"Es ist so heiß, dass sich Jungvögel wie Mauersegler, Schwalben oder Spatzen aus Verzweiflung in den Tod stürzen", erklärt Sandra Labenski von der Taubenhilfe Kaiserslautern. Eigentlich kümmert sie sich hauptsächlich um Tauben, doch derzeit nimmt sie auch vermehrt Wildvögel auf. "So viele hilfsbedürftige Vögel wie in diesem Jahr gab es bei mir noch nie", sagt Labenski.
Mauersegler, Schwalben oder Spatzen würden zum Beispiel oft unter den Dachziegeln brüten: "Bei der großen Hitze kann es unter den Dachziegeln schon mal über 50 Grad heiß werden."
"So viele hilfsbedürftige Vögel wie in diesem Jahr gab es bei mir noch nie."
Jungvögel bekommen wegen der Hitze kaum Luft im Nest
Das bestätigt auch Kirsten Dresler von der Mauerseglerhilfe Apus e.V. aus der Gemeinde Gorxheimertal im hessischen Odenwald. Sie kümmert sich hauptsächlich um Mauersegler – nicht nur im Kreis Bergstraße, sondern auch in der Metropolregion Rhein-Neckar bis hin zur Westpfalz. Laut Dresler dauert die Brutzeit der Mauersegler bis in den Juli.
"Unter den Dachziegeln bekommen die Küken kaum Luft. Manchmal drängen sie sich so weit nach vorn, dass sie sogar ihre Geschwister aus dem Nest stoßen", erklärt sie. Dass in diesem Jahr so viele Vögel Hilfe brauchen, hat mehrere Gründe: zu wenig Insekten, Wassermangel und die Hitzeperiode ist genau in die Brutzeit der Mauersegler gefallen. "Ein sehr ungünstiger Zeitpunkt", bedauert sie.
Auffangstationen in Kaiserslautern und Umgebung sind überfüllt
"An einem Tag hatte ich über 200 ungeöffnete Whatsapp-Nachrichten auf dem Handy. So überfüllt sind wir", sagt Dresler. Ähnlich geht es Kurt Wilhelm. Der Kaiserslauterer hat neben Greifvögeln und Eulen auch andere Wildvögel wie Spatzen, Amseln oder Schwalben bei sich. Zur Spitzenzeit kümmerte er sich alleine um über 30 Vögel: "Einige müssen jede Stunde gefüttert werden, auch nachts."
Sandra Labenski und ihre Kollegin haben sich diesen Sommer schon um über 60 Wildvögel gleichzeitig gekümmert. Im vergangenen Jahr seien es zur gleichen Zeit nur zwischen 40 und 50 gewesen, erzählt die Vogelschützerin.
Vögel kämpfen mit vielen Herausforderungen
Es ist nicht nur die aktuelle Hitze, es ist grundsätzlich der Klimawandel, der vielen heimischen Vogelarten Probleme bereitet, so Melanie Wagner von der Gesellschaft für Naturschutz und Ornithologie Rheinland-Pfalz e.V. Manche Vogelarten haben mit der zunehmenden Hitze Probleme, andere, wärmeliebende Arten, breiteten sich eher aus.
"Die Gesamtzahl der Vögel nimmt aber eher ab, weil es tendenziell immer weniger Nahrung für sie gibt. Es gibt nämlich immer weniger Insekten", erklärt sie. Auch natürliche Feinde wie Füchse, Marder oder Eichhörnchen setzen den Vögeln zu. Hinzu kommen noch Katzen, die besonders Jungvögel, die am Boden liegen, jagen.
Umwelt Insektensterben – Ursachen und Lösungen
Das Insektensterben hat in Mitteleuropa alarmierende Ausmaße erreicht – mit unabsehbaren ökonomischen und ökologischen Folgen. Was gibt es für Lösungen? Lars Krogmann im Gespräch.
Vogelschützer in Kaiserslautern und Umgebung fühlen sich oft überlastet und alleingelassen
Sandra Labenski und Kurt Wilhelm wünschen sich mehr Unterstützung, denn sie setzen sich ehrenamtlich Tag und Nacht für die Tiere ein. "Es fehlen Leute. Ich wünsche mir vor allem einen zuverlässigen, vielleicht etwas jüngeren Menschen, der mir regelmäßig bei den Fütterungen hilft", sagt Wilhelm.
Sandra Labenski sagt, dass sie sich auch über finanzielle Unterstützung freuen würde. Denn das Aufpäppeln eines Vogels sei extrem teuer: "Die meisten Jungvögel ernähren sich von Insekten und ein Kilo davon kostet rund 60 Euro", sagt sie. Bei zehn jungen Amseln würde das Kilo für maximal zwei Tage reichen. Doch es gibt auch einen Lichtblick, sagen die beiden Ehrenamtlichen: Die extreme Hitze lässt so langsam nach und damit kommen weniger Wildvögel in ihre Obhut.