Der Erfindersalon Genf öffnet am 9. April, zum 50. Mal seine Tore. Über 1.000 Innovationen warten darauf, finanzstarke Investoren zu begeistern und den Sprung zum marktreifen Produkt zu schaffen. Deutschland belegt bei Patentanmeldungen aktuell weltweit den fünften Platz - hinter China, Japan, den USA und Südkorea.
Die schiere Zahl der Patentanmeldungen ist zwar nicht die einzige Möglichkeit, die Innovationsstärke eines Landes zu beurteilen. Allerdings bietet sie für eine erste Orientierung eine wichtige Hilfe. Til Huber vom Deutschen Patent- und Markenamt betont jedoch, dass der Abstand zu den absoluten Spitzennationen relativ groß sei: "Aus China kamen rund 500.000 Patentanmeldungen. Aus Japan immerhin 400.000. Und Deutschland ist da mit 133.000 Patentanmeldungen natürlich ein Stück weit entfernt."
Traditionssektoren unter Druck
Stark ist Deutschland traditionsgemäß im Maschinen- und Anlagenbau, wo "Made in Germany" über Jahrzehnte hinweg als Erfolgsmodell galt. Allerdings befindet sich die Wirtschaft im Wandel: Neue Technologien und Industrien werden künftig einen größeren Anteil an der Wertschöpfung haben, während traditionelle Sektoren an Bedeutung verlieren werden, wie Huber erklärt:
"Aber das sind natürlich auch Bereiche, wo die Innovationen stagnieren oder teilweise rückläufig sind, wenn wir zum Beispiel auf den klassischen Verbrennungsmotor schauen. Im Gegensatz dazu ist Deutschland bei den neuen Technologien, den digitalen Schlüsseltechnologien nicht ganz vorne mit dabei."
Schwächen bei der Kommerzialisierung von Wissenschaft
Des Weiteren stellt die Umsetzung wissenschaftlicher Erkenntnisse in marktfähige Produkte in Deutschland eine besondere Herausforderung dar. In Deutschland tendieren Forschende dazu, sich ausschließlich auf die wissenschaftliche Arbeit zu konzentrieren. So sagte bereits Wilhelm Conrad Röntgen, als er auf die Kommerzialisierung wissenschaftlicher Entdeckungen angesprochen wurde: "Ich bin Physiker und kein Krämer".
Das gelte, so Til Huber vom Patent- und Markenamt, auch heute noch in weiten Bereichen der Wissenschaft - besonders für jene, die in Zukunft an wirtschaftlicher Bedeutung gewinnen werden. "Was auffällt, ist, dass Deutschland gerade auch in den Digitaltechnologien wissenschaftlich gut mithält mit dem Spitzenbereich, aber da seine Kraft nicht so richtig auf die Straße bringt.", erläutert Huber.
Wie innovativ ist Deutschland im Mobilitätswandel?
Auch für Andreas Pyka, Experte für Innovationsökonomie an der Uni Stuttgart-Hohenheim, behindert das traditionsverhaftete Denken in der deutschen Industrie den Erfolg auf zukunftsträchtigen Märkten. Ein anschauliches Beispiel bietet die Mobilität: In San Francisco haben sich die Roboter-Taxis der Firma Waymo bereits erfolgreich etabliert - eine Technologie, die laut Pyka auch aus ökologischer Sicht künftig bedeutsamer werden wird.
Aber die deutsche Automobilindustrie berücksichtige diesen Trend bisher noch nicht, so Pyka: "Das Geschäftsmodell ist seit Henry Ford in der Autoindustrie Massenproduktion, Autos im individualitätsbesitz. Und da ist sozusagen der entscheidende Wandel anzusetzen: Hier geht es darum, dass wir in einer sharing-mobility mit viel weniger Autos auskommen, aber die gleiche Mobilitätsleistung haben, wie in der Vergangenheit."
Innovationsstandort Deutschland im Rückstand
Seit 2005 erscheint in Deutschland jährlich der Innovationsindikator, eine Studie, die unter anderem vom Bund der Deutschen Industrie und dem Karlsruher Fraunhofer-Institut für Innovationsforschung herausgegeben wird. Hier liegt Deutschland mit seiner Innovationskraft derzeit lediglich auf Rang zwölf.
Expertinnen und Experten betonen besonders die Notwendigkeit von mehr Wagniskapital in Deutschland zur Finanzierung innovativer Start-up-Unternehmen, da diese als wichtige Quelle für neue Ideen und Produkte gelten.