Wird ActiTrexx das neue BioNTech?

Biotechfirma aus Mainz entwickelt Zelltherapie bei Blutkrebs

Das kleine Biotech-Unternehmen ActiTrexx aus Mainz steht vor dem Durchbruch. Eine weltweit einzigartige Zelltherapie zur Behandlung bei Blutkrebs wird gerade getestet.

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Von Autor/in Golo Schlenk

Wer von einer erfolgreichen Biotechfirma aus Mainz hört, denkt dabei unweigerlich an den Impfstoffhersteller BioNTech. In nicht allzu ferner Zukunft könnte es aber auch ActiTrexx sein. Denn es gibt Parallelen. Wie BioNTech ist es eine Ausgründung der Universitätsmedizin Mainz. Und auch das Produkt, das gerade getestet wird, hat das Potential, erfolgreich zu sein.

Es handelt sich um eine Zelltherapie, die bei Erkrankungen mit unerwünschten Immunreaktionen zum Einsatz kommt, beispielsweise bei Blutkrebs oder Autoimmunerkrankungen. Diese Therapie namens Actileucel soll helfen, das Immunsystem des Körpers zu regulieren und wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

Zelltherapie soll Abstoßungsreaktion bei Stammzellspenden unterdrücken

Viele Leukämiepatienten und -patientinnen bekommen in der Therapie eine Stammzellspende. Diese wird aber oft vom Körper abgestoßen und das kann auch tödlich sein. Ziel ist es also, diese Abstoßung zu verhindern.

Actileucel nutzt dafür die weißen Blutkörperchen eines anderen, gesunden Drittspenders. Aus ihnen werden die so genannten regulatorischen T-Zellen herausgefiltert. Die haben die besondere Eigenschaft, dass sie die unerwünschte Immunreaktion im Körper unterdrücken können.

T-Zellen können innerhalb von 24 Stunden aktiviert werden

Die regulatorischen T-Zellen werden isoliert und mit einem Protein stimuliert, das sie besonders wirksam macht. Aktivieren nennt das ActiTrexx. Schon nach 24 Stunden können sie dem Patienten verabreicht werden. Die aktivierten T-Zellen verhindern dann eine überschießende Immunreaktion.

Bisher werden die Reaktionen mit Medikamenten unterdrückt. Die legen aber das komplette Immunsystem flach und begünstigen so Infektionen.

Zelltherapie ist teuer. Wir brauchen viel Geld.

Aktuell läuft noch die erste Testphase mit zehn Patienten, bisher ohne Komplikationen. Um die nächste Phase mit bis zu 50 Patienten und Patientinnen zu finanzieren, braucht ActiTrexx aber weitere Investoren. Andrea Tüttenberg, Mitbegründerin der Firma, spricht von mindestens 25 Millionen Euro, die sie einwerben muss: "Zelltherapie ist teuer. Wir brauchen auch Geld für die Zulassung, ohne Partner ist das für uns nicht möglich."

Zelltherapie könnte auch bei Allergien helfen

Aber selbst wenn die Finanzierung der Studie gesichert ist, wird es noch einige Jahre dauern, bis Actileucel an den Markt kommt. Tüttenberg verspricht sich von der Zelltherapie, dass sie außer bei Blutkrebs auch bei Autoimmunerkrankungen wie Morbus Crohn, Schuppenflechte und sogar bei Allergien angewendet werden kann.

ActiTrexx ist Ausgründung der Universitätsmedizin Mainz

Andrea Tüttenberg und ihre drei Mitgründer von ActiTrexx haben sich 2020 aus der Mainzer Universitätsmedizin ausgegründet. "Ohne die Universitätsmedizin wäre diese Zelltherapie nicht denkbar", sagt auch Mitbegründer Helmut Jonuleit. "Vor 25 Jahren haben wir hier in der Hautklinik mit der Grundlagenforschung begonnen." Auch deshalb ist die Unimedizin heute an ActiTrexx beteiligt. Und hofft wohl genauso, dass Actileucel in einigen Jahren weltweit zum Einsatz kommt.

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Doc Fischer SWR

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Autor/in
Golo Schlenk
Golo Schlenk ist Reporter im SWR Studio Mainz

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