Seit fast 50 Jahren ist der Europa-Park in Rust ein beliebtes Ausflugsziel für Familien und Freizeitfans aus ganz Deutschland. Der Freizeitpark begeistert jährlich Millionen von Besuchern mit spektakulären Achterbahnen, aufwendigen Shows und immer mehr Hightech-Attraktionen. Doch kaum jemand ahnt, dass eine der modernsten Innovationen ihren Anfang ganz woanders nahm: in einem Studierendenprojekt an der Hochschule Kaiserslautern.
Der Anfang: Seekrank wegen Virtual Reality-Brillen
Es sind die frühen 2010er Jahre, als Thomas Wagner die Experimentierlust packt. Virtual Reality-Brillen sind plötzlich in aller Munde. Doch die Ernüchterung folgt schnell: "Simulierte Achterbahnen in den VR-Brillen auf dem heimischen Wohnzimmerstuhl sorgten schnell für Seekrankheit", erinnert sich Wagner. "Man ist seekrank geworden, weil die tatsächliche Bewegung gefehlt hat."
Nervenkitzel trifft Technik: Erste Tests im Europa-Park
Deshalb wagt sich Wagner aus den eigenen vier Wänden heraus, um das Problem anzugehen: Wie kann die Illusion echt wirken, wenn der Körper die Achterbahnfahrt gar nicht erlebt? Die Lösung findet Thomas Wagner in der Zusammenarbeit mit dem Europa-Park. Mit der Idee, das VR-Erlebnis auf die Achterbahn zu bringen, beginnt für ihn und das Team eine Pionierphase.
Bei einer Testfahrt rollt Wagner selbst in der Blue Fire-Achterbahn über die Schienen, ausgestattet mit einer synchronisierten VR-Brille. Dabei merkt er: Die Kombination aus echter Achterbahnfahrt und VR-Erlebnis funktioniert. Er hatte eine Nische gefunden.
"Kann mit VR etwas erleben, was ich zu Hause nicht erleben kann"
Virtual-Reality-Erlebnisse seien bei den Menschen im eigenen zu Hause immer noch nicht etabliert, sagt Wagner. Im Freizeitpark, Museum oder Erlebniszentrum sehe das anders aus: "VR macht dort Sinn, wo ich etwas erleben kann, was ich zu Hause nicht erleben kann."
Im Gegensatz zu seinem Vorurteil, Leute zuhause zu halten, bringe das gemeinschaftliche VR-Erlebnis die Menschen nach draußen.
Innovation aus der Pfalz: Erfolgsgeschichte VR Coaster
Was also als kuriose Idee beginnt, entwickelt sich rasant weiter. Die Firma VR Coaster entsteht und innerhalb von zehn Jahren wächst sie zur Werkstatt für VR-Erlebnisse auf der ganzen Welt. Inzwischen beschränken sich die Kreativität des Teams aber schon lange nicht mehr nur auf Achterbahnen. Mittlerweile wurden weltweit mehr als 70 Fahrgeschäfte ausgestattet – darunter Freifalltürme oder Unterwasser-Erlebnisse in Wasserparks.
Auch Museen und Ausstellungen zählen heute zur Kundschaft. An die 200 Projekte habe das Unternehmen bislang umgesetzt, für manche Achterbahnen gab es sogar gleich mehrere VR-Erlebnisse.
"Die Achterbahn bleibt gleich, aber das Abenteuer, das ich dann dort erlebe, kann mit der Software einfach geändert werden", sagt Wagner. Selbst während der Corona-Pandemie blieb das Unternehmen kreativ: "Das haben wir genutzt, um einfach neue Formate, neue Ideen zu entwickeln... als Chance sozusagen, dass wir aus diesem alltäglichen Hamsterrad rauskommen", so Wagner.
Warum Kaiserslautern für das Unternehmen wichtig bleibt
Trotz internationaler Aufträge bleibt Kaiserslautern allerdings der zentraler Standort für das VR-Unternehmen. Die meisten Mitarbeitenden sind hier verwurzelt, viele kamen direkt von der Hochschule ins Team. Die Nähe zum Studiengang Virtual Design und die gute Verkehrsanbindung stärken den Standort.
"Kaiserslautern ist auch keine schlechte Stadt, um hier eine Produktionsstätte zu haben", sagt Wagner. Denn erst kürzlich hat VR Coaster neue Räume in der Stadt bezogen und bleibt damit trotz Weltbühne bei seinen Wurzeln in der Pfalz.