"Der Erhalt der Artenvielfalt ist unsere Lebensgrundlage. Aber bevor man sie schützen kann, muss man wissen, wo die seltenen Vögel vorkommen", sagt Thomas Dolich, Vize-Präsident der Gesellschaft für Naturschutz und Ornithologie (GNOR). Genau deshalb will der Verein herausfinden, wo seltene Vögel brüten und wie viele sie sind – unter anderem in der Pfalz.
Seltene Vögel auch in der Westpfalz
Denn in der Pfalz kommt zum Beispiel der Bienenfresser oft vor. Der bunte Vogel mag es laut Umweltministerium gerne warm und breitet sich nun bedingt durch klimatische Veränderungen immer weiter von Südeuropa Richtung Norden aus. Er braucht offene und strukturreiche Landschaften sowie Steilwände, wie Abbruchkanten in Lössgebieten oder Steilufer an Gewässern. Zudem müssen genügend Insekten in unmittelbarer Umgebung vorhanden sein, als Futter. Genau das findet er im Sandwerk Klausing bei Eisenberg (Donnersbergkreis).
"Das sind Arten, die waren ursprünglich mehr in den Flusstälern. Das wird aber immer weniger, weil Flüsse wie der Rhein begradigt werden. Deshalb sind sie auch auf Kies- und Sandgruben angewiesen. Dort können die Vögel ihre Brutröhren in die Sandwände bauen", erklärt Dolich.
Ein neuer Brutvogelaltas soll die Vögel erfassen
Aber auch andere zum Teil seltene Vögel sollen erfasst werden, wie die Uferschwalbe oder der Neuntöter. Vor 20 Jahren wurde die Situation der Vogelwelt bereits erfasst. Doch wegen der erheblichen landnutzungs- und klimabedingten Änderungen bei Beständen und Verbreitung der rund 300 Vogelarten sollen nun neue Daten erhoben werden. Die Gesellschaft für Naturschutz und Ornithologie übernimmt die Organisation. Sie will die seltenen Vögel beobachten und in einem neuen bundesweiten Brutvogelatlas erfassen.
Dazu sind Experten wie auch ehrenamtliche Vogelkundlerinnen und – kundler gefragt. Knapp hundert Freiwillige unterstützen in Rheinland-Pfalz laut Ministerium bereits bei der Vogelzählung. Sie haben dieses Jahr rund 60.000 Beobachtungen gesammelt und 84 Brutvogelarten nachgewiesen. Bisher wurden 30 von 622 Zählgebieten erfasst. Aber auch der NABU Rheinland-Pfalz, der Pollichia und andere Naturschutzverbände sind die kommenden fünf Jahre an diesem Projekt beteiligt. Projektträger des Brutvogelatlases ist der Dachverband Deutscher Avifaunisten.
Was bringt der Brutvogelatlas?
Mit diesen Daten kann dann zum Beispiel die Wirtschaft auf den Lebensraum der seltenen Vögel achten – beim Ausbau der erneuerbaren Energien beispielsweise. "Das muss alles in Einklang gebracht werden, damit man nicht am Ende das Klima rettet, aber die Arten verliert", warnt Thomas Dolich von der GNOR.
Das Unternehmen in Eisenberg mache dies laut der Umweltministerin bereits. "Die Sandgrube ist heute ein Hotspot der Artenvielfalt und ein Brutgebiet für den bunten Bienenfresser und die seltene Uferschwalbe", so Kathrin Eder (Bündnis 90/Die Grünen).
Artenschutz: Was macht das Land?
Dazu möchte auch die Landesregierung ihren Teil beitragen und unterstützt das Projekt mit einer Förderung. Umweltministerin Katrin Eder hat am Montag der Gesellschaft für Naturschutz und Ornithologie in Eisenberg einen Förderbescheid in Höhe von rund 900.000 Euro überreicht. Mit dem Geld soll in den kommenden fünf Jahren ein fundierter und flächendeckender Brutvogelatlas erstellt werden.
Anmerkung: In einer vorigen Version des Textes wurden die Vogelarten Uferschwalbe, Neuntöter und Bienenfresser als bei uns nicht heimisch beschrieben. Wir haben diese Darstellung in diesem Update korrigiert.