beispiel nennt der Geschäftsführer eine Abteilung für Geriatrie in Kaiserslautern, die aufgebaut wurde. Bei der Geriatrie geht es um die Behandlung von alten Menschen. "Eine solche Abteilung gab es hier vorher noch nicht", sagt Hemmer. Zudem sei die Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe weiterentwickelt worden. Und nicht zuletzt habe sich einiges im Onkologischen Zentrum bei der Behandlung von Krebspatienten getan. Ein Schwerpunkt werde hier auf die Behandlung von Patienten mit Lungenkrebs gelegt, so Hemmer.
Zahlreiche Stellen wurden im Westpfalz-Klinikum gestrichen
Um wieder selbstständig auf die Beine zu kommen, müsse das Westpfalz-Klinikum mit solchen Veränderungen nicht nur attraktiver werden, es müsse auch gespart werden. So sei eine "hohe zweistellige Zahl" an Stellen gestrichen worden - insgesamt rund 100. Das über alle Bereiche hinweg und ohne betriebsbedingte Kündigungen, wie der Geschäftsführer betont. Offene Stellen seien nicht mehr besetzt worden. An allen Standorten des Westpfalz-Klinikums arbeiten insgesamt etwa 4.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Einsparungen von mehr als sechs Millionen Euro in vier Jahren will das Krankenhaus außerdem durch die Schließung der eigenen Küche erreichen. Mit dem Unternehmen Aramark wurde auch ein Caterer gefunden, der ab dem Frühsommer 2026 die Standorte mit Essen versorgen soll. Derzeit werde erarbeitet, wie dieser Übergang im Detail aussehen soll, so Hemmer.
In Kirchheimbolanden wird am Krankenhaus gearbeitet
Einiges getan hat sich in der Zwischenzeit zudem am Krankenhaus-Standort in Kirchheimbolanden. Anfang dieser Woche wurde der Haupteingang verlegt. Nun stehen die Rohbauarbeiten für einen neuen Haupteingang und für einen Neubau an. So soll dann Platz für die Abteilungen Innere Medizin und die Geriatrie entstehen, die im Jahr 2027 von Rockenhausen nach Kirchheimbolanden verlagert werden sollen. Das Land fördert den Erweiterungsbau mit 42,7 Millionen Euro.
Derzeit liege die Auslastung des Westpfalz-Klinikums bei 80 bis 85 Prozent. "Damit sind wir im Soll", sagt der Geschäftsführer. In Kaiserslautern sei in Zukunft noch so manche Umbaumaßnahme vorgesehen, beispielsweise in der Radiologie. Zudem soll ein Planungsbüro einen so genannten Raum- und Funktionsplan für das Krankenhaus in Kaiserslautern erstellen. Ziel sei es, die medizinischen Abteilungen dort in Zukunft unter ein Dach zu bekommen. Auch für den Standort in Kusel sei ein Raum- und Funktionsplan vorgesehen - das dann gerade auch mit Blick auf die Krankenhausreform.