Mit Anbruch der Dunkelheit steigt eine große, graue Drohne am Mombacher Rheinufer in den Himmel - ihre Aufgabe: Den Uferbereich zwischen Mainz und Bingen nach Wildschweinen absuchen.
Drohnen kontrollieren Gebiet von Mainz bis Bingen
Die Tiere könnten an der Afrikanischen Schweinepest - kurz ASP - erkrankt oder bereits daran verendet sein. Die Wildschweinpopulation wird hier mit der Drohne genau untersucht, damit sich die Seuche nicht weiter in Rheinland-Pfalz ausbreitet.
Wildschweine beobachten könne man laut Ulrich Jung, Jagdmeister im Landkreis Mainz-Bingen, mit einer solchen Nachtsicht-Drohne sehr gut. Die Drohne könne sehr schnell einen bestimmten Bereich absuchen.
Innerhalb einer Nacht könne man so die Gebiete am Rhein zwischen Mainz-Mombach und Bingen kontrollieren und danach viel besser sagen, ob dort Schweine von hessischer Seite durch den Rhein geschwommen sind und sich in diesem Gebiet aufhalten oder nicht.
Einen so großen Bereich so schnell abzusuchen, schaffen wir zu Fuß oder mit den Hunden natürlich überhaupt nicht. Das geht mit einer Drohne viel schneller.
Sichtungen von Wildschweinen werden an Jäger weitergegeben
Neben vielen anderen Gebieten am Rhein wird der Abschnitt zwischen Mainz und Bingen einmal in der Woche mit der Drohne kontrolliert. Knapp 30 Wildschweine haben die Forstleute in der Nacht auf Mittwoch gesichtet.
Erkennt der Drohnenpilot ein Wildschwein mit der Wärmebildkamera, markiert er die Stelle und gibt sie an den zuständigen Jäger weiter. Denn auch wenn Schweine auf den ersten Blick gesund wirken, müssen sie laut Ulrich Jung trotzdem geschossen werden.
Ethisch ist es schlimm, die Tiere alle zu töten. Aber als Seuchenpräventionsmaßnahme ist es unabdingbar.
Laut Landesverordnung ist es Vorschrift, dass alle Wildschweine in von ASP betroffenen Gebieten geschossen werden. Nur so ließe sich das hoch ansteckende Virus ausrotten. Es gebe keine Alternative, um die Ausbreitung der Seuche zu verhindern, sagt der Kreisjagdmeister.
Spürhunde suchen im Dickicht nach Wildschweinen
Einige Gebiete sind jetzt im Frühjahr allerdings schon so belaubt, dass die Drohne die Wildschweine nicht mehr erkennt, so Carolin Tröger von den Landesforsten Rheinland-Pfalz. Dann übernehmen in diesem Bereich verstärkt die Kadaver-Spürhunde die Suche nach Wildschweinen.
Diese Hunde können sowohl frische als auch alte Kadaver oder auch Knochenreste riechen und so anzeigen, wo noch Überreste eines womöglich infizierten Tieres liegen. Diese Kadaver werden laut Carolin Tröger dann schnell entfernt und auf die Afrikanische Schweinepest untersucht.
So wurden beispielsweise in den vergangenen Monaten schon über 70 Kadaver in der Kernzone bei Oppenheim entdeckt, die dann positiv auf die Afrikanische Schweinepest getestet wurden. Hier im Abschnitt bei Mombach wurden bisher keine Kadaver gefunden.
BUND unterstützt Kampf gegen Afrikanische Schweinepest
Auch der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) Mainz-Bingen sieht diese Einsätze und das Erlegen der Tiere als notwendig an. Sonja Gärtner, Referentin für Naturschutz, sagt, es müsse alles getan werden, um die Afrikanische Schweinepest einzudämmen und eine Ausbreitung zu verhindern.
Lage in Rheinhessen Afrikanische Schweinepest: Diese Regeln wurden in Rheinhessen gelockert
Für die Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest gibt es seit Monaten strenge Regeln. Diese wurden nun gelockert. Das gilt jetzt für Hundehalter, Jäger und Landwirte.
Die Population von Schwarzwild sei ausreichend groß, sodass sie sich schnell wieder selbst "reguliert". Die Naturschützerin hofft allerdings, dass die Maßnahmen gegen die Afrikanische Schweinepest nicht mehr allzu lange nötig sind.
BUND: Maßnahmen gegen Schweinepest schaden der Natur
Die Schutzzäune gegen die Verbreitung der Seuche seien schlecht für die Natur, zum Beispiel für die Pflege von Biotopen. "Schäfer, die sonst mit ihren Schafen unterwegs sind, um die Wiesen abzuweiden, können sich wegen der Zäune nicht mehr frei bewegen", erklärt Gärtner. Das führe dazu, dass Wiesen nicht mehr von den Schafen "gemäht" werden können.
"Bestimmte Biotoptypen müssten aber beweidet werden, um dort die Artenvielfalt zu erhalten", erklärt Sonja Gärtner. Und auch andere Wildtiere würden unter den Zäunen leiden, die zwar nur Wildschweine abhalten sollen, aber auch Rehe und Dachse in ihrem Lebensraum einschränkten.