Innovation ist ein zentraler Wettbewerbsfaktor für Rheinland-Pfalz. Das Bundesland setzt auf Hochschulen, Start-Ups und den Mittelstand, um Innovationen voranzutreiben. Trotz dieses Potenzials sinken die Patentanmeldungen in Rheinland-Pfalz.
Prof. Dr. Dennis Steininger, Lehrstuhlinhaber für Entrepreneurship an der Technischen Universität Kaiserslautern-Landau (RPTU), erläutert, was Innovation bedeutet, welchen Herausforderungen Gründerinnen und Gründer im Land begegnen und welche Trends die Innovationslandschaft prägen.
SWR Aktuell: Herr Dr. Steininger, was versteckt sich denn genau hinter dem Begriff Innovation?
Dr. Dennis Steininger: Grundsätzlich unterscheiden wir zwischen Invention und Innovation: Eine Invention ist die Erfindung von etwas völlig Neuem - etwas, das es so vorher noch nicht gab. Eine Innovation hingegen ist die erfolgreiche Umsetzung oder Durchsetzung dieser Neuerung - also, dass sie sich am Markt durchsetzt oder im Unternehmensalltag etabliert. Dann unterscheiden wir verschiedene Unterarten von Innovationen, wie zum Beispiel Prozessinnovationen, technologische Innovationen oder Produktinnovationen. Aber ganz grundlegend gilt: Erfindung ist die Idee - Innovation ist die Umsetzung.
SWR Aktuell: Wie würden Sie das Innovationsklima aktuell in Rheinland-Pfalz beschreiben?
Steininger: Ich glaube, in den letzten Jahren hat sich da sehr viel bewegt. Die Landesregierung hat das Thema Innovation stark auf die Agenda gesetzt. Dennoch gibt es bundesweit - und auch hier - Herausforderungen, die vor allem junge Unternehmen betreffen, etwa fehlende Ressourcen oder schwierige Marktbedingungen. Gerade für Start-Ups ist es oft schwer, innovativ zu bleiben und sich gleichzeitig im Markt zu behaupten.
SWR Aktuell: In den letzten zehn Jahren gab es einen deutlichen Rückgang bei den Patentanmeldungen in Deutschland. Woran könnte das liegen?
Steininger: Das ist keine einfache Frage. Einerseits gibt es einen Zusammenhang zwischen F&E-Ausgaben (Forschung und Entwicklung) und der Zahl der Patente. Andererseits überlegen sich viele heute genau, ob sie ein Patent anmelden, weil damit automatisch eine Veröffentlichung erfolgt - und damit auch Wettbewerbern potenziell Einblick gegeben wird. Zudem ist es oft möglich, Patente zu umgehen, indem man ähnliche Lösungen entwickelt, die den gleichen Zweck erfüllen. In manchen Fällen ist es deshalb strategisch klüger, kein Patent anzumelden. Natürlich spielen auch rückläufige F&E-Investitionen eine Rolle.
SWR Aktuell: Inwiefern kann eine erhöhte staatliche Förderung die Anzahl der Patentanmeldungen in Deutschland nachhaltig steigern?
Steininger: Förderung ist immer hilfreich. Viele Patente kommen übrigens nicht nur aus Universitäten, sondern etwa auch aus der Automobilindustrie. In Regionen, wo solche Großunternehmen sitzen, gibt es oft eine hohe Patentdichte. Wenn dort gespart wird, etwa bei Forschungsausgaben, spiegelt sich das direkt in den Patentanmeldungen wider.
SWR Aktuell: Abgesehen von der Wirtschaftskraft – welchen gesellschaftlichen Mehrwert hat Innovation für ein Bundesland wie Rheinland-Pfalz?
Steininger: Neben direkten Effekten wie Arbeitsplätzen und Steuereinnahmen gibt es sogenannte Spillover-Effekte: Wenn es beispielsweise in einem Bereich wie KI in Rheinland-Pfalz viele innovative Unternehmen gibt, zieht das weitere Ansiedlungen an. Es entsteht ein Innovationscluster, das eine Region nachhaltig stärkt.
SWR Aktuell: Welche Rolle spielt denn eine Region mit den Voraussetzungen vor Ort heute noch für Unternehmen?
Steininger: Empirisch sehen wir: Innovationscluster entstehen um Hochschulen herum. Städte mit starken Unis haben meist auch eine hohe Gründungsaktivität. In Kaiserslautern etwa sind Schwerpunkte auf KI und Materialwissenschaften zurückzuführen - mit Einrichtungen wie dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) als Treiber.
SWR Aktuell: Welche Charaktereigenschaften brauchen Gründerinnen und Gründer besonders?
Steininger: Die Forschung zeigt ganz klar: Durchhaltevermögen und Leidensfähigkeit sind zentral. Man muss an die eigene Idee glauben - auch, wenn andere sagen, es klappt nicht. Außerdem haben viele Gründerinnen und Gründer eine hohe Risikotoleranz, sowohl finanziell als auch persönlich. Sie passen oft nicht gut ins klassische System, sind kantig oder unbequem - denken Sie an Elon Musk oder Steve Jobs.
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SWR Aktuell: In welchen weiteren Branchen bestehen derzeit insbesondere günstige Voraussetzungen für Unternehmensgründungen?
Steininger: In unserem Business & Innovation Center in Rheinland-Pfalz sind etwa 80–85 Prozent der Start-Ups IT-basiert. Hier sehen wir das größte Wachstum und die meisten Jobs. Weitere spannende Felder sind Biotechnologie, Quantentechnologie, Mobilität, Energie und Nachhaltigkeit.
Herzlichen Dank für das Gespräch!