Kayleigh hat vor sich mehrere Paletten Lidschatten liegen. Schicht für Schicht trägt sie verschiedene Grüntöne auf und verreibt die Farben mit den Fingerspitzen auf ihrem Augenlid. Gleich wird sie die schwarz‑pinke Perücke aufsetzen, den langen schwarz‑grünen Mantel überziehen und sich schwarze Gürtel um die Taille schnallen. Wenn es nicht zu heiß ist, will die 20-Jährige aus dem Kreis Kaiserslautern mit diesem Kostüm am Wochenende zu den Cosplay‑Tagen im Japanischen Garten in Kaiserslautern gehen.
Beim Cosplay kommen Fans von Manga, Anime, Videospielen und Filmen zusammen, zeigen ihre Kostüme, posieren für Fotos und treffen sich mit anderen Cosplayerinnen und Cosplayern.
Cosplayerin aus dem Kreis Kaiserslautern hat 40 Kostüme
Während Corona vor vier Jahren hat Kayleigh Cosplay für sich entdeckt. Zu Hause hat sie inzwischen rund 40 Kostüme, viele davon inspiriert von Anime‑Serien und Videospielen. Manchmal schlüpft sie sogar mehrfach am Tag in verschiedene Rollen, dreht Videos oder trifft andere aus der Szene. Im normalen Leben ist sie Einzelhandelskauffrau.
Wenn sie cosplayt, sieht Kayleigh nicht nur anders aus. Sie hat dann auch einen anderen Namen - ihren eigenen Cosplay-Namen, nämlich "Ai". Viele in der Community würden das machen, auch um ihre Privatssphäre zu schützen, sagt Kayleigh.
Am Cosplay fasziniere sie, dass man für kurze Zeit einfach jemand anderes werden könne. Außerdem gebe es nicht viele Hobbys, wo Leute in ihrem Alter zum Beispiel auf Bühnen auftreten können - und das in verrückten Kostümen.
Cosplay: Mehr als eine äußere Verwandlung
Es bleibe aber nicht nur bei der äußeren Verwandlung, sagt sie. Durch das Kostüm verändere sich auch innerlich etwas bei ihr. "Es gibt mir schon einen Selbstbewusstseins‑Boost. Ich bin nicht so sozial. Aber, wenn ich auf einer Convention bin, dann rede ich mit jedem." Convention - so werden die gemeinsamen, offiziellen Treffen bei Cosplay genannt.
Es gibt jetzt nicht viele Hobbys, wo Leute in meinem Alter zum Beispiel auf Bühnen auftreten können, in verrückten Kostümen.
Beim Cosplay fühlt sich Kayleigh auf eine gewisse Art freier als in ihrem Alltag. "Man muss nicht gucken, dass man in die Gesellschaft reinpasst, weil man fällt sowieso auf im Kostüm", sagt sie.
Möglichst originalgetreu: Cosplay‑Kostüme und Perücken
Ihre Cosplays, wie die Kostüme in der Szene genannt werden, kauft Kayleigh vor allem online. Viel Zeit steckt sie in Make‑up und Perücken, damit ihr Outfit der Anime-Figur so nah wie möglich kommt. Für ein Cosplay investiert sie zwischen 30 und 200 Euro. "Den meisten Aufwand stecke ich in die Perücken, da lebe ich mich immer sehr gern kreativ aus. Ich brauche meistens so um die fünf bis zehn Stunden für eine Perücke."
Cosplay‑Tage: Programm im Japanischen Garten in Kaiserslautern
Von Samstag bis Sonntag wird der Japanische Garten in Kaiserslautern dann bevölkert von Wesen aus einer anderen Welt. Bei den Cosplay‑Tagen gibt es unter anderem auch einen Kostüm-Wettbewerb. Preise für den Publikums-Favoriten, die beste Bühnenshow oder die beste Näharbeit werden dabei verliehen.
Ich brauche meistens so um die fünf bis zehn Stunden für eine Perücke.
Das Programm geht täglich von 12 bis 19 Uhr. Auch Leute, die kein Cosplay machen, sind eingeladen. Der Eintritt kostet fünf Euro.
Wenn Kayleigh am Wochenende im Japanischen Garten unterwegs ist, wird sie wieder eine andere Identität annehmen. Das macht ihr nicht nur Spaß – es gibt ihr auch die Freiheit, gesellschaftliche Normen und Zwänge für ein paar Stunden hinter sich zu lassen.