Die Angst vor einer Ausbreitung der hochansteckenden Afrikanischen Schweinepest im Land ist nach wie vor da. In unserem FAQ ziehen wir Bilanz ein Jahr nach Ausbruch des Virus:
- Warum grassiert noch immer die Angst vor der Seuche?
- Welche Einbußen haben Bauern?
- Was ist weiter geplant wegen der Seuche?
- Welche Schutzmaßnahmen gab es bisher konkret?
- Welche Probleme gibt es hauptsächlich?
- Was passiert mit den toten Tieren?
- Wann gab es den ersten Fall?
- Ist die Seuche auch für Menschen gefährlich?
Warum grassiert noch immer die Angst vor der Seuche?
Die Seuche, die meist mit dem Tod von Haus- und Wildschweinen endet, ist zwar eingedämmt worden - zum Beispiel durch das Aufstellen von Zäunen sowie den Einsatz von Drohnen. Auch der Einsatz von Kadaverspürhunden half, das Virus aufzuhalten.
Aber durch jüngste Fälle im benachbarten Nordrhein-Westfalen wurden die Landwirte wieder aufgeschreckt. Ein Sprecher des Bauern- und Winzerverbands Rheinland-Pfalz Süd sagte, von Entwarnung könne noch keine Rede sein. Die Fälle zeigten, dass die Gefahr noch vorhanden sei.
Welche Einbußen haben Bauern durch die Afrikanische Schweinepest?
Für die Schweinehalter in Rheinland-Pfalz wurden nach Angaben der Verbände keine generellen Auflagen verhängt. Allerdings gab es den Angaben zufolge Einschränkungen in den Sperrgebieten.
Ebenso wurden Tierverluste wegen prophylaktischer Keulungen sowie Untersuchungskosten als negative Folgen genannt. Auch auf den Handel habe die Afrikanische Schweinepest Auswirkungen. Grund sei, dass die Schweinepreise gedrückt worden seien, sagte ein Sprecher.
Die konkret angefallenen Gesamtkosten könnten jedoch nicht beziffert werden. Auf Dauer könne eine solche Situation jedoch existenzbedrohend für die Bauern sein, hieß es weiter.
Was ist weiter geplant wegen der Afrikanischen Schweinepest?
Die Verantwortlichen im Landkreis Mainz-Bingen mahnen, dass die Bekämpfung der Seuche mit unverminderter Konzentration weitergehen müsse. Die Einschränkungen, Vorgaben und Sperrgebiete sollten auch über den Sommer hinaus erhalten bleiben. Nur punktuell sollten sie leicht gelockert werden.
Zudem würden Wildschweine stärker bejagt. So soll das Virus weniger Möglichkeiten finden, sich zu verbreiten. Im Sauerland war die Afrikanische Schweinepest zuletzt bei fünf verendeten Wildschweinen festgestellt worden. Auch im benachbarten Hessen grassiert das Virus weiterhin.
Welche Schutzmaßnahmen gab es bisher konkret?
Mehr als 1.000 Proben von Wildschweinen wurden bislang in Rheinland-Pfalz genommen. Laut Umweltministerium wurde mit Drohnen eine Fläche von über 300.000 Hektar nach Kadavern abgesucht. Auch Hunde waren demnach auf einer Fläche von fast 27.000 Hektar auf der Suche nach Wildschweinkadavern.
Weitere Informationen liefert der Afrikanische Schweinepest-Lagebericht. Demnach wurden insgesamt rund 360 Kilometer Elektrozäune aufgestellt, um die Ausbreitung der Seuche zu verhindern. Und zwar in den Landkreisen Alzey-Worms, Mainz-Bingen, Rhein-Pfalz-Kreis und Bad Dürkheim. Wo es möglich ist, soll der Elektrozaun durch einen festen Wildschutzzaun ersetzt werden.
Welche Probleme gibt es hauptsächlich?
Immer wieder werden Zäune beschädigt, zerstört oder notwendige Bestandteile geklaut. In die Zäune sind Türen eingebaut, die Menschen das Hindurchkommen ermöglichen. Wenn Zäune beschädigt werden, müssten diese umgehend repariert werden. Diese Reparaturen würden nicht nur Mitarbeitende binden, so der Kreis und die Bauernverbände. Sie seien auch kostenintensiv.
Neben Beschädigungen an Zäunen kommen auch Diebstähle vor. In Rheinland-Pfalz wurden seit August vergangenen Jahres über 30 Geräte für Elektrozäune gestohlen. Das sind Geräte, die die Zäune mit Strom versorgen. Sie machten die Zäune überhaupt erst wirksam, so das Umweltministerium.
Insgesamt seien rund 30 Kilometer Zaun zerstört oder sabotiert worden. Besonders entlang des Rheins im Rhein‑Pfalz-Kreis habe es mutwillige Beschädigungen an den Schutzzäunen gegeben. Dies teilte der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau mit. Zäune seien nieder getrampelt, durchtrennt oder Teile wie Akkus gestohlen worden.
Was passiert mit den toten Tieren?
Sobald ein Kadaver gefunden wird, muss dieser umgehend der zuständigen Behörde gemeldet werden. Die Bergung erfolgt ausschließlich durch Jäger und das Veterinärteam. Dieses muss die sogenannten Biosicherheitsvorgaben genau einhalten.
Mit dem Virus infizierte Kadaver werden in dafür zugelassenen Anlagen entsorgt. Diese Anlagen können infektiöses Tiermaterial fachgerecht verbrennen oder biologisch neutralisieren.
Wann wurde der erste Fall von Afrikanischer Schweinepest bekannt?
Der erste Fall von Afrikanischer Schweinepest wurde bei einem Wildschwein in Rheinland-Pfalz vor rund einem Jahr festgestellt. Und zwar am 9. Juni. Seitdem gab es 74 Fälle in den Kreisen Mainz-Bingen, Alzey-Worms und Rhein-Hunsrück.
Nach bisherigen Informationen wurde der Erreger zuletzt im April dieses Jahres an einem Knochen entdeckt. Im besonders betroffenen Landkreis Mainz-Bingen sind nach Angaben eines Sprechers seit einigen Monaten aber keine infizierten Kadaver mehr gefunden worden.
Allerdings tauchten immer wieder Knochen toter Tiere auf. 48 bestätigte Fälle gibt es bislang in dem Kreis. In Deutschland war die Afrikanische Schweinepest zuerst 2020 in Brandenburg bei einem Wildschwein festgestellt worden.
Bei Hausschweinen brach die Seuche in Rheinland-Pfalz im August vergangenen Jahres aus - in einer Kleinsthaltung. Betroffen war ein Betrieb in Gerolsheim (Kreis Bad Dürkheim). Danach wurde eine Sperrzone mit einem Radius von zehn Kilometern eingerichtet.
Zudem gab es als Konsequenz starke Einschränkungen für den Handel mit Schweinen. Ebenso für den Handel mit Produkten aus Schweinefleisch und der Schlachtung. Der Verkauf mit lebenden Tieren wurde aus Sicherheitsgründen grundsätzlich verboten.
Ist die Seuche auch für Menschen gefährlich?
Für Menschen und andere Tiere ist das Virus ungefährlich - auch wenn Fleisch infizierter Tiere verzehrt wird. Für Haus- und Wildschweine verläuft eine Infektion jedoch fast immer tödlich. Die Viruserkrankung ist nicht heilbar. Impfstoffe existieren derzeit nicht.
Das hochansteckende Virus wird von Tier zu Tier oder durch infiziertes Futter übertragen. Auch über virushaltige Tierkadaver sowie Schlacht- und Speiseabfälle kann eine Ansteckung erfolgen. Das Virus überlebt in Fleisch und Wurst mehrere Wochen bis Jahre.